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THEMA: Grenzerlebnis

Grenzerlebnis 30 Jan 2016 01:16 #1

Grenzerlebnisse.

Im Jahre 1947 hatte ich eine Stelle angetreten, in einer alteingesessenen Basler Firma. Das Geschäftsdomizil war mitten in der Altstadt, in einem alten, historischen Gebäude, mit Namen Andlauer Hof, in dem früher schon ein Adel Geschlecht seinen Wohnsitz hatte. Aber ich will ja nicht von diesen früheren Menschen erzählen, ich möchte nur erwähnen, dass dem Gebäude gegenüber das Gebäude des Spiegelhofes ist, Sitz von Justiz, Polizei, Migration und noch vielen weiteren Stellen, die wichtige Anlaufstellen sind auch für die Bevölkerung. Und wo man hin muss, damit einem ein Pass ausgestellt wird oder sonst eine wichtige Bewilligung.

Bis lange nach dem Krieg konnte niemand "einfach so" ohne Bewilligung nach Deutschland einreisen, man musste für sein Anliegen bei dieser Behörde, also beim Polizei Departement, eine sog. Bewilligung oder eine Tageskarte anfordern. Den Vorsteher dieses Departements kannte ich dem Namen nach , aber sonst hatte ich keine Ahnung, als ich eine Kollegin an die deutsch-schweizerische Grenze begleitete, wo sie einen Bekannten treffen sollte, der ihr in Auftrag gegebene Seidenblusen bringen sollte. Der Vater der Kollegin stammte ursprünglich aus der Region Württemberg, und er wollte natürlich damals seine Verwandten und Bekannten, so gut es ging, unterstützen beim Aufbau einer neuen Existenz. Ich hatte auch so eine Bluse in Auftrag gegeben, aus wunderbarer Seide, und ich war sehr erstaunt, dann zu erfahren, dass es sich um Seide handelte, die zur Herstellung von Fallschirmen verwendet wurde. Woher diese Restposten kamen......... Jedenfalls, die Blusen waren sehr schön und tipptopp.

Nach Feierabend begleitete ich also meine Kollegin von der Innerstadt an die deutsche Grenze bei Weil, denn sie dachte, es gäbe sicher eine Wartezeit dort und sie wollte dann nicht alleine herum stehen müssen, und tatsächlich war es dann auch so. Der deutsche Grenzer, der dort Dienst hatte, wurde ebenfalls auf uns aufmerksam und fragte dann freundlich: "Na Mädels, wo brennt's denn?" Worauf Lotti ihm erklärte, dass wir auf einen Herrn aus dem Ministerium aus Freiburg warteten, der uns treffen wollte. Er war sogar so freundlich, für Lotti nach Freiburg zu telefonieren und nachzufragen, aber dort erhielt er keine Antwort mehr, das Amt hatte schon geschlossen. Wir blieben trotzdem noch eine Weile auf einem etwas erhöhten Feldweg stehen, vielleicht kam er ja doch noch.

Während wir so warteten und Sprüche klopften, wie sie in einem solchen Falle üblich sind. kam ein dunkles Auto an den Grenz Schlagbaum gefahren. Ein Herr aus dem Auto führte mit dem herbeigeeilten Grenzwächter ein sehr kurzes Gespräch, der Grenzer salutierte und das Auto konnte, bei schnell geöffnetem Schlagbaum, in die Schweiz überfahren. Das war die einzige Grenzbewegung, die wir während der ganzen Zeit gesehen hatten. Man "ging" noch nicht nach Deutschland. Schon in der Schweiz, hielt das Auto plötzlich wieder, einer der Insassen winkte uns zu und wir gingen mal schauen, ob da ev. eine Auskunft von uns gewünscht wurde. Im Auto waren nebst dem Fahrer noch zwei weitere Herren. Sie lachten alle und fragten freundlich, ob sie uns bis zur Tramhaltestelle in Kleinhüningen mitnehmen sollten. Ich selber kannte mich dort gar nicht aus, aber es war ein gutes Stück zu gehen, bis dorthin. Lotti wich ziemlich brüsk zurück, aber ich hatte komischerweise keine Bedenken und animierte sie, mit mir zusammen einzusteigen. Mir wurde der Platz neben dem Fahrer freigemacht, also stieg ich ein. Der Fahrer sah gutmütig aus und fragte mich dann auch sofort, ob wir denn keine Angst hätten, zu fremden Männern in ein Auto zu steigen. Mein "gutes Gefühl" war immer noch da und ich erklärte einfach frei heraus, was ich mir dabei gedacht hatte. Ich sagte laut, dass alle im Wagen es mitbekommen konnten, dass ich sofort Vertrauen gehabt habe, denn, wer in solchen Zeiten so rasch und unkompliziert über diese Grenze könne, müsse entweder mit der Regierung, mit der Polizei oder mit sonst höheren Tieren" zu tun haben. "Nicht schlecht" meinte da der Fahrer, und fragte, was wohl dieses Amt sein könnte. Unverfroren nannte ich als erstes den Spiegelhof, worauf alle lachten und meinten, das sei wirklich gar nicht schlecht. Und ich setzte dann noch hinzu, dass wir dort fast zu Hause seien, denn wir arbeiteten beide vis-à-vis, in der Petersgasse, bei der hinteren Fassade Spiegelhof. Und dann gab es noch weitere Vermutungen wegen Amt etc. worauf ich meinte, ich sei sicher, der Fahrer kenne meinen Vater, auch Amt! Und der habe sehr oft mit diesem Vorsteher dort zu tun.
Mit erstaunten Augen meinte der darauf: "Jä, sinn Sie öbbe s'Zanarotteli ? Was ja liebevoll gemeint war, und als ich bejahte, wurde allgemein beschlossen, dass wir das am Bahnhof mindestens mit einem Café "begiessen" müssten, den Alkohol haben wir sofort beide strikt abgelehnt.

Und so beschlossen wir diesen lustigen Zwischenfall von "Vertrauen" in Unbekannte, worauf wir aber noch versprechen mussten, das wir in den nächsten Tagen einmal mit ihnen nach Binzen in die Mühle (eine schon damals renommierte Gaststätte) fahren sollten -. auch in Deutschland - für ein Nachtessen, wozu sie uns einladen würden. Und das haben sie auch pünktlich eingehalten. Am besten erinnere ich mich an das Dessert, denn es gab "Crèpes Suzette flambées" die ich damals sehr schätzte, weil man so etwas nicht alle Tage geniessen konnte.

Es irrt der Mensch. solang er strebt.

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Es irrt der Mensch. solang er strebt.

Grenzerlebnis 30 Jan 2016 09:24 #2

Danke Etna für diesen wieder sehr interessanten Bericht aus früherer Zeit.



Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in die Menschen hineinhuschen kann.

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Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in die Menschen hineinhuschen kann.

Grenzerlebnis 30 Jan 2016 11:05 #3

Siehst Du, etna, böse Mädchen kommen überall hin, brave dafür in den Himmel ! (Du verstehst das schon richtig, da bin ich mir sicher, sonst hätte ich mich nicht getraut, das zu schreiben)

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Grenzerlebnis 30 Jan 2016 12:48 #4

Ja Kaninchen, diesen Buchtitel kenne ich! Was aber HIMMEL anbetrifft, das wäre für mich sehr langweilig, wenn dieser Himmel so aussehen würde, wie im Sketch von Alois, mit seinem Luja luja, saget-i...... Ich glaube, sehr viele heutige Menschen hier im Westen, und ebenso auch in Amerika, müssen noch echt umdenken, was dies anbetrifft, um dann nicht super enttäuscht zu sein.

Aber ich gönne jedem seinen ganz persönlichen Himmel, wo immer er auch zu finden ist. Was ich hingegen nicht glauben kann, ist, dass man ihn sich durch "Halsabschneiden" verdienen kann. Ich finde den Ausdruck auf italienisch so gut, denn dort wird von jenen Menschen, die das praktizieren, als von "Tagliagola" gesprochen, also Gurgelschneider. Schauerlich, sich so etwas nur vorstellen zu müssen.

Also, auf gut Baseldeutsch: Zäh Schritt vom Lyb ewägg, bitte!

Es irrt der Mensch. solang er strebt.

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Es irrt der Mensch. solang er strebt.

Grenzerlebnis 30 Jan 2016 14:58 #5

Wunderbar etna, wie Du erzählst und mit den richtigen Titeln immer wieder ins Schwarze triffst. Grenzerlebnis, Erlebnis an der Grenze, an der Grenze des Erlaubten, an der Grenze vom Leben in den Himmel! Fein komponiert. Danke!
Mit bestem Gruss in meine Heimatstadt, Andreas

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Grenzerlebnis 31 Jan 2016 18:02 #6

Dateianhang:

Dateiname: Seidenblusen-2-3.txt
Dateigröße:2 KB


Ich schaffe es einfach nicht , etwas gescheit einzubringen?!

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Letzte Änderung: von leblanc. Begründung: Unfähigkeit

Grenzerlebnis 31 Jan 2016 18:29 #7

Als kleinen Tipp Leblanc, empfehle ich deine Texte im Word zu schreiben. Dort kannst du auch die Rechtschreibeprüfung aktivieren.
Dann speichern unter als PDF veröffentlichen und auf dem Desktop ablegen.



Das PDF-Einfügen ist dir ja schon gelungen.
Hier die Version als Word-Datei:


This browser does not support PDFs. Please download the PDF to view it: Download PDF.

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Letzte Änderung: von Erwin.

Grenzerlebnis 01 Feb 2016 00:02 #8

Hay Leblanc,
zu den Seidenblusen habe ich Deinen Beitrag gelesen, danke! Nun habe ich wenigstens eine Ahnung, was es mit dieser Fallschirmseide auf sich hat, denn das alles wusste ich gar nicht und spekulierte wild drauf los, woher diese wohl käme. Für mich war diese Bluse damals etwas ganz Spezielles. Erstens war die Seide sogenannte "Rohseide" und die Farbe crème, und die Machart kam einem Herrenhemd in die Nähe, ein wenig weiblicher, aber trotzdem sehr gut im Bureau zu tragen, wenn ausländischer Besuch oder sonst etwas nicht Alltägliches auf dem Programm stand. Schade, dass es so etwas heute nicht mehr gibt.

Aus Deinem Bericht geht auch hervor, dass Du wirklich schon sehr jung ganz schreckliche Erlebnisse gehabt hast. So etwas sollte, auch heute nicht, niemandem passieren, und schon gar nicht kleinen Kindern.

Es irrt der Mensch. solang er strebt.

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Grenzerlebnis 01 Feb 2016 00:09 #9

Danke Erwin
Aber ich schreibe meine Sachen alle auf Microsoft Word 2010 und kriege als Resultat dann ein Dokument mit dem Anhang .docx
mit dem ich hier im SeniorBern nichts anfangen kann.
Es muss irgendwie am konvertieren liegen - ich arbeite daran !!
Frohe Nachtruhe
leblanc

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Grenzerlebnis 01 Feb 2016 10:46 #10

Ich vermute, du hast keine Möglichkeit, dein Dokument in das PDF-Format umzuwandeln, wie es Erwin meint.
Es geht aber auch ganz direkt aus dem Word-Dokument! Ohne Umweg über das PDF-Format: Du markierst den Text deines Dokumentes. Kopierst ihn (z.B. mit der Tastenkombination Ctrl - C) und fügst ihn dann ganz einfach in das Beitragsfeld im Forum ein (z.B. mit Ctrl - V). Man nennt diesen Vorgang Copy-Paste (kopieren - einfügen)

Ich habe jetzt gerade diesen Text als Test so in meine Antwort eingefügt. Kein Problem!
Warum kompliziert, wenns einfach geht?
WillY

P.S. Doppelt gemoppelt hebet besser! Wir waren gleichzeitig dran, gell JPG

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Letzte Änderung: von WillY.

Grenzerlebnis 01 Feb 2016 10:48 #11

Nein, ein .docx kannst Du hier nicht anhängen, denn ein .docx lässt sich viel zu leicht verändern.
Im Normalfall wird aber der ganze Inhalt des .docx kopiert und hierher in einen Beitrag einfügt - geht bestens. Nur die Formatierungen werden nicht vom .docx übernommen und müssen im Beitrag wiederholt werden.
Du könntest aber auch aus dem von Dir erstellten .txt alles kopieren und hier einfügen, kommt aufs Gleiche raus.
Alternativ kannst Du aus dem .docx ein .pdf machen und dieses hier anhängen, aber die "Normalfall-Variante" ist die Bessere.
Kannst ja im Testbereich noch etwas üben.

Hoppla, da war Willy schon am Werk und hat dasselbe etwas expliziter geschrieben.


Jean-Pierre Guenter

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Jean-Pierre Guenter
Letzte Änderung: von jipégé.

Grenzerlebnis 01 Feb 2016 11:04 #12

Danke Jean-Pierre
Danke Willy
Ich hatte das Copy - Paste-Verfahren längst vergessen, da ich es so gut wie nie brauche.
Danke für eure Hilfe. Ich komme mir schon etwas bescheuert vor, aber was machts!
Schööne Tag
leblanc

Habs gerade ausprobiert und es funktioniert !!!

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Grenzerlebnis 01 Feb 2016 18:41 #13

Ein memorabler Tag.

Ich komme nochmals auf diese Fallschirm-Seidenblusen zurück, denn durch diese durfte ich miterleben, wie das damals, kurz nach dem Waffenstillstand, in unserer nächsten, deutschen Umgebung zu und herging. Für uns in Basel ganz fremd. Zwar wurde unsere Stadt von vielen GI's als Urlaubsort sehr häufig besucht, an manchen Tagen war die City voll von diesen schicken, beigebraunen US Uniformen. Aber schon an der Grenze und in der nächsten, grösseren deutschen Stadt, in Freiburg i/Br. sah es ganz anders aus.

Lotti, meine Bürokollegin, wurde von dem Freiburger Herrn mit den Seidenblusen eingeladen, einmal einen ganzen Sonntag sein Gast zu sein. Er wollte eine kleine Tour mit ihr unternehmen, um sie allen seinen Bekannten vorzustellen, und sie konnte jemanden, der auch an so einer Tour interessiert war, mit dazu einladen. Ihre Wahl fiel auf mich und ich war ja auch ziemlich scharf darauf, wieder einmal meine Nase ins Markgräfler Land zu stecken.

Wir holten uns also auf dem Spiegelhof die benötigte Tageskarte, wobei wir damit gehänselt wurden, bestimmt im Knast zu landen. Aber keine Bange, Sie würden dann am Montag, wenn sie uns nicht erreichen könnten, schon dafür besorgt sein, dass wir "in der Kiste" mit Kaffee und frischen Gipfeli versorgt würden. So die Beamten im Spiegelhof.

Da wir für unsere Zwischenhalte auch Nescafé und Zigaretten mitnehmen wollten, zum Verteilen, mussten wir uns etwas ausstudieren.Und die damalige Mode kam uns, mit den sog.Ballerina Jupes, sehr entgegen. Diese waren enorm breit, warfen viele Falten, und für unsere Schmuggelei sehr geeignet. Um die Taille banden wir eine Schnur, Und an diese Schnur banden wir wiederum Schnüre, die in Längsrichtung bis oberhalb Knie fielen, und befestigten daran kleine Nescafé Tüten und kleine Zigaretten Päckchen. Ich stopfte in meine Tasche auch noch diverse normale Zigaretten Pakete An der Grenze mussten wir Pässe und Tageskarten den Franzosen, die dort Dienst taten, vorweisen, die natürlich wissen wollten, was wir denn in Deutschland vor hätten. Da war Lotti sehr schnell mit einer Antwort auf französisch bereit, der ich ebenfalls zustimmte, sie meinte einfach: " Mais on y va pour l'amour"! Worauf jene meinten, dafür müssten wir doch nicht weit gehen, sie seien ja da und trés intéressés et disponibles! Allgemeines Gelächter! Der deutsche Zöllner durfte uns dann nach Waren etc. ausfragen. Ich streckte ihm meine Tasche entgegen, er solle selber schauen, meinte ich und meinte dann ganz leise dazu, er könne sich bedienen, worauf er leise dankte und ein Päckli Zigaretten in seine Jackentasche verschwinden liess, mit glänzenden Augen.

Da alles gut gelaufen war, schritten wir etwas weiter, wo der Freiburger mit einem klapperigen Auto auf uns wartete, ebenso glücklich, als hätte er das grosse Los gewonnen. Wir stiegen ein und mussten sofort einen sog. Willkommenstrunk genehmigen, was uns zwar keinen Spass machte, aber unhöflich konnten wir ja auch nicht sein, hatte der gute Mann doch sogar dafür 3 kleine Gläser entlehnt. Aber er bat um äusserste Vorsicht, Glas war damals in Deutschland echt Mangelware. Überall, wo er Halt machte, wurden wir freudig empfangen, s'Lottele sowieso, bekannt durch ihren Vater. Und wir landeten fast zuletzt auch in Freibug, im Ministerium, wo wir das Büro unseres Reiseführers ebenfalls besichtigen mussten.

Es war aber etwas ganz anderes, das mir sofort auffiel und mich richtig traurig machte. Gleich hinter dem dortigen Basler Tor, einen andern Namen kenne ich nicht, gab es keine Stadt mehr, nur Schutt..... Trümmer.......... alles flach am Boden. Und durch diese traurige Einöde fuhr ziemlich langsam, und holpernd und schüttelnd, ein fast leeres Tram.... nur der Motorwagen, mickerig und einsam. Das war so ein Elendsbild, ein Bild von verlorener Heimat, Einsamkeit.
Herzerweichend für mich.

Und als wir wieder dort anlangten, wo so etwas wie ein Sonntagsverkehr von Fussgängern trotz allem stattfand (auch wir waren dorthin zu Fuss gegangen), kam ein zweiter Schreck auf mich zu. Wir durften nicht auf dem Gehsteig laufen, das durfte nur die französische Besatzungsmacht. Auf einem kleinen, etwas gefährlichen Abschnitt zwar schon, mussten aber sofort auf die Strasse ausweichen, sobald sich Franzosen in Uniform näherten. Das kam mir so erniedrigend vor. Und dazu fielen wir richtig auf, allein schon durch unsere Kleider. Ich war sehr froh, als wir wieder im klapperigen Auto, für die Heimreise verschwinden konnten. Um 24.00mussten wir ja spätestens wieder an unserer Grenze bei Weil sein, um in unser Zuhause gehen zu können.

Unser Gastgeber musste drüben bleiben, aber er bettelte so lange bei den Schweizer Zöllnern, bis sie ihm erlaubten, sich ca. fünf Meter Richtung Basel hin zu bewegen, worauf er vor Freude fast Tränen in den Augen hatte, wieder einmal auf Schweizer Boden gestanden zu haben.

Ich weiss nicht, aber in unserer heutigen Zeit, wo alles sich ja auch wieder um Grenzen, um Heimat, um Verlassenheit, um Fremdheit dreht, kommen mir diese früheren Zustände wieder sehr lebendig in den Sinn. Es war damals zwar anders, und doch geht es immer wieder nur um Schicksale....

Es irrt der Mensch. solang er strebt.

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Grenzerlebnis 01 Feb 2016 19:15 #14

Grossartig und einfach packend erzählt und geschrieben, liebe etna. Ich mit Jg 1948 habe das nicht im Entferntesten im Raum Zürich erlebt. Und doch kommen mir aufgrund Deiner detaillierten Beschreibungen jede Menge Bilder in den Kopf - ausgelehnt aus alten sw-Fotos und alten sw-Filmen aus jener Zeit.

DANKE.

Rolf

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Grenzerlebnis 01 Feb 2016 20:17 #15

Danke Leblanc für deine Erzählung aus früherer Zeit auch wenn sie traurig ist, interessant ist sie allemal für mich weil ich diese Zeit nur aus Erzählungen kenne. Eine Seidenbluse war damals sicher sehr kostbar.

Auch dir Etna ein grosses Dankeschön für diese Grenzgeschichte mit Lotti. Ich liebe solche Erzählungen und freue mich immer wieder wenn ich dich lesen darf.

Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in die Menschen hineinhuschen kann.

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