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05.02.2017 -- Bernhard Schindler / wv

Pilgrim – das einzige Schweizer Klosterbier

In Fischingen haben Martin Wartmann und Andreas Schoellhorn eine Klosterbrauerei eröffnet


 

Früher gehörte das  Bierbrauen zu den  Kompetenzen der Mönche verschiedener Klöster, auch in der Schweiz. Sie kreierten mit Malz, ein wenig Hopfen und anderen Gewürzen Biere für besondere Gelegenheiten. Sie haben die Biervielfalt gepflegt, es gab ein  Bier für Bettler, eines für Pilger, das Bier für die Brüder, für den Abt, für Fürsten und je eins für den Sommer und den Winter. Und schliesslich schufen sie auch ein besonders kräftiges Triple-Bier (dreimal vergoren) für sich selber über die Fastenzeit.

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Das Pilgrim Team besuchte die Freunde vom Autobau Romanshorn. Auf dem Bild von links nach rechts:
Brauerin Johanna Häberle, VR und Direktor des Vereins Kloster Fischingen, Werner Ibrig,
Andreas Schoellhorn und Martin Wartmann, Gründer der Pilgrim-Brauerei, Aushilfe René Büchi,
Braumeister Philipp Krickl, und die weiteren Aushilfen Roman Schnyder,
Hildegard Sprenger, Albert Walzthöny, Peter Lehmann und Kurt Herzog.

(Foto und Text aus www.pilgrim.ch/team/)

 

Die beiden Bierfreunde Martin Wartmann und Andreas Schoellhorn schlossen an diese Brautradition an, als sie im bekannten Kloster Fischingen zwischen St. Gallen und Winterthur im Süd-Thurgau ungenützte Räumlichkeiten vorfanden. Sie brauen seit zwei Jahren nach alten Rezepten, würzen mit edlem Hopfen und Gewürzen, vergären im offenen Bottich und lassen die Biere in kleinen Tanks und Flaschen reifen. «Unsere Klosterbrauerei ist für diese besondere Brauart eingerichtet. Wir verbinden damit überlieferte Brauer-Wissen mit modernster Technologie», heisst es im Brau-Prospekt «Unsere Idee».

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Blick in die moderne Brauerei im Kloster Fischingen (Foto: BS)

Natürlich sorgt auch das im Kloster selber vorhandene Quellwasser für die Basis für ein ganz besonderes Bier.

Keine «Bier»-Idee

Das unterdessen auf 4 Festangestellte und 6 Aushilfen angewachsene Team hat im zweiten Jahr bereits die 1'000 Hektoliter-Limite überschritten. Das «Pilgrim» ist nicht nur im Kloster Fischingen erhältlich, sondern auch in einigen ausgelesenen Restaurants und grösseren Coop-Filialen.

Was zunächst den neuen Bierkunden irritiert, ist der Champagner-Korken auf den meisten Flaschen. Dieser ist notwendig wegen der letztmalig in der Flasche arbeitenden Gärung. Beim Öffnen knallt der Korken wie bei erlesenen Sekten und Champagnern oder dem besonders in Nordfrankreich beliebten «Cidre bouché» und fliegt in die Luft. Geschmacklich aber hat das Fischinger Pilgrim nichts mit Champagnern und anderen Perlweinen zu tun: Es handelt sich um typische Klosterbiere, wie sie europaweit früher gebraut wurden. Darunter das wohl edelste Bier, ein dunkles «Stout», das sich im Vergleich mit irischen Stouts (etwa einem «Guinness») oder einem belgischen Stout durchaus sehen und trinken lassen kann!

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Andreas Schoellhorn öffnet für Besucher gern ein paar Flaschen Pilgrim,
der Korken wird wie beim Champagner gelöst und fliegt in die Luft. (Foto: BS)

 

Kleine Geschichte eines einzigartigen Klosters

Kloster Fischingen wurde um 1138 von Bischof Ulrich II. von Konstanz gegründet. Es trägt den Namen der Heiligen Idda aus Toggenburg, die nach dem Tod ihres Gatten in einer Klause beim Kloster ein gottgefälliges Leben fristete. Seine höchste Blüte erlebte das Idda-Kloster im Barock. Damals wurde auch die Kirche gebaut, im Kloster eine einzigartige Bibliothek und weitere Gebäulichkeiten, die von Mönchen behaust wurden. Im Zug des Sonderbundkrieges und der damals beschlossenen Klosteraufhebung in den meisten katholischen Ständen wurde das Kloster von der Thurgauer Regierung  geschlossen. 1879 erwarb der Verein St. Idazell die Klosteranlage, in der 1982 ein Bildungshaus eingerichtet wurde. Bis heute ist sie in Besitz dieses katholischen, aber säkulären Vereins, der aber ab 1943  Mönche aus Engelberg nach Fischingen  für die Betreuung des Kinderheims und später einer Bildungsanstalt für junge Menschen holte. In den letzten Jahren dieser Schulanstalt kamen leider mehrere sexuelle Übergriffe und andere Missbräuche an Jugendlichen vor, über die ein unterdessen veröffentlichter Bericht Auskunft gibt. – Heute wirken immer noch einige Benediktiner im Kloster, nicht als Besitzer, sondern als Mieter.

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Der Klosterbau ist innen und aussen prächtig renoviert.
(Foto: aus der Broschüre über das Seminarhotel Fischingen)

Die ganze Klosteranage mitsamt ihrer sehenswerten Bibliothek ist eine Begegnungsstätte und Schulungshotel und wird auch gern für Hochzeiten und andere Feierlichkeiten benutzt.

Mit der Brauerei leisten Brauer und Helfer dank ihren Spezialitäten-Bieren und gemeinsamer Aktivitäten mit dem Verein Kloster Fischingen einen Beitrag an den Erhalt des wunderschönen Barock-Klosters. Der Brauerei-Prospekt endet mit den Zeilen:

«Schön, dass Sie mit dabei sind. Jeder Schluck zählt!»

Pilgrim Fischingen flugansicht

Stattliches Gebäudeviereck des ganzen Klosters
(aus der Broschüre über das Seminarhotel Fischingen)

Titelbild: Foto BS