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25.11.2017 -- Walti Armbruster / wv

München: Bier, Weisswurst und Museen

Besuche in der Landeshauptstadt des Freistaates Bayern


 

Es war im Jahre 1992. Damals war eine junge Bauingenieurin bei mir im Labor und arbeitete an ihrer Doktorarbeit. Assistiert wurde sie von ihrer Mutter, eine echte Münchnerin. In längeren Gesprächen habe ich sehr viel über diese Stadt erfahren, und so beschloss ich mit meinem jugendlichen Sohn bald einmal einige Tage dort zu verbringen. Angesagt waren vor allem das deutsche Museum, einige weitere Sehenswürdigkeiten und zum Znacht meist das Hofbräuhaus.

Die Reise war damals zeitlich sehr lange und führte über Winterthur, Rohrschach, St. Margrethen, Lindau, Kempten, und vielen Stopps bis München. Der Preis CHF 118.- dazu CHF 12.- für Reservation und Fensterplatz.

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In der Zwischenzeit hat sich diese Destination sehr zum positiven verändert. Die SBB bietet bessere Verbindungen an. Doch drei clevere junge Münchner hatten die Idee von einem Fernbussystem, das jetzt bald einmal ganz Europa abdeckt, aufgebaut. Man begegnet diesen grünen Bussen fast überall. Ob man diese mag oder nicht ist sicher eine gute Frage.  Für  mich ist das ganz einfach eine geniale Idee, jedenfalls was die Verbindung nach München betrifft. Täglich bis zu 12 Verbindungen, und das in beide Richtungen, zwischen 3.5h und 4.5h Fahrzeit lässt diese Distanz schrumpfen. Mein Favorit ist 04:30 Uhr ab Zürich, und meist pünktlich 09:15 an in München. Diese Linie führt über das „schwäbische Meer“, also noch eine Schiffsreise als Zugabe. Hier kann man z.B. die Schiffsfahrt geniessen, oder einen Kaffe trinken. Ja, und dieser Kaffe ist mit Bodenseewasser gemacht. Der Bodensee, zwar das grösste Trinkwasser-Reservoir Europas. Bis weit über Stuttgart hinaus wird das Wasser aus diesem See getrunken. Das wäre das Eine. Doch ganz Vorarlberg pinkelt in diesen See, und das brauche ich einfach nicht in meinem Kaffe! Also eigenen, mit Limmattaler-Quellwasser gemachten Kaffee gibt es jetzt zu meinem selbstgemachten Müesli.  Auf meinem Platz auf der hintersten Bank lässt sich anschliessend der vermisste Schlaf fast angenehm nachholen. Auf diesen Bussen ist Internet Standard. Eine weitere Business-Idee. So kann man weitere Busreisen buchen, im Internet surfen, oder mein Buch von Salman Rushdie endlich fertig lesen. 

Mit unseren E-Bikes Richtung München. Das war im Juni dieses Jahres. München war Zwischenstopp. Die Reise ging weiter bis Nürnberg. Von dort per Bike in Etappen auf der Main-Route bis Frankfurt. Da kam dann zur Überraschung der gebuchte Bus ohne Veloträger. Das war eben der verflixte Bus.  Immerhin kamen wir auf einen späteren Bus, auf einer anderen Linie mit 4h Verspätung nach Hause.

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Die erste Destination ist jeweils das Deutsche Museum. Für mich einfach ein Platz des Staunens. Technik aus Jahrzehnten Vergangenheit sowie alles dazugehörige. Man könnte hier Tage verbringen und immer wieder Neues entdecken.

Prominent platziert eine Sulzer Präzisions-Ventil-Dampfmaschine. Stand einst bis 1904 in der Spinnerei Bülach. Bei diesem Anblick schlägt das Herz des ehemaligen Sulzer-Monteurs höher.....und sie läuft noch immer, einfach mit Fremdantrieb!

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Waldrich in Coburg baute Hobelmaschinen. Die grösste Maschine wurde für Sulzer  in den vergangenen 60er Jahren gebaut. Auf einer über 50m langen Maschine wurden einst die Grundplatten der grossen Schiffsdiesel hergestellt. Bei der Platzierung dieser Maschine musste sogar die Erdkrümmung mit einberechnet werden. Alles Geschichten aus vergangenen Zeiten.

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Cosmas und Damian

Wenn man  in München unterwegs ist trifft man auf auffallend viel Leute aus dem arabischen Raum.  In einem Hotel wurde mir erklärt, die Sommerhitze lässt die Wohlhabenderen aus den verschiedenen arabischen Staaten nach München ausweichen. So findet man hier eine ganze Anzahl arabische Geschäfte und deren Spezialitäten. Aber auch die politische Situation in Syrien trägt dazu bei, dass viele Syrer hier sind.

Doch wer waren wohl die ersten Araber, die den Weg nach München fanden? Lange ist’s schon her, als Cosmas und Damian, zwei Ärzte, wahrscheinlich aus der Region Aleppo, hier ankamen. Ihre Reise als Ärzte führte sie im dritten Jahrhundert über die Türkei, Griechenland nach Italien. Wundervolle Heilungen, und das zum Nulltarif (hier könnten unser Ärzte einiges abschauen) und einen späteren Märtyrer-Tod liess sie in die Geschichte eingehen. Eine Weiterreise als Mumie führte sie schliesslich nach München. So verweile ich immer wieder für einige Minuten vor deren Schrein in der Kirche St. Michael. Eine Kuratorin die gerade hier beschäftigt war fragte ich um Information zu Cosmas und Damian.  Worauf sie mir in breitem Münchner Dialekt erklärte: „In diesen beiden Schädeln sind echte Knochen drin, von wem auch immer“! Ja, und so sehen mich Cosmas und Damian immer wieder aus staunenden Augen an, und ich mag sie.

Deren Gedenktag ist der 26. September, und die dazugehörige Bauernregel: St. Cosmas und St. Damian fängt das Laub zu färben an! Sie sind Patrone der Apotheker, Ärzte, Friseuren und Chirurgen (also vorwiegend solche, die mit einem Messer unterwegs sind).

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Eine „Schweizer Geheimwaffe“

Es ist zwar bereits einige Jahre her, als wir 2014 einige Tage in München verbrachten. Nicht weit von HB auf dem Weg zur Altstadt, und man ist am Stachus, einer der markantesten Plätze in dieser Stadt. Auffallend unter anderem, ein stattliches  Gebäude, der Justiz-Palast. Vielleicht kann man das besichtigen? Im Eingang 2 Polizisten, die sagten: Rechts da hinten eine Metallschleuse, Kontrolle, dann kann man das Gebäude besichtigen. Immer mit dabei mein kleiner Rucksack mit einer Flasche Wasser und meinem Picknickmesser. Ja, und nun gab es zu meiner Überraschung Alarm. So packte ich das Messer aus und die drei Personen musterten diese Utensil sehr genau. Stellten fest: „Die Klinge zu lange und arretiert“. Jetzt wurde der Sicherheit Chef  des Hauses aufgeboten. Aus der fernen Ecke und in Begleitung eines weitern Polizisten rollte er an. Etwa gleich breit wie hoch erklärte er mit ernster Miene: „Wenn sich dieses Messer mit einer Hand öffnen lässt, kostet das € 150.- Busse“. Nun, das war nicht in meinem Budget eingeplant, und ausserdem sagte ich: „Sowas hat jede Schweizer Hausfrau in ihrer Handtasche“! „Ich brauche das, um meine Cervelat, oder hier die Weisswurst  zu zerlegen“. „Sie können jetzt das Gebäude besichtigen,“ war seine Antwort.  Eine Rundtour, eine  Besichtigung der Dauerausstellung zur Verurteilung der  Weissen Rose, die im Februar 1943 hier stattfand, und noch schnell zur Toilette, bevor wir nach unten gingen. Jetzt standen 7 Personen um mein Sackmesser. In Erwartung eines harten Urteils zeigte ich eher Gelassenheit. Der Sicherheitschef  erklärte feierlich: „Ich gebe hier ihnen dieses Messer zurück. Lassen sie dieses im Safe des Hotels. So ein Messer ist in Deutschland eine Waffe“! Ich bedankte mich höflich, und beim Verlassen des Gebäudes fiel mir Schillers Bürgschaft ein: „Was wolltest du mit dem Dolche, sprich.....“!

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Auf der anderen Seite des Platzes genehmigte ich mir das verdiente grosse Bier, wir waren jetzt schon 3h in München. Und das ist es auch, was München vom Rest der Welt unterscheidet. Viele schöne Gärten.  Diese heissen alle gleich: Biergarten. Hier trifft man sich, hier ist’s gemütlich, hier lässt sich’s gut sein. Bei diesem Angebot lohnt es sich auch mal etwas länger zu verweilen. Das wäre wahrscheinlich etwas für den nächsten Besuch.

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Wie immer im Herbst ist Museumszeit. So entschloss ich mich kurzfristig zu einem Besuch in dieser Stadt. Die Museumsinsel in der Isar, wo sich das Deutsche Museum befindet, ist für all die vielen Exponate zu klein geworden.

Alles was mit Fliegen, Flugzeugen als auch deren Antrieb zu tun hat, ist in der Flugwerft Oberschleissheim zu finden. Dies auf einem ehemaligen Flugplatz mit viel Geschichte. Oberschleissheim erreicht man mit der S-Bahn einige Stationen Richtung Norden.

Ein profunder Kenner von München ist mein ehemaliger Schulkollege Edgar aus der Gottmadinger Schul- und Jugendzeit.  Nun ist er bereits seit einigen Jahrzehnten in dieser Stadt zu Hause, so übernahm er für heute die Tagesplanung.

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Beim diesjährigen Besuch war BMW als auch das Verkehrszentrum am Bavaria-Park nebst einigen Sehenswürdigkeiten unser Thema. Bei einem guten Zmittag und Geschichten aus alten Zeiten erlebte ich einen guten Tag. Merci Edgar. 

Bei meinem früheren Besuch in der Flugwerft war ein Vortrag angesagt. Als einziger Gast, und nachdem ich als Besucher aus der Schweiz erkannt war, fand dieser Vortag statt. Wiederholt stellte ich fest, dass man als Besucher hier recht willkommen ist. Das wollte ich mir nicht verscherzen. So liess ich mein Sackmesser für einmal zu Hause.

Walti

Fotos: Walter Armbruster