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09.11.2017 -- Walti Armbruster / wv

Sinai / Rotes Meer / Golf von Akaba

Erinnerungen an eine Senioren Bike Tour 2008


Sinai / Rotes Meer / Golf von Akaba


Eine Senioren Bike Tour 2008, vom 25. März bis 4. April.
Studienprojekt von Andreas Aemisegger, Schule für angewandte Gerontologie in Zürich, und dem Spital Davos, sportärztliche Abteilung


Reiseprogramm:
Sharm el Sheik, entlang am Golf von Suez, Grandiose Wüstenland-schaften, Oasen, Slickrocks & Kameltrials, St. Katharina und Mosesberg, Kamelritt zur Oase Ain Hudra, Biken zur Oase Ain um
Ahmed, baden am Golf von Akaba.

Sinai Karte B0002144


Andreas stellte diese Reise so vor, und man war schlicht weg begeistert davon. Mit diesen Studien soll auch der Beweis erbracht werden, dass Senioren, die Sport treiben bis ins hohe Alter fit bleiben, dazu noch 15 bis 20 Jahre auf das biologische Alter gewinnen!


So fand sich eine Gruppe von 16 Personen am 25. März am Flugplatz Kloten ein. Mit in von dieser Gruppe war Dr. Sylvia Winistörfer vom Spital Davos, und Thomas Hächler von Bike Adventure Tours. Alle anderen zählten zu den Seniorinnen und Senioren.


1. Tag, Flug Zürich – Sharm el Sheik

Bereits um 6.00 Uhr Morgens war Treffpunkt auf dem Flughafen. Die eigenen Velos wurden so demontiert, dass diese in entsprechende Kartons passten. (Vorderrad und Pedalen weg) Nach etwa 4h Flug erreichten wir am frühen Nachmittag Sharm el Sheik, wo wir von unserem lokalen Reiseführer abgeholt wurden. Die erste Nacht verbrachten wir im Hotel Royal Plaza. Was früher Mallorca einmal für die Deutschen war, ist jetzt der Sinai und Sharm el Sheik jetzt für die Russen. Selbst der hinterste Basari spricht einem in russisch an, und das ist schon etwas befremdend. In den Hotels herrschen russische Gepflogenheiten, hier fliesst der Wodka, hier rollt der Rubel. Die jüngeren Damen, ausgesprochen elegant, ziehen auch mal ihre Show ab. Doch das war nicht warum wir auf diese Reise gingen. Unser Ziel lag in der Wüste weiter nördlich, abseits des grossen Rummels und ausgetreten Wegen!!


2. Tag, Entlang des Golf von Suez – Abu Zenima – Serabit el Khadim.

Nach dem Frühstück, es war etwas früher als das Hotelpersonal sich gewohnt war, wurde alles persönliche Gepäck in einen Bus verladen, und die Fahrt ging entlang des Golf von Suez Richtung Norden bis el Tür. Dies ist eine nicht sonderlich attraktive Siedlung, und ein Verwaltungsort des Süd Sinai. Japan hat das Kulturzentrum gestiftet; doch sehenswert ist vor allem die neue Koptische Kirche. Die Grösse und Ausstattung der Kirche lassen auf eine entsprechend koptische Gemeinde schliessen. Neben einem Restaurant einen Stopp. Hier haben wir noch einiges an Früchten für den Tag eingekauft. Die Fahrt ging weiter nach Abu Zenima, dann kurz danach auf einer Naturstrasse rechts weg. Sogleich änderte sich die Landschaft.


Wir fuhren zwischen Felsen hindurch, und kamen zu unserem ersten Rastplatz. Hier waren auch schon die beiden Landcruiser mit unseren Velos. Der ägyptische Reiseleiter, als auch die Fahrer der Jeeps bereiteten ein gutes Mittagessen zu. Anschliessend wurden die Velos ausgepackt, und wieder zusammengebaut. Das Gepäck vom Bus und die Kartons gingen in die Landcruiser. Auf einer langen abschüssigen Sandpiste fuhren wir los. Vor uns eine traumhafte Landschaft. Doch auf Sand zu fahren ist recht trickig. Nur mit Not konnte ich etwas abbremsen, um nicht von meinem eigenen Hinterrad überholt zu werden. Mein Nachfolger hatte weniger Glück und landete etwas unsanft mit einigen Blessuren im Sand. Es ging nicht nur bergab oder eben aus; doch das kommt später.

Unser heutiges Ziel war Serabit el Khadim das Dorf von Sheik Selim, unserem Gastgeber für die erste Wüstennacht. Die Begleitmannschaft bereitete das Nachtessen im Innenhof des Hauses zu. Nach einem kürzeren Zusammensein ging es bald einmal schlafen; im Freien, zum Teil überdachtem Innenhof. Jeder machte sich das zurecht was er/sie mit hatte. Die Profis, auf dünnen Isomatten mit gutem Schlafsack; ich hatte mein grosses Kopfkissen dabei, und fühlte mich ganz glücklich.

Ja, und dann dieser Traum. Normalerweise erzähle ich meine Träume nicht. Aber es war sehr speziell. Ich träumte ich musste zur Toilette gehen. Bei dieser Gelegenheit schaute ich in den Raum nebenan. Der war schön hergerichtet, Massenlager, und alles weiss bezogen. Dann ging ich in den anderen Raum, ebenfalls alles weisses Bettzeug und erst noch Einzelbetten. So entschloss ich mich in einem Einzelbett weiter zu schlafen. Doch dann wachte ich auf, musste tatsächlich zur Toilette. Bei dieser Gelegenheit schaute ich in den Raum nebenan. Durch das Dach und die nichtexistierenden Fenster war überall Wüstensand in Massen. Aber da war noch das Zimmer mit den schönen Einzelbetten. Als ich hineinschaute sah ich Beduinenunrat in Massen. Das war meine erste „Fatale Morgana“. So beschloss ich in Zukunft auf’s Träumen zu verzichten!

Sinai Velofahrer in Siegespose B0003486


3. Tag, Serabit el Khadim und Forest of Pilars

Frühzeitig wurde alles zusammengepackt, dann ein gutes Frühstück. Es war angenehm frisch als wir wegfuhren. Die Fahrt ging querfeldein. Bald passierten wir eine grössere Brunnenanlage mit gemauertem Reservoir. Wasser, das Wichtigste in dieser Gegend, ist Voraussetzung für Leben in der Wüste. Eine längere Pause machten wir in der Nähe eines sehr abgelegen, lokalen Friedhofs. Diese Stätte ist äusserst einfach gehalten. Keine Blumen, keine Namen; nur ein einfacher Stein aus der Umgebung markiert das jeweilige Grab, und Steine sind hier zum Nulltarif erhältlich. Weiter führte unsere Route durch eine Gegend mit unzähligen Steinen, die alle über oder umfahren werden wollten.

Bald einmal kreuzten wir eine Wüstenpiste. Ab und zu kam ein Lastwagen vorbei, wie man sie bei uns nicht mehr zu sehen bekommt. Die Fahrer winkten. Zu gerne hätte ich gewusst, was die von so einer Velotruppe hielten. Wir bikten durch die endlose Weite, entlang des Gebel Thi. An einem sehr schönen Platz war Halt und Mittagspause angesagt. Es wurde gekocht und gut gegessen, dann ging es weiter bis zum Forest of Pilar. Hier war der Lagerplatz für Heute Nacht. Während über eine grössere Fläche verteilt geschlafen wurde, habe ich mich
entschlossen ein kleines Zelt aufzustellen.


4. Tag, Grandiose Wüstenlandschaften

Heute erwartete uns eine abwechslungsreiche Etappe. Nach dem Morgenessen - Rühreier, Säcke mitgebrachter Müesli, Kaffee und das obligate Fladenbrot -  schwangen wir uns auf die Bikes. In flotter Fahrt ging es bergab. Dann der erste unerwartete Stopp. Weit und breit noch keine Akazien in Sicht. Doch der Wind weht die Dornen herum. Marc hatte einen Platten eingefangen. Doch Thomas wechselte den Schlauch in Rekordzeit. Dabei ist es sehr wichtig, dass der Dorn gefunden wird, sonst ist die ganze Arbeit vergebens. Eine echt gute Gegend; zuerst weite Landschaft, dann wurde das Tal etwas enger. Bald hatte auch ich eine Panne. Entlang dem Trockenbett gab es einige Akazien Diese haben äusserst hässliche, lange Dornen.

Mittagspause war dann unter einem Akazienbaum. Nach einer längeren Pause führte unser Weg auf einer Schotterpiste weiter. Andreas hatte sein Bike im Jeep verladen und joggte die ganze restliche Strecke! Hätte er nicht mal Pause gemacht, er wäre nicht mehr zum einholen gewesen. Nach einer Passhöhe mit anschliessender schneller Abfahrt kamen wir zu einer jahrhundertealten Oase. In einer entlegenen Ecke, die wir wieder früh am Nachmittag erreichten, bauten wir unser Lager für die kommende Nacht auf. Es war ein ganz hervorragender Platz. Die „Fitteren“ unter uns bestiegen noch den nahegelegenen Berg, während ich meinen Pneu flickte. Heute wollte ich, wie die anderen der Gruppe, unter freiem Himmel schlafen. Eine milde Nacht im Wüstensand kann man nicht beschreiben, das kann man nur erleben.

 

5. Tag, Slikrocks & Kameltrials

Aufstehen war täglich vor 6.00 Uhr. Dann packen und wie immer ausgedehntes Frühstück mit Fladenbrot. Anschliessend schwangen wir uns in den Sattel. Zuerst ging der Weg ein Stück zurück zu den Brunnen, die wir schon am Vortag passiert hatten. Anschliessend ein langer, im Sand verlaufender Aufstieg zu einer Passhöhe, dann eine weitere Passhöhe, um im Nachhinein auf einer Wellblechpiste zu Tal zu fahren.

Irgendwann am Morgen begann es, später setzte es sich fort, dieses eigenartige Gefühl im Bauch. Und dann war es soweit; ich hatte ganz plötzlich gewaltig die Scheisserei. Von nun an war es nicht mehr lustig! Am Ende der Wellblechpiste war eine grössere Beduinensiedlung. Da gab es einen Laden mit einem schattigen Platz zum Verweilen. So benutzte ich diese Gelegenheit mich etwas auszuruhen. Anschliessend führte die Route auf einer geteerten Strasse weiter Richtung St. Katharina. Hier merkte man wie kurzweilig Velofahren auf den Pisten und Wüstentrials ist.

Bevor wir das nächste Dorf erreichten, war eine grosse Strassensperre mit Polizeikontrolle. Diese sind ähnlich aufgebaut wie bei uns die Grenzübergänge, jedoch mit befestigtem Turm, einigen Betonklötzen, dazu schwer bewaffnet. Dies kannte ich nicht als ich vor 17 Jahren schon einmal da war. Ein Hüne von Grenzsoldat mit sehr ernstem Gesicht kontrollierte meinen Pass. Er versuchte auch meinen Namen zu lesen, Arm, Armbr, und sah mich fragend an. So sagte ich zu ihm: „ Willst du meinen deutschen, oder meinen arabischen Namen wissen?“ Jetzt fragte er erstaunt: „ Was du hast einen arabischen Namen?“ Meine Antwort war: „Walti ben nemsi“. Jetzt gab er mir mit einem sehr freundlichen Lächeln den Reisepass zurück und sagte: „Ben nemsi, du kannst weiterfahren“! Doch Ägypten kann es sich nicht leisten, dass die Touristen wegen Terroranschlägen wegbleiben. Also Kontrolle muss sein.

Im nächsten Dorf, im Restaurant el Arosa machten wir Mittagspause. Die Fahrer, die gleichzeitig auch Küchenmannschaft waren, bereiteten den Zmittag zu, während ich mich hinlegte um etwas Erholung zu haben. Die Landschaft wechselte zu mehr gebirgig, und der Wind war zeitweilig sehr stark. Etwa 5km vor dem Hotel Morgenland, unserer Tagesetappe, stieg ich in den Landcruiser, um den Rest der Strecke mitzufahren. Der direkte Weg führte ins Zimmer und gleich ins Bett, während Freddy mir den Koffer und später noch Tee brachte.

Sinai Kamele B0003392


6. Tag, Mosesberg

Unsere Gruppe bestieg den Mosesberg und nächtigte an einem sehr kühlen Platz, während ich im Hotel Morgenland blieb. Die Erholung war nicht sonderlich erfolgreich. Das Hotel hat zwar den grössten Swimmingpool, den ich je gesehen hatte (über 100m lang). Das Wasser war sehr kühl. Aber einen Swimmingpool von dieser Grösse in der Wüste sauber zu halten, ist schier unmöglich. Also Hotelferien macht man in dieser Gegend eher nicht. So verbrachte ich einen insgesamt langweiligen Tag im Hotel. Wenn man in dieser heiligen Ecke der Welt einen einsamen Tag verbringt, dann macht man sich Gedanken, „wie war das vor 3200 Jahren, als Moses mit den Israeliten hier unterwegs war?“

Fasten aus purer Langeweile macht wohl keiner. Manna gab es ja beim Beduinen um die Ecke. So kam ich zu der Erkenntnis: “Ihm ging es genau wie mir“. Er hatte wahrscheinlich ebenfalls die Scheisserei. IMODIUM und Ähnliches kannte man damals noch nicht. Also hilft nur eines: ausgedehntes Fasten. Was dabei heraus kam kennt jeder – Die 10 Gebote! Der Tag neigte sich schnell seinem Ende zu. Bald einmal war Nachtessen im Hotel. Unabhängig davon ob der Esssaal wenig oder mehr besetzt war, der Chef platzierte mich um. Nach dem 2. Male sagte ich ihm, dass ich meine Suppe jetzt im Freien esse. Doch das war ihm gar nicht recht. So gab er mir einen Tisch ganz für mich alleine! Als ich mit dem zweiten Gang an meinen Tisch zurückkehrte, sass ein älterer Herr da. Er stellte sich vor, er kommt aus Italien, Domodossola und erwähnte, dass er eine Gruppe von 27 Nationen betreut, mit dem morgigen Ziel Katharinen Kloster. Dann wollte er wissen welcher Religion ich angehöre. Ich sagte ihm: „Du kannst mich religiös platzieren wo immer du willst, ich bin überall richtig“! Das fand er OK, und schluckte 2 X mal leer durch. Als ich ihm dann von meinen beliebten Wanderregionen, Valle Formazza, Valle Antigorio und Valle Grande erzählte, waren wir Kollegen. Er kam ja ursprünglich aus dieser Gegend, und ist in der katholischen Hierarchie recht weit oben. Seine Reisegruppe sind allesamt angehende katholische Priester. Etwas später kam nochmals ein Herr an unseren Tisch, sein Deputy, und ebenfalls Italiener. Dieser war schon von weitem als Priester zu erkennen, mit Stehkragen und Heiligenschein!

Einmal mehr kann man sagen, es gibt Leute, denen wurde der Beruf einfach in die Wiege gelegt! Als ich zu Bett ging, machte ich die Heizung an, und dachte, wie geht es wohl meinen Kolleginnen und Kollegen die jetzt im Freien auf dem Moses Berg (Abu Mussa), wo es sack kalt ist, übernachten?

Sinai Essen B0003427


7. Tag, Katherinen Kloster und die Canyons von Wadi Arada

Zeitig ging ich heute Frühstücken. Bevor ich fertig war kam unsere Gruppe, die die letzte Nacht am Mosesberg übernachteten, in den Speisesaal. Als wir zusammen gefrühstückt hatten, wurde alles in die
beiden Landcruiser gepackt. Wir besuchten nun anschliessend das Katharinen Kloster. Seit meinem letzten Besuch vor 17 Jahren hat sich hier vieles verändert. Es gibt jetzt wesentlich mehr Besucher, und baulich hat sich auch einiges verbessert. Ich treffe nochmals auf meine italienischen Kollegen vom Vorabend. Es gab einige Nettigkeiten und wir verabschiedeten uns mit dem Versprechen: „das nächste Mal in Domodossola!“

Das Katharinen Kloster ist das älteste der Christenheit und vor 1’400 Jahren an dem Ort des „brennenden Busches“ gebaut. Doch bereits im 4. Jahrhundert gab es eine Marienkapelle und Mönche in dieser Gegend. Kurz vor Mittag erreichten wir das Haus einer Beduinenfamilie welches Ausgangspunkt für unseren Abstecher in das Wadi Arada war. Mittagsrast war ein schattiger Platz bei diesem Haus. Anschliessend eine ca. einstündige Wanderung in tiefem Sand zu unserem heutigen Lagerplatz. An einer traumhaften Stelle in diesem engen Tal bauten wir das Nachtlager auf. Da stets der Wind durch das Tal pfiff, benutzte ich einmal mehr das kleine Zelt, was auch ganz gut war, denn die Nacht war sehr windig und recht kühl.


8. Tag, Kamelritt zur Oase Ain Hudra

Zeitig packten wir heute zusammen. Es war immer noch etwas kühl,  doch mit der aufgehenden Sonne wurde es zusehends wärmer. Der Weg führte zurück zum Haus der Beduinenfamilie. Thomas fuhr diese Strecke mit dem Velo. Zwischendurch gab er eine kleine akrobatische Einlage. Er ging einen Berg hoch, um in den Sanddünen eine steile Abfahrt zu wagen. Eine ausgedehnte Mittagspause mit anschliessender Rast gab es an diesem schattigen Platz, wo wir gestern bereits waren. Das Menü: Tomaten mit Gurken, Feta Käse gewürzt, Thunfisch aus der Dose, dazu einmal mehr Fladenbrot.

Viel Steine gab’s und täglich Fladenbrot,
am Essen herrschte niemals Not,
doch mancher Schweizer Velo Mann
hat dort den Trunk sich abgetan !
Walti

 

Sinai im Zelt B0003369


Nach dem Essen blieb immer recht viel übrig, was von den Beduinenfrauen eingesammelt wurde für ihre Familien. Dann war Fototermin. Andreas holte sich beim Chef des Hauses die Erlaubnis, die Frauen fotografieren zu dürfen. Schliesslich hatten wir ja fast alles auf dem Film, ausser Beduinenfrauen, die immer verschleiert sind. Der Wunsch wurde gleich gewährt, und jetzt passierte etwas, das man sonst selten sieht. Diskret ging die eine Frau um die Ecke, zog den Schleier und Kopftuch aus, um das Ganze eleganter zu binden. Da ich um die Ecke in der Sonne sass, sah ich die schönen Haare und Gesicht, und für das Foto gab es obendrauf noch ein freundliches Lächeln. Auch hier in der Wüste sind die Frauen eitel, so wie im Rest der Welt!

Als wir bereit waren zur Abfahrt, wollten die Kinder noch eine Fahrt mit unseren Velos machen. Vielleicht wird in Zukunft mehr Velo gefahren in der Wüste. Jetzt fuhren wir einige Kilometer auf geteerter Strasse bis zum Platz von Sheik Musa und seinen Kamelen. Ein einstündiger Kamelritt, dann wurde gewandert. In einem felsigen Tal erst bergauf bis wir ein Hochplateau erreichten. Dann einen recht spektakulären Abstieg in den White Canyon. Dies war eine fantastische Wanderung durch diese sehr enge Schlucht. Am Nachmittag erreichten wir die Oase Ain Hudra, vielleicht die Schönste im Südsinai. Gegessen und geschlafen wurde in zwei grossen überdachten, offenen Räumen. Nach einem guten Nachtessen führte uns Hans noch seine neuen wind- und wasserdichten Pampers vor. Modeschau im Beduinenzelt!


9. Tag, Oase Ain Um Ahmed

Heute folgt ein besonderer Biker-Leckerbissen durch eines der unbekanntesten Gebiete des Süd-Sinai. Zuerst auf einer schnellen Naturstrasse durch ein langgezogenes Tal. Doch ich entschied mich unserem Fahrer Said Gesellschaft zu leisten. Verstaute mein Bike im Jeep. Da Said immer wieder Velo fahren wollte, machte ich ihm den Vorschlag, dass wir tauschen. Er mit meinem Bike, und ich mit dem
Landcruiser. Er erklärte mir kurz sein Fahrzeug, schwang sich dann in den Sattel, und los ging’s. Wir fuhren immer in zwei Gruppen über eine grössere Distanz verteilt. Said startete etwa 800m nach der letzten Gruppe. Erst stieg er mehrmals unfreiwillig ab, dann verlor er wieder mal die Kopfbedeckung. Bald einmal hatte er seinen Stil gefunden, nun war er nicht mehr zu bremsen. Holte auf und überholte.

In der Zwischenzeit, hatte Rösli, bereits 71 jährig, einen kleinen Unfall gebaut. Sie verlud ihr Velo ebenfalls in den Land Rover und fuhr mit mir mit. Es war ein besonderes Erlebnis mit dem Landcruiser durch Wüstensand zu fahren. Said holte bis zur ersten Gruppe auf, dann hatte er eine Panne. So trafen wir auf ihn, lächelnd unter einer Akazie sitzend. Nun tauschten wir mein plattes Velo mit Rösli’s Bike, so konnte Said weiterfahren. Erst jetzt stellten wir fest, dass er gar nicht wusste, wie man ein Velo schaltet. Doch einmal mehr zeigt sich, was zählt ist Kraft und Ausdauer, und das mit Wüstenfinken und Turban.

Am Ende dieser Piste war einmal mehr Polizeikontrolle. Hier wurden Namen und Fahrzeug notiert. Dabei übergab Said dem Polizisten etwas Zucker und Tee. Ich sah das einen Tag später nochmals. Was dem Polizisten nicht auffiel, war, dass der Beduine mit dem Velo unterwegs war und ich sein Auto fuhr.

Es ging weiter durch sehr schöne Landschaften. Dann bogen wir ab und erreichten die Märchenoase von Ain Um Ahmed. Wieder ein traumhafter Platz wo wir unser Lager aufbauten. Ringsum ockerfarbene Felsformationen. Die meisten unserer Gruppe gingen auf eine Wanderung, während ich einige Velos flickte. Doch Pneus flicken ist auch Glücksache, das merkte ich tags darauf, als wieder platte war. Zum Abendessen gab es Ziege mit Reis, danach ausgedehntes Beisammensein bei milden Temperaturen. Für diese letzte Nacht in der Wüste habe ich mir nochmals das Zelt aufgebaut, an einem guten Platz unter dem Akazienbaum. Als ich nachts mal aufwachte, meine Liege sich hart anfühlte, merkte ich, dass Akazien nicht nur bei Velos platte verursachen.

Sinai Velofahrer B0003345


10. Tag, Von der Wüste an den Golf von Akaba

Also, nach dem Frühstück hatte das Velo platte, der Flick von Gestern hielt nicht So machte ich es mir wieder gemütlich im Auto von Said. Das Ziel hiess Nuweiba am Golf von Akaba. Wir erreichten schon früh das Hotel Nuweiba Tourist Village. Dann bezogen wir unser Zimmer, wieder zusammen mit Freddy. Schliesslich hatten wir uns an unser  gegenseitiges Schnarchen gewöhnt! Das war für einmal Luxus, unter einer Dusche zu stehen, dann noch in einem weissbezogenen Bett zu schlafen. So konnten wir uns in dieser schönen Anlage ausruhen. Der Blick über das Meer, den Golf von Akaba liess die Distanz etwas schrumpfen. Obwohl ca. 40km, sah man ganz klar die Berge und die Küste Saudiarabiens.


11. Tag, Rückflug von Sharm el Sheik nach Zürich

Mit dem Bus fuhren wir, Gepäck und Bikes auf dem Dach, zum Flugplatz in Sharm el Sheik. Wir verabschiedeten uns von unserem ägyptischen Reiseleiter und seiner Crew. Geblieben sind Erinnerungen mit einer ganz tolle Reisegruppe, hervorragende Organisation und Landschaften, die man ob ihrer Schönheit prägnant in Erinnerung behalten wird.


Im Nachhinein einige Gedanken zum Thema Altern.

Jetzt wissen wir, dass Fitness nicht nur die Gesundheit fördert, sondern auch das biologische Alter um Jahre verlängern kann. Das war nicht immer so. Winston Ch. wusste „Sport ist Mord“ und paffte dicke
Zigarren! Nun gibt es jene, die der Meinung sind, dass wenn man immer intensiv Sport treibt, man zwar recht fit ist, doch eher frühzeitig altert. Ansichtssache! Dann ist man in der Wüste unterwegs, trifft auf
Beduinen, die haben ihre Kamele längst gegen den Landcruiser getauscht, zahlen keine Steuern, haben meist mehrere Frauen und sehen frühzeitig recht alt aus.(ohne Sport!). Dann ist man im Katharinen
Kloster. Die Mönche dort leben sehr gemütlich vor sich hin, zahlen auch keine Steuern, und haben wahrscheinlich auch keine Frauen. Die sahen bei meinem ersten Besuch vor 17 Jahren schon alt aus.(ohne Sport!). Und dann bin ich wieder zu Hause, wache in meinem eigenen Bett auf, fühle mich ausgesprochen gut, schaue in den Spiegel, und habe mich spontan geduzt.(mit Sport!!). Aber das war gestern, und gestern da war die Welt noch in Ordnung. Heute mache ich den Briefkasten auf um die Post zu holen, mit dabei einen dicken Brief der Steuerbehörde. Und dieses mal eine gewaltig hohe Steuerrechnung (zum Ende vom Berufsleben). So rufe ich umgehend die Steuerbehörde an: „Was kann ich als Senior, gerade pensioniert, noch steuerlich geltend machen? – Ein neues Velo, - eventuell meine Partnerin, - oder teure Wellness- und Fitness Ferien?“ 3 X nein ! Und jetzt schaue ich lange nicht mehr in den Spiegel!


Salaam alaikum, walti ben nemsi

Sinai einsamer Wanderer B0003396

 

Alle Bilder von Walti zur Verfügung gestellt