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THEMA: Ein Meister der Glaskunst in Bern

Ein Meister der Glaskunst in Bern 14 Dez 2017 17:12 #1

Auf Einladung von Peter Fuchs besuchten fast 30 interessierte Bäre-HöcklerInnen gestern Nachmittag das Glasmalatelier von Martin Halter am Klösterlistutz in Bern. Dessen Grossvater Louis eröffnete aus dem Elsass kommend 1916 sein eigenes Atelier für Glasmalerei und Kunstglaserei in Bern; ab 1923 in den Räumen am Klösterlistutz. Sein Sohn Eugen begann 1936 selbst die Kunst des Glasmalens und Kunstglaserei zu erlernen und führte ab 1956 das Atelier nach dem Tod seines Vaters weiter. In der dritten Generation übernahm dann 1981 Martin Halter den Betrieb am Klösterlistutz. Exakt 100 Jahre später wurde das Atelier geschlossen. Sein Sohn Jürg Halter ist bekanntlich auch ein bekannter Berner Künstler! Damit wird die einmalige Familientradition zu Ende gehen. Siehe auch auf der Website: www.glasmalkunst.ch/
Unter den Besuchern habe ich auch Maja Petzold (Kulturredaktorin) entdeckt. Sie wird uns nächstens ihre Notizen in einem Beitrag ins Schaufenster stellen!

Auf dem Weg in die untere Altstadt zu Bern halte ich wie immer die Augen offen, was mir rechts und links vom "Rohr" - das sind die Gassen, die vom Bahnhof bis zur Nydeggbrücke mitten durch die Stadt führen - interessantes begegnet:



Es ist Adventszeit. In den Lauben spielen die Posaunenchöre der Heilsarmee ihre weihnächtlichen Melodien - bekannte und auch ein paar schmissige modernere Stücke.



In den Geschäften und Schaufenstern überquillt der Weihnachtsschmuck mit viel Kitsch, Kunststoff und Glitzerware. Mir ist nicht klar, was die livrierten Diener mit den süssen Torten vor der Kosmetikabteilung den Kundinnen eigentlich schmackhaft machen wollen ;-)



Der Blick von der Nydeggbrücke in die Matte zeigt einige Herdfeuer mit ihren weissen Räuchlein über den Dächern. Das Logo einer früheren Schoggifabrik ist noch immer zu erkennen und zeugt vom überall angesiedelten Handwerch in vielen alten Gemäuern an der Aare.



und auf der anderen Seite eben der Klösterlistutz mit dem Untertorturm (genannt Felsenburg) als Abschluss und seinerzeitigem einzigen Zugang auf der Untertorbrücke über die Aare. Das Haus rechts im Anschluss an den Turmbau, mit dem fabrikähnlichen Anbauten, ist seit 1923 die Glasmalerei Halter! Es wäre in den 80er Jahren beinahe einer radikalen Erneuerung des Klösterliareals zum Opfer gefallen, wenn sich die dort engagierten Künstler nicht wehement gewehrt hätten.

Die frühzeitig sich auf den Weg aufgebrochenen Besucher des Ausfluges trafen sich vorerst zum Mittagessen im Restaurant Tramdepot beim Bärenpark. Wer sich früh einen Tisch reserviert, bekommt ihn! Sonst steht man vor ausvverkauftem Haus. Peter hat gut vorgesorgt, besten Dank!



Ein Schnappschuss über den Tisch! Zwei sitzen unter einem guten Stern.



Pünktlich um 14 Uhr klopft Peter an die Türe von Haus Nr. 10 und wir betreten die alten Atelierstuben des Glaskünstlers Martin Halter, der seine Werkstätten und seine Kunst weiterhin zeigen und mit grossem Enthusiasmus weiter vermitteln will.

Dieses war der erste Straich, der zweite folgt zugleich.

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Letzte Änderung: von Peter.

Ein Meister der Glaskunst in Bern 14 Dez 2017 19:14 #2

Im Ausstellungsraum informierte uns Martin Halter über seine verschiedenen Werke anhand von in Rahmen gehängten Glasbildern, die er aus einer Vitrine vor das hell erleuchtete Fenster ziehen konnte. Als Hintergrund scheinen die Gebäude ännet der Aare in der Matte mit ihren Fenstern und Dachlukarnen und unten ein Teil der Aare mit ihrem grünlichen Wasser durch die Scheiben. Sie geben den Kunstwerken einen eigenartigen Bezug zur Umwelt. Daraus einige (von vielen) Müsterchen aus meiner kleinen Nikon. Die Schärfe der Bilder hat mich bei der Entwicklung der Bilder recht erstaunt! Die Erlaubnis zum Fotografieren und hier zu veröffentlichen gab mir Martin Halter auf meine Anfrage ganz selbstverändlich. Dafür danke ich ihm sehr und freue mich selber an den kräftigen Farben und Strukturen.







Wir lernen unterscheiden zwischen Glasmalerei und Glaskunst mit Bleiverglasung. So verstehe ich, dass das markante Gesicht auf der Hinterseite mit einem Pinsel mit einer schwarzen Pulverschicht versehen wird, in die er mit Kratzwerkzeugen oder sogar mit dem Finger oder den Hand, die hellen Stellen heraus putzt. Am Schluss wird die Scheibe mit dem Pulver im Ofen gebrannt - so ähnlich wird ja in der Keramikbranche auf hellem Ton eine entsprechende Engobe aufgetragen, die erst beim Brand ihre Farbe entwickelt.





Hier sind sogar mehrere Schichten aus Glas (z.T. geäzt) übereinander gelegt - wenn ich es richtig verstanden habe. (So kann ich etwa ein Motiv mit Photoshop mehrere Ebenen (Folien) zusammenkopieren, wenn ich die gleiche Wirkung erzielen wollte.)





Man beachte hier die grünliche Aare im Untergrund. Das Motiv erinnert mich an eine Windrose oder ein Steuerrad, jedenfalls an Seefahrt.

Dieses war der zweite Straich, ein dritter folgt sogleich.

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Letzte Änderung: von WillY.

Ein Meister der Glaskunst in Bern 14 Dez 2017 20:04 #3

Damit wir einander nicht auf den Zehen herumtrampelten, teilten wir die grosse Gruppe in zwei Hälften. Wir sahen uns in den anderen Werkräumen um, wo vieles auch zu Demonstrationszwecken aufliegt. Z. B., wie die Gläser zugeschnitten und mit einem kleinen Spalt zueinander gefügt werden, oder wie das Blei in einem vorgeformten Profil mit den Glasstückchen zusammen gefügt und am Schluss verlötet wird.









Auch Spiegelumrandungen können so gestaltet werden. Da verwende ich gleich einen Spiegel für ein Selfie. Ist jedoch schwierig bei sich selber. Bei Drittpersonen geht es problemloser, wie mein Beispiel zeigt.



In einem weiteren Raum finden wir das Gläserlager. Er arbeite mit ca. 2500 verschiedenen Glasfarben. Die einzelnen Formate sind z.B. 50 x 70 cm, mundgeblasen, als Zylinder zugeschnitten und nach dem Aufschneiden in einem weiteren Prozess flach ausgewalzt. Die farbigen Gläser sind unterschiedlich im Preis, je nach den Zutaten, z.B. Gold! oder Kobalt usw. kostet der m2 auch mal das 10fache der einfachen Eisenoxydbeimischung.





Wer weiss, ob der Bäre-Höck mal einen solchen Wappenbär im Schilde führt!!



Für viele Fragen war genügend Zeit zur Verfügung. Traurig hat es uns gemacht, als Martin Halter uns vom Ende des Ateliers und des Generationenwerkes berichtete. Die Branche leide darunter, dass es kaum mehr Lehrlinge gäbe, die Kunst und eben auch die Unterhaltsarbeiten für die bestehenden Werke, z.B. Kirchenfenster, alte Wappenscheiben reparieren usw. ausführen könnten.



Wer Zeit findet, die ganz Serie von ca. 50 Aufnahmen in einem Rutsch als Diaschau in Bildschirmgrösse zu betrachten, kann sie hier unter meinem Google+ Link öffnen: photos.app.goo.gl/Peal79sWCiK356y33

Mit grossem Dank an Peter Fuchs, der diesen erlebnisreichen Nachmittag ermöglich hat und natürlich an den Künstler selber, der mit seinen Ausführungen zu fesseln wusste und ämel mich selbst begeisterte, diese Werke noch viel mehr als bisher zu achten und beachten!
WillY

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Letzte Änderung: von WillY.

Ein Meister der Glaskunst in Bern 15 Dez 2017 20:32 #4

Wunderbare Bilder lieber WillY. Die Glaskunst ist etwas faszinierendes für mich. Ich erinnere mich an eine andere Ausstellung in Romont mit dem Bärehöck.

Vielen Dank für deine Mühe, all diese Bilder hier zu zeigen und schönes Wochenende.

Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in die Menschen hineinhuschen kann.

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Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in die Menschen hineinhuschen kann.

Ein Meister der Glaskunst in Bern 17 Dez 2017 12:56 #5

Maja skizziert die Geschichte der Glasmalerei in ihrem Artikel "Glasmalerei – eine seltene Kunst" im Schaufenster
www.seniorbern....ogs-berichte/content/1281


Jean-Pierre Guenter

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Jean-Pierre Guenter
Letzte Änderung: von jipégé.

Ein Meister der Glaskunst in Bern 18 Dez 2017 21:39 #6

ganz herzlichen Dank an Peter, der uns diesen interessanten Einblick in das Atelier ermöglicht hat! Ebenfalls vielen Dank an Maja! Dank ihrem fleissigen Aufschreiben und dem daraus entstandenen Artikel, kann man nochmal die verschiedenen Werdegänge des Glasbildes (was nicht immer gut verständlich war, wenn man nicht in der Nähe von M.Halter stand) nachzuvollziehen. Und natürlich der Fotobericht von Willy, der, wie immer ein kleines Lustwandeln in den farbigen Glaswelt erlaubt! Danke Willy!

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Ein Meister der Glaskunst in Bern 19 Dez 2017 15:00 #7

Korrektur
Nachtrag von Martin Halter selber: Er legt Wert darauf, dass die Prozesse der Herstellung von Farbgläsern und der Glasmalerei fach- und sachgerecht dargestellt werden und hat uns darum eine Information in PDF zur Verfügung gestellt, die ich hier beifüge. Wenn sich in meinem Bericht etwas simple Beschreibungen aus Laiensicht eingeschlichen haben, dann entschuldige ich mich dafür bei den LeserInnen und beim Fachmann sehr herzlich.
WillY

Hier also zu den Verarbeitungstechniken in der Glasmalerei, von Martin Halter:

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Ein Meister der Glaskunst in Bern 23 Dez 2017 09:55 #8

Lieben Dank Willy für die interessante Dokumentation von unserem Besuch im Atelier von Martin Halter.
Die Blick hinter Glas war sehr lehrreich und hat mir sehr gut gefallen!
Ich möchte noch zwei Exponate anfügen die mir persönlich sehr gut gefallen haben.
Liebe Grüsse Hilde


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