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12.09.2018 -- Fritz Vollenweider / wv

Fernes Land – menschliche Nähe

Im fernen Indien isst man Reis – doch wie kommt man sich hierzulande menschlich etwas näher? Die Antwort zeigt das Theater Matte Bern.


 

Mit ihrem kabarettistischen Kammerspiel hatten die beiden Österreicher Alfred Dorfer und Josef Hader seit der Uraufführung 1991 immer wieder grossen Erfolg. Für die Bühne in der Mattenenge hat Dänu Brüggemann die Berndeutsch-Fassung erarbeitet, und mit dem versierten Kabarett-Fachmann Markus Maria Enggist als Regisseur durfte man sich auf eine funkensprühende Saisoneröffnung freuen.

Die Geschichte hat wenige markante Seiten, wie das für ein kabarettistisches Kammerspiel auch durchaus stimmt. Da ist einmal die Charakteristik der beiden Personen: Der steife, sich unnahbar gebende, eher unsichere Fellner als Chef, der etwas lockerer und der eher vorlaut auftrumpfende, trotzdem nicht unsympathische Assistent Brösel. Die zweite Ausprägung des Stücks ist der Handlungsverlauf: Sachlich beginnt die Geschichte mit der Inspektion eines Landgasthofs für interessierte Immobilien-Investoren, entwickelt sich dann weiter von Schnitzel zu Schnitzel und von Witz zu Witz. Das Indien des Titels ist dabei als eine Art Symbol für das Fremde, Unnahbare, Abweisende zwischen den beiden so verschiedenen Personen zu verstehen. Das rumort und kalauert so bis zum Augenblick, wo der erwähnten menschlichen Wärme nichts mehr im Wege steht. Und vor allem bei diesem Endspiel ist aller Spott, alle Persiflage, alles Menschenfremde, das ganze symbolische Indien, vergessen und es zählt nur noch die Anteilnahme bei Krankheit und Sterben. Dänu Brüggemann (Fellner) und Walter Stutz (Brösel) gelingt es auf berührende Weise, dieses Umkrempeln ihrer Persönlichkeiten – vom Steifen, Unnahbaren zum ohne Aufwand und Klagen Duldenden und Leidenden bei Brüggemann, vom betont herausfordernd palavernden Untergebenen, der gewissermassen mit seiner gewollten, wenn auch fragwürdigen Witzigkeit wider den Stachel leckt, zum Anteil nehmenden, mitfühlenden, menschlichen Gefährten.

Regisseur Markus Maria Enggist wäre nicht Kabarettist, wenn er nicht die Partitur der Komik, im Extremfall des schenkelklopfenden Schwanks dieses Stücks voll ausreizen würde. Da feiern sich Männerwitze nicht nur aus den oberen Schubladen in Folge, und auch die nächtliche Verbrüderungsszene hat so manches in sich, was die Lacher des Premierenpublikums bei Laune hält. Es ist zu hoffen, dass die Wandlung zur menschlichen Nähe der beiden Männer bis zum doch bitteren Ende darüber nicht ganz der Aufmerksamkeit entgleitet.

Indien1

Dänu Brüggemann, Iris Mundle und Walter Stutz

Mitgewirkt am Erfolg des Premierenabends haben neben dem gesamten Team hinter der Bühne auch die diskreten, doch wirksamen Auftritte von Iris Mundle als Wirtin und als Ärztin. Den beiden Persönlichkeiten auf den Leib geschneidert sind die Kostüme von Katrin Schilt, zweckmässig der Abfolge der Handlung angepasst wirken auch das umbaufähige Bühnenbild und die Ausstattung von Fredi Stettler.

Bilder: © Lea Moser

THEATER MATTE