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10.01.2017 -- Bernhard Schindler / wv

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Reformation

Glaube zwischen Religion und Staat (Teil II)


 

Wer vor Luther und Zwingli Zweifel an der richtigen Auslegung der Bibel durch die Kurie in Rom äusserte, war ein Ketzer und wurde mit dem Feuertod bestraft.

 

Die Kirche machte keinen Unterschied zwischen Hexen und Hexenmeistern und Glaubensabtrünnigen. Der Feuertod sollte ein Fanal setzen und schuf doch nur Märtyrer, die heimlich weiter verehrt wurden.

Kaiser KarlV TitelDamit Ereignisse zu weltgeschichtlichen Wendepunkten werden und Einfluss auf den kontinuierlichen Lauf der Geschichte nehmen, braucht es verschiedene Voraussetzungen: Die Zeit für eine Wende muss reifen, die richtigen Leute müssen am richtigen Platz sein und das Volk soweit aufgeklärt, dass es auch versteht, was rund um es geschieht. Kaiser Karl V. wollte zwar die Reformation zurückdämmen, aber er war bald zu sehr absorbiert von den neuen Eroberungen in den beiden Amerika.Sehr wichtig wurde auch die Erfindung des Buchdrucks, dank welcher bisher in mühsamer Einzelschreibarbeit geschaffene Kopien durch Massendrucke ersetzt werden konnten, eine technologische Zeitenwende, wie wir sie heute nur noch dem Internet zu verdanken haben. – Betrachten wir die für das ausgehende Mittelalter wichtigen Völker Westeuropas.

 

Aus den Stadtstaaten Italiens wird eine neue Nation

Am schlimmsten traf die Auflösung des Römischen Reiches Italien, das in unzählige kleine und kleinste Herrschaftsgebiete zerfiel. Ein Italiener am Gardasee war bis zur Staatsgründung Italiens entweder Bürger Österreichs oder Untertan Venedigs oder Vasall der Medici. In Italien wurde der Nationalismus erst durch Garibaldis Risorgimento zwischen 1820 und 1870 etabliert: Unter König Vittorio Emanuele entstand der erste italienische Staat von den Alpen bis nach Sizilien. Innerhalb dieses Italiens fand auch der Vatikanstaat ein Plätzchen. Die Zeit der Vereinnahme des Papsttums durch die französische Monarchie war nach dem Scheitern der Bestrebungen Napoleons I., ein Gesamteuropa unter französischer Vorherrschaft zu errichten, endgültig zu Ende. – Im ausgehenden 19. Jahrhundert festigte das Papsttum, allerdings unter Verlust beinahe aller Ländereien, den Anspruch auf die allein selig machende römisch-katholische Kirche und die päpstliche geistige Führerschaft. Unter Mussolini wurden die Lateranverträge verabschiedet, die den Vatikan als eigenständigen Staat akzeptieren.

 

Frankreich erster zentralistischer Staat

Adel und Monarchen lagen während der französischen Staatswerdung immer in Streit mit einander. Zuerst eroberten Dänen und Schweden Nordfrankreich und bekamen, um des Preises der Annahme des Christentums willen, die Normandie als Lehen des französischen Königs. Nach der Eroberung Englands durch William the Conqueror 1066 entwickelte sich ein jahrhundertelanger Streit zwischen englischen und französischen Monarchen. Erst unter Louis XIV. wurde Frankreich zum von Paris aus gelenkten Zentralstaat, welcher nach der Revolution den beiden Napoleonen die Machtbasis schuf, mit welcher sie sich in die europäische Geschichte einmischen konnten.

 

HolyRomanEmpire 1618

 

Deutschland war ein Fleckenteppich

Zwar gab es schon  früh, mit der Krönung Karls des Grossen, einen vom Papst konzessionierten Kaiser des «Römischen Reiches deutscher Nationen», der aber während Jahrhunderten ein Wander-Monarch blieb und mit seinem gesamten Hofstaat von Pfalz zu Pfalz eilen musste, um zusammen mit den Kurfürsten zu regieren und Recht zu sprechen. Erst in der Zeit der Freiheitsbewegungen in der Folge der französischen Revolution nach 1830 wurde der Wunsch der Bürger auf einen deutschen Nationalstaat so stark, dass er von Bismarck und dem neuen preussischen König Wilhelm I. gegen alle Könige, Herzöge, Fürsten und Duodez-Regenten durchgesetzt wurde. Nach dem französisch-deutschen Krieg 1870/71 wurde das Deutsche Reich mit zentraler Hauptstadt Berlin geschaffen.

 

Spanien, Grossbritannien und Russland

Die übrigen europäischen Staaten gingen unterschiedliche Wege, um im Wettstreit der Staaten und der Religion «nach eigener Façon selig» zu werden. Spanien und Portugal hatten ausgerechnet in der Zeit zwischen dem Sieg über die Mauren (Muslimen( in Westeuropa und der Reformation mehr mit dem neu entdeckten Amerika zu tun, als dass sie in Europa noch eine entscheidende Rolle spielen konnten. Die Inseln Grossbritanniens schufen eine Weltmacht  auf den Weltmeeren «Britain rules the sea» und bekamen unter Heinrich VIII. eine eigene Form von protestantischem Glauben verpasst. Und Russland entwickelte sich zur letzten grossen Leibeigenschaft der unfreien Bauer Europas. (Schluss folgt).

 

reformation europe c 1564

 

Fotos und Legenden:

Titelbild: Kaiser Karl V. herrschte über ein Reich, in dem «die Sonne niemals unterging», von Peter Paul Rubens - http://www.residenzgalerie.at/de/WE392_1.htm, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=726193

Karl V.  von Juan Pantoja de la Cruz, inspiré sur Tiziano Vecellio - english Wiki, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16089

Karte Europas, mit den Ballungen des neuen Glaubens im Norden:

Oben: Von ziegelbrenner - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6054043

Unten: https://violetgoodfield.files.wordpress.com/2015/01/reformation-europe-c-1564.jpg