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31.12.2017 -- Willy Vogelsang (wv)

Zum Jahreswechsel

Eine kurze Besinnung zum 31. Dezember aus Dietrich Bonhoeffers Feder.


 

Von guten Mächten treu und still umgeben,
Behütet und getröstet wunderbar,
So will ich diese Tage mit euch leben
Und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
Noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
Das Heil, für das du uns bereitet hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
Des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
So nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
Aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
An dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
Dann wolln wir des Vergangenen gedenken
Und dann gehört dir unser Leben ganz.

Lass warm und still die Kerzen heute flammen,
Die du in unsre Dunkelheit gebracht.
Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
So lass uns hören jenen vollen Klang
Der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
All deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
Erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

31. Dezember 1944,  Friedrich Bonhoeffer

aus Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 607f

Dietrich Bonhoeffer war ein lutherischer Theologe, profilierter Vertreter der Bekennenden Kirche und am deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt. Er wurde am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg Deutschland ermordet.

Der letzte Vers wurde zu einem wichtigen "Lebensmittel" in meinem eigenen Leben und dann auch in unserer Ehe; so quasi das Bettmümpfeli vor dem Einschlafen. Hier der Link auf das gesungene Gedicht, vertont von Siegfried Fietz am Flügel.

Ich wünsche allen Besuchern und Lesern die Getrostheit und Zuversicht auf das noch unbekannte neue Jahr, die dieser Vers ausstrahlt.