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29.01.2017 -- Bernhard Schindler / wv

«Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!»

Zitat Walter Ulbricht 15.06.1961; doch zwei Monate später wurde die Berliner Mauer gebaut und bestand bis 1989


 

Mauern wurden während der Menschheitsgeschichte viele gebaut. Die bekannteste und längste ist die Grosse Chinesische Mauer, die erbärmlichste jene der Genossen Ulbricht und Honegger entlang der «innerdeutschen Grenze»

Im Titelbild: Die Berliner Mauer, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2024735

Die befestigte Zone, die von den DDR-Volksarmisten knapp 1400 km lang angelegt wurde und die Bewohner der DDR zu Gefängnisinsassen degradierte, bestand aus einem bis zu 5 km breiten Puffer mit anschliessender Todeszone, wo von 1961 bis 1989 (einschliesslich der 43 km langen Berliner Mauer) über 1000 DDR-Flüchtlinge durch Todesschützen  oder automatische Schiessanlagen getötet wurden. Allein an der Berliner Mauer starben in dieser Zeit 190 Fluchtwillige. Zuvor schon hatten von 1941 bis 1961 2,738 Millionen Menschen «mit den Füssen» gegen das Unrechtsregime in der sowjetisch besetzten Zone (DDR) protestiert. Nach dem Mauerbau sind noch 1,6 Millionen Flüchtlinge legal oder illegal aus der DDR in die BRD emigriert. Mit anderen Worten: der «antifaschistische Schutzwall» diente vor allem der Abschreckung aller Facharbeiter und Akademiker, in den verhassten Westen umzuziehen.

 

Mauern in den Köpfen und an Grenzen

Die wohl erste Mauer zum Schutz eines Staatswesens vor möglichen Angriffen der «Barbaren» ist die vom halb-mythischen König Gilgamesch um 2800 v. Chr. in Auftrag gegebene «Mauer von Uruk», die im  Gilgamesch-Epos (dem ersten niedergeschriebenen Kriegs- und Herrscherroman der Welt-Literaturgeschichte) geschildert ist.

Mauer Badaling Great Wall

Die grosse chinesische Mauer. Von Yo Hibino aus Lafayette IN, United States - Flickr, CC BY 2.0,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=385119

 

Ins 7. Jh. v. Chr. geht das grösste je von Menschen ersonnene Bauwerk zurück, die Grosse Chinesische Mauer, die 21 000 km lang gewesen sein soll. Sie diente nicht nur der Kontrolle von Ein- und Auswanderung, sondern war ein Machtsymbol der chinesischen Kaiser.

 

Mauer Milecastle 39 on Hadrian Wall

Hadrianswall zwischen Schotten und Briten. Von Adam Cuerden - Photograph by uploader, Gemeinfrei,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2326028

 

Der von römischen Legionären und britischen Zwangsrekrutierten von 122 bis 128 n .Chr. errichtete Hadrianswall diente dem hermetischen «Schutz» Englands an der schmalsten Stelle der Insel vor dem wilden Schottland und darf als Vorbild gelten für Präsident Donald Trumps wahnwitziger Idee der Abschliessung Mexikos vom nordamerikanischen Kontinent. Spätere grössere Mauern war der Limes, den römische Staatsführer bereits um die Zeitenwende gegen den Ansturm der Germanen erbauen liessen. Natürlich waren die meisten Städte mit Mauern gegen feindliche Einfälle gesichert. Nur in Berlin, das schon in der Barockzeit aus allen gemauerten Nähten platzte, wurde um 1737 am Brandenburger Tor eine Ziegelsteinmauer aufgezogen und rund um Berlin gelegt, welche zwei Steuersysteme teilte: Wer Waren aus Brandenburg in die preussische Hauptstadt liefern wollte, wurde an den achtzehn Zolltoren mit Zöllen geschröpft – auch hier hat Mr. President of the United States ein Vorbild für seine Nachbarschaftspolitik gegenüber Mexiko gefunden. – Seither gibt es Mauern in  Nordirland, in Israel, Österreich und Ungarn verwehren heutigen Flüchtlingen den Weg in den Norden mit Stacheldrahtabgrenzungen entlang den Fluchtwegen.

Mauern müssen gebaut werden, wenn eine Gemeinschaft über Reichtümer verfügt, die es anderswo nicht gibt und die Neid erwecken. Mauern entstehen aber auch in den Köpfen verunsicherter Menschen, die nicht auf ihre eigene Autorität bauen und meinen, ihr fehlendes Selbstbewusstsein mit Machtgehabe aufpäppeln zu müssen. Solche Mauern im Gehirn nennt man auch Bretter vor dem Kopf.

 

Trumps Motive

Zugegeben, auch die Vereinigten Staaten von Amerika sind und waren seit Jahrhunderten Einwandererland. Nordamerika ist ein Schmelztiegel der verschiedensten europäischen, asiatischen, afrikanischen und südamerikanischen Völker. Wie in der Schweiz aber ist auch Amerika darauf angewiesen, qualifizierte Arbeitskräfte im Ausland zu rekrutieren, Pendler und «Wirtschaftsflüchtlinge» aus Mittelamerika als Billiglohnarbeiter in die Gesellschaft zu integrieren. Der «amerikanische Traum» vom Tellerwäscher bis zur Milliardär, wie ihn der neue amerikanische Präsident vorlebt, mag unzählige Einwanderer beflügeln, aber die wenigsten werden es auf diese Weise (und ohne Korruption und Betrug) in die höchsten Kreise der Immobilienmakler und Banker schaffen.

Die wirklich Benachteiligten des amerikanischen Gesellschaftssystems sind nicht, wie Trump meint, der Mittelstand, sondern die Randständigen – Indigene Völker wie Indianer und Inuits, Schwarze, Ausländer, die wahren Tellerwäscher und Junkies, die Obdachlosen, die Kriegskrüppel, die Kranken ohne genügend Geld für eine Krankenversicherung und, und und.

Der Mittelstand lebt auch in den USA recht und schlecht, das heisst, er kann sich behaupten, wobei es gerade der Mittelstand auch in Amerika ist, der die Wirtschaft zusammenhält. Wenn Trump nun hinter jedem Clochard einen Parasiten vermutet, bei jedem Arbeitslosen einen Terroristen, hinter jedem Schwarzen einen Sozi und in  den sich gerade formierenden Oppositionen nur «Kommunisten» erkennen will, dann leistet er nichts zu einer homogenen, zufriedenen Gesellschaft, sondern provoziert Unruhe und Unordnung, also die Feinde jeder geordneten Volkswirtschaft.

 

Mauer Border Mexico USA

Grenzsicherung zwischen San Diego (links) und Tijuana (rechts) 2007
Von Sgt. 1st Class Gordon Hyde, Gemeinfrei,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2614735

Ob Donald Trumps Pläne aufgehen, er Amerika «greater and better than ever» machen kann, muss bezweifelt werden. Ein gerüttelt Mass an Unruhe in der Bevölkerung ist von Nutzen, damit sich eine träge gewordene Bevölkerung wieder solidarisiert und zusammenhält. Das wäre wenigstens ein zündender Nebeneffekt seiner tabula-rasa-Strategie.

«Niemand hat die Absicht Amerika kaputt zu machen!» Vielleicht ist sogar Donald Trump lernfähig. Hoffen wir es um des sozialen Friedens in Amerika willen und um des Weltfriedens überhaupt.

Links: https://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_Mauer

http://www.spiegel.de/fotostrecke/grenzen-in-der-welt-mauern-ueber-den-globus-fotostrecke-120865.html