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29.11.2017 -- WillY

Total digital!

Senioren im Web - WillYs letzte Kolumne für "ensuite", Kulturzeitschrift, Dezember 2017


 

Wir werden über kurz oder lang auf Strich und Faden verwöhnt. Es werden immer weniger Menschen KEIN Handy besitzen - und gebrauchen. Fast 100% der Jugendlichen sind in der Schweiz damit "ausgerüstet". Bei den Erwachsenen wird sich die gleiche Entwicklung anbahnen. Die Senioren unserer Generation bleiben mehrheitlich auf der Strecke. Sie kommen schlicht nicht mehr dazu, das rasante Tempo aufzuholen.

Kürzlich erzählte eine Politikerin unseres Dorfes meiner Frau - beim täglichen Einkauf von Hand - sie hätte sich bei einem Beamten der Schweizerischen Bundesbahnen beschwert, dass Fahrkarten mehr und mehr per Handy gelöst und bezahlt werden sollten, die Automaten so entlastet und die Schalter sowieso abgeschafft würden. Es gäbe doch immer noch sehr viele alte Reisende, die mit der Technik nicht zu Rande kämen und deshalb die Hilfe von Personen in Anspruch nehmen müssen. Seine Antwort: Daran hätten sie eigentlich nicht gedacht!

Die Zukunft wird total digital. Wir werden überschwemmt mit Angeboten und Informationen, Werbung und Mitteilungen, die wir sonst nicht oder ausgewählt zur Kenntnis nehmen würden. Es ist halt so einfach - und manchmal auch nützlich, wenn innert kurzer Zeit viele Menschen auf einen Klick erreichbar sind, über Gefahren, Staus oder Verspätungen informiert werden können. Oder wenn verlaufene Wanderer mit Hilfe der virtuellen Karte und GPS wieder auf  "zielführende" Pfade zurück finden!

Schon vor 10 Jahren wurde vor den gesundheitlichen Gefahren der Handy-Strahlungen gewarnt. Ein Buch mit dem Titel "Generation Handy - grenzenlos im Netz verführt", herausgegeben von Heike S. Bleuel im Röhring Universitätsverlag 2007, befasste sich damals hauptsächlich mit kritischen Aspekten für die Kinder und Jugendlichen. Sind wir heute robuster? Sind die Strahlungen schwächer? Man hört kaum mehr Warnungen davor. Das Klima mit dem Dreck in der Luft bereitet mehr Sorgen.

 Haben wir Alten es denn in der Hand, was die "moderne Zeit" uns aufdrängen will? Ich meine ja, wenn wir noch unsere eigenen Hände dafür einsetzen, dass die "öffentliche Hand" und andere Dienste sorgsam darauf achten und daran denken, weniger digital aber mehr personal zu planen. So dass allen eine nützliche Möglichkeit geboten werden kann, ihr Leben mit oder eben ohne Handy führen zu können. Vereine, Clubs und engagierte Seniorgruppen an Ort oder regional sind dafür prädestiniert, ihre Kräfte dafür einzusetzen - real und handfest oder eben auch digital im Web wie zum Beispiel

www.seniorbern.ch - von Senioren für Senioren

Mit dieser Empfehlung verabschiede ich mich von der Leserschaft von ensuite nach 10 Jahren und über 120 Spalten zum Thema "Senioren im Web" und freue mich, wenn da oder dort eine reale - oder digitale - Begegnung oder Beziehung entstanden ist. Ein herzliches Danke an die Redaktion. Dem Chef und seiner Stv. werde ich es persönlich flüstern!