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27.03.2017 -- Fritz Vollenweider / wv

Lausbübisches auf der Effinger-Bühne

Etwas Alltägliches wie ein Lottogewinn und die Folgen. Uraufführung im Berner Theater an der Effingerstrasse


 

Sonnenklar, schon auf dem Titelbild hier: Die Lausbuben sind (von links) Gilles Tschudi und Horst Krebs, und es macht ihnen augenscheinlich Vergnügen, sich in ihren eigenen Streichen zu baden. Obschon diese Streiche zum einen recht harmlos erscheinen, zum andern aber zu fatalen Ereignissen führen.

Das Berner Effingerstrasse-Theater hat mit dieser Inszenierung von Markus Keller im Vergleich zu den vorangegangenen Produktionen das Menu gewechselt. Wieder einmal erscheint diese Uraufführung im Gewand des komödiantischen Schwanks, der keine gewichtige Aussage über die Rampe tragen, sondern einfach unterhalten soll. Das ist nicht immer ganz einfach; jemand hat einmal geschrieben: „Es gibt einen grossen Ernst, und der heisst Spiel“. Eine gute Komödie zu schreiben fordert manchmal mehr an Fantasie, Logik und Sprachgewandtheit, als eine Tragödie zu verfassen.

Davon kann wohl die Autorin Simone Füredi manches erzählen. Zum dritten Mal hat sie hier den Plot aus einem bekannten Film für das Effinger-Theater bearbeitet. Dass auch die Übernahme eines Film-Themas und dessen Umbau für die Bühne kein Honigschlecken ist, leuchtet ein: Effektive Ansichten von Stadt, Natur, Leuten und Handlungsabläufen in sprachliche Bilder und bühnendramatische Entwicklungen zu übertragen, grenzt vielleicht sogar an die Quadratur des Zirkels. Sitzt man im Zuschauerraum des Theaters, sollte man deshalb den Film vergessen, wenn man kann. Am besten, man hat ihn gar nicht gesehen – was auf den hier Schreibenden zutrifft.

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Horst Krebs, Christiane Wagner, Gilles Tschudi und der tote Lottogewinner Werner Wenger

In dieser Geschichte eines Lottogewinns in einem irischen Dorf von 51 Einwohnern, wird der anonyme Gewinner erst einmal nur von Jackie O’Shea (ein lausbübisch spielfreudiger Gilles Tschudi) und seiner Gattin Annie (bieder-einfach dargestellt von Christiane Wagner) gefunden. Ned Devine allerdings (Werner Wenger in der bemerkenswert ausgespielten Rolle eines Toten) kann den Gewinn nicht mehr selber einfordern. Also geht es darum, möglichst alles auszutricksen, was die 17 Millionen Pfund dem Entdecker des Gewinners und am Ende dem ganzen Dorf abspenstig machen könnte.

Jackie holt Hilfe bei seinem Aussteiger-Freund Michael O’Sullivan (mit hohlem Pathos wirksam verkörpert von Horst Krebs). Von nun an entlockt der Talmi-Glanz der Einfälle und der manchmal unbeholfenen, manchmal erstaunlicherweise wirksamen Intrigen der beiden abwechselnd Staunen und Lachen. Absicht ist es, den fast zu naive Kontrolleur der Lottogesellschaft (Helge Herwerth) ganz, die vorlaut-laszive Eileen (Karo Guthke) immerhin fast hinters Licht zu führen. Im ganzen eine Abfolge von Lausbübereien ohne grossen Tiefgang, doch des einfallsreich verblüffende Situationen schaffenden Spiels wegen – Sprache und Gestik der Darsteller, illustrative Tableaus der Regie im praktisch-nüchternen Bühnenbild von Peter Aeschbacher – von immer wieder belustigenden Unterhaltungswert.

Lausbuben Kapriolen

Rechts der Lottosechser im TV und die O’Sheas, links vorgetäuschte Spielchen
(Karo Guthke mit Helge Herwerth)

 

Alle Bilder: Severin Nowacki.

Aufführungen bis 21. April

DAS THEATER an der Effingerstrasse