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31.12.2016 -- Bernhard Schindler / wv

Gebeten, 2017 von guten Vorsätzen abzusehen

Gute Vorsätze sollte man nicht planen, sondern tun. Ein Vor-Satz zum neuen Jahr.


Endjahresstimmung, vor-silvesterlicher Kater, ernüchternde Bilanz gezogen: Jetzt ist es Hohe Zeit für gute Vorsätze.

 

«Innere Stärke entwickeln, um Veränderungen zu beginnen», so heisst ein Halbtageskurs vom 14. Januar, 09.30 bis 12.45 Uhr im Schloss Arbon; und weil er ja auch nachhaltig sein soll, kosten die drei ein Viertel Stunden auch eindrückliche 45 Franken!

 

«Wünsch Dir ein besseres Neues Jahr!»

Im Internet finden die Guten Vorsätze in unzähligen Beiträgen statt. Der sinnigste Spruch, den ich gefunden habe, lautet: «Wer es nicht versucht, wird nie erfahren, ob er es geschafft hätte!» Positiv finde ich: «Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen!» Das ist sozusagen eine Art Lebensmotto.

Das Dumme bei den guten Vorsätzen ist, dass sie nur so lange gut sind, als sie noch vor uns liegen. Natürlich wäre es gut, das Rauchen aufzugeben, weniger zu trinken (warum, bitte, ist Alkohol eine lässlichere Sünde als das Rauchen? Wo ist die Anti-Tod-auf-der-Strasse-Lobby? Und warum getraut sich niemand mehr, fanatische Sportler, die verbissen in einer für sie unsichtbaren Natur herumrennen, zu mahnen: «Nimm’s doch ein bisschen gemütlicher?)

 

Gute Vorsätze sollte man sich nicht planen, sondern tun.

Warum die Chance einer hartnäckigen Erkältung nicht nutzen und das Rauchen nach drei Tagen Widerwillen gegen jeden hustenreizenden Qualm gleich ganz aufgeben? Nach drei Tagen ist die Gier nach der nächsten Zigarette ohnehin schon etwas gedämpft. Ich habe das Rauchen aus einer dummen Laune heraus vor 16 Jahren aufgegeben und nie wieder damit angefangen, auch wenn ich immer noch Zigarren- und Pfeifenqualm gern um mich habe, schon mal von einer Zigarette träume und, leider zwanzig Kilo zugenommen habe. (Auch hier gibt es einen Sinnspruch: «Ich habe mir zu Neujahr 2016 vorgenommen, 10 kg abzunehmen. Jetzt sind es nur noch 13.»

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Mach’s doch wie die Pfadfinder

Lord Robert Baden Powell hat uns Pfadfindern keine uneinhaltbare Vorschriften gemacht. Er hat von den Mitgliedern seiner weltweiten Jugendorganisation nur etwas verlangt: Jeden Tag eine gute Tat!

Gute Taten kann man nicht einplanen, die geschehen spontan. Da fällt einem älteren Herrn mit raucherentwöhnter Korpulenz ein Buch auf den Boden. Und der Pfader hebt es auf. Punkt. Du kannst morgen eine gehbehinderte, halbblinde Seniorin über eine Strasse geleiten: Ha, Deine gute Tat von heute ist schon getan. (Es soll aber auch schuldbewusste Pfadfinder geben, die sich beim Strassenüberqueren vergegenwärtigen, dass vom Tag zuvor noch eine gute Tat fällig ist. Und die Frau über die gleiche Strasse zurückführen. Diesem pflichtbewussten Jungen darf man zutrauen, dass er die Seniorin gleich noch ein drittes Mal über die Strasse dorthin führt, wo sie hin will, und damit schon eine gute Tat in Vorrat erfüllt!

Der Weg zur Hölle, heisst es, sei mit guten Vorsätzen gepflastert. Wege sind in der Regel nicht geteert, also stimmt der Satz nicht. Es müsste schon heissen, die Autobahn zur Hölle…

Aber jetzt, so kurz vor Sylvester, will ich feierlich bekennen, mir für 2017 keine guten Vorsätze vorzunehmen. Ausser diesem natürlich.

Allen, die guten Willens sind, ein friedliches, glückseliges 2017 mit vielen guten Taten, aber keinen guten Vorsätzen, die nicht eingehalten werden!

Bilder:
Titel: Uwe Wagschal  / pixelio.de
Robert Baden Powell: gemeinfrei aus commons.wikimedia.org