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12.06.2017 -- Erwin Weigand / wv

Der Ryfflibrunnen und sein Hintergrund

Aus der Reihe "Bärner Gschichte" von Erwin Weigand


 

Einer der historischen Berner Stockbrunnen steht an der Aarbergergasse,

der Ryfflibrunnen

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Ryfflibrunnen

Ein stolzer Armbrustschütze steht auf seiner Brunnensäule. Er ist um 1545 von Hans Giengs Werkstatt gemacht worden und stand ursprünglich mit einem achteckigen Trog mitten in der damals noch Golatenmattgasse genannten Gasse. Um 1846, als die Strasse neu angelegt wurde, war der Brunnen im Weg. Er fand mit den zwei, vom Solothurner Joseph Menth gelieferten, rechteckigen Becken, am Gassenrand einen neuen Platz. Nach dem Brunnen wurde auch das Ryffligässchen benannt, das als Passage zwischen den benachbarten Gassen dient. Dieses Gässchen genoss nicht immer den besten Ruf, dort waren die "Schönen Frauen" und ihre einschlägig berüchtigten Etablissements angesiedelt. Heute haben ehrbare Ladengeschäfte ihren Platz eingenommen, einzig ein Kino hält noch mit seinem halbseidenen Programm die alte Tradition wach.

Ryffli2 Ryfflihof

Ryfflihof

Ryfflihof heisst der Coop-Supermarkt dort und kaum jemand weiss warum.

Alles begann lange vor Zeiten, als Bern mit einigen Nachbarherrschaften in Streit geriet. Ein Herr von Greyerz stellte Geldforderungen, ein Herr von Payerne wollte als römischer Kaiser anerkannt werden, der von Neuenburg wollte auch Geld, die Nidauer reklamierten drei Bürger für sich und zuletzt beanspruchten die Kyburger ihr vorher an Bern veräussertes Thun zurück, dies alles mit Unterstützung der Stadt Freiburg. Bern aber versuchte mit Mediatoren den Streit gütlich beizulegen, was wegen der Wucherforderungen wenig Erfolg hatte. So kam es, dass die Truppen der Freiburger Partei Aarberg berannten und dann Laupen belagerten. Die von ännet der Sense hatten noch die Unterstützung der Österreicher bekommen und sie feierten bereits ihren bevorstehenden Sieg. Der Chef in der Burg Laupen war der Sohn des damaligen Berner Schultheissen Johanns von Bubenberg, der Rudolf von Bubenberg. Zu seinem Gedenken steht am Hirschengraben sein Standbild.

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Burg Laupen

Die Laupener wehrten sich mit ihren selbst gebauten Bliden erfolgreich gegen die Angriffe der Belagerer. Den Berner wurde langsam die Situation zu brenzlig und so zogen sie Truppen zusammen, vom Siebental (Simmental) (der Wyssenburger war ja mit schuld an den Streitigkeiten), vom Haslital, von den Eidgenossen Schwyz, Uri und den Waldstätten. Am Vorabend des Tausendrittertages 1339 besammelten sie sich am Ortsrand bei der Brunnschür zum Znüni und zogen dann frisch gestärkt und guten Mutes, unter der Führung des jungen Hauptmanns Rudolf von Erlach (Reiterdenkmal am Kornhausplatz), durch den Forst gegen Laupen. Nach der Vesper, bei günstigem Sonnenstand begannen sie den Angriff.

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Reiterdenkmal für Rudolf von Erlach

 

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Das Brambergdenkmal für die siegreichen Berner

Den Schlachtverlauf zu beschreiben erübrigt sich, jedenfalls waren sie siegreich und haben die überlebenden frömde Fötzel in die Flucht geschlagen. Der Chronist erzählt noch, dass sich vor der bevorstehenden Schlacht in den letzten Reihen einige verdrückt hätten "die vorster fluhend gegen dem vorst". Der Hauptmann von Erlach meinte über die Fahnenflüchtigen: "die sprüwer sind gestoben von dem kernen." Das war von einem Knecht des Jordan von Burgistein gesehen und brühwarm seinem Herrn berichtet worden. Der Herr von Burgistein war Anhänger der gegnerischen Partei und dachte dass die Berner den Streit verloren hätten. Er war froh darüber und rief aus: "der ist ein guter schmitt gsin, der diss geschmit hät gemacht".

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Burgistein

 

Ryffli7 Burgistein Belagerung

Burgistein Belagerung

Doch bald musste er andere Märe erfahren, nämlich dass die Berner obsiegt hatten. Das wurde ihm auch bald gewahr, als die Berner mit grossem Werk und Geschütz gegen seine Burg zogen. Da zog Jordan von Burgistein seinen Helm ab um zu sehen wie er sich der Angreifer erwehren könne. Ein Berner Schütze sah ihn am Fenster und schoss ihn mit einem Bolzen seiner Armbrust zu Tode. Einer der Berner Soldaten sagte darauf: "das war ein guter schmitt, der das pfyl geschmitt hat." Und nun kommen wir endlich zurück zur Brunnengeschichte, der Meisterschütze war nämlich der Hauptmann Ryffli der auf dem hohen Brunnenschaft abgebildet ist.

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Hauptmann Ryffli

Ein kleiner Bär mit einer Steinschlossbüchse an seinem Fuss gibt der Figur Stütze, zwei lachende Masken am Schaft und zwei ernste Masken, aus denen die Röhren münden, versinnbildlichen das gegenseitliche Verlachen.

Fotos: Erwin Weigand
Bild Belagerung von Burgistein aus Diepold Schillings Chronik