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THEMA: Grenzerlebnis

Grenzerlebnis 04 Feb 2016 09:30 #31

jipégé schrieb: ich habe eben den Link auf diesen Beitrag an unseren Guide bei der Hafenführung von SeniorBern geschickt - interessiert ihn bestimmt auch


Von ihm habe ich folgende Bilder zu etna's Erlebnisbericht erhalten :







Jean-Pierre Guenter

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Jean-Pierre Guenter
Letzte Änderung: von jipégé.

Grenzerlebnis 04 Feb 2016 11:05 #32

Auf Deine Anfrage, liebe Kornblume, kann ich antworten, dass ich von keinen Einschränkungen innerhalb der Schweiz weiss. Ob das für Schweizerbürger auch gegenüber dem Ausland, das Krieg führte, galt, weiss ich nicht. Ich selber war zu jener Zeit noch italienische Bürgerin, geboren in Basel und wir als Familie hatten schon immer die Niederlassung (das Büchlein mit dem C). Also konnte ich ein paarmal nach Italien reisen während des Krieges, aber nur bis ins Jahr 1943. Ich war aber in dieser Zeit im 1941 das erste und letztemal zu Besuch bei meiner kurz vorher zurück gekehrten Grossmama, in Papas Dorf in der Po Ebene bei Ferrara. Er hat mich dorthin mitgenommen, weil er wohl dachte, sonst würde ich vielleicht sein Geburtsdorf überhaupt nie mehr sehen.

Aber in diesem Zusammenhang werde ich noch über eben solche Reisen berichten können, in den nächsten Tagen, zur besseren Erläuterung der damaligen Lage.

Es irrt der Mensch. solang er strebt.

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Grenzerlebnis 04 Feb 2016 12:01 #33

hallo kornblume
Als Schweizer mit dem damals noch unansehnlich hellbraunen Pass konnten wir überall in der Welt reisen. Man musste nur aufpassen, dass man nicht in ein aktuelles Kriegsgebiet reiste. Die Warnung vom Bund gab es damals noch nicht. Ab 1945 brauchte man für Italien, Österreich und Deutschland ein Visum der Allierten.
Gruss
leblanc

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Grenzerlebnis 04 Feb 2016 13:41 #34

Ganz sicher weiss ich, dass Schweizerbürger in der Nachkriegszeit für Italien ein Visum
brauchten, aber nicht von den Alliierten, sondern von Italien, resp. vom dafür zuständigen Konsulat in der Schweiz. So geschehen für meine Chefs im 1947, die mir ihre Pässe mitgaben, die dann mein Vater mit diesem Visum versehen liess. So konnte ich diesen kleinen Dienst leisten, ohne dass sich die Herren dafür extra bemühen musste.

Es irrt der Mensch. solang er strebt.

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Es irrt der Mensch. solang er strebt.
Letzte Änderung: von etna.

Grenzerlebnis 04 Feb 2016 14:32 #35

Ein Erlebnis von mir aus zu dieser Kriegszeit ebenfalls aus Basel. Nur war ich damals wesentlich jünger als "etna.", deren Alter wahrscheinlich in die Generation meiner Eltern einzuordnen ist. Zur Sachlage, mein Vater ist mit fast 87 Jahren im 2002, meine Mutter im Letzten Juli mit fast 97 Jahren verstorben. Sie war auf den Tag genau 22 Jahre älter als ich. Zudem wohnte ich nicht in Basel wie etna, zufälligerweise zum Zeitpunkt des Ereignisses auf dem Weg mit einer Tante vom Oberbaselbiet nach Oberwil, um Verwandte zu besuchen. Das Verdunkeln etwa, wie etna das beschreibt, war auf dem Land nicht gefordert, jedenfalls aus eigener Erinnerung nicht present. Die Bilder, die ich vor mir habe, bin im Zug von Liestal nach Basel, vom Fenster aus sehe ich Schweizer Soldaten in ihren grünen Kaputts neben Flabgewehren. Von Schüssen oder Bombardierungslärm ist nichts vorhanden. Aber der Zug wird angehalten und wir müssen aussteigen. Wörtlich an der Hand meiner Tante neben den Geleisen. Angst, Panik, ist aber in meinem Film nicht vorhanden. Auch vom Rest des Tages weiss ich nichts mehr.
Hinweis dazu. Vor etwa 2 Jahren habe ich "Reise an den Rand des Universums" von Urs Widmer gelesen, quasi eine Autobiographie der ersten 30 Jahre des Dichters. Widmer wohnte zu obigem Zeitpunkt mit seinen Eltern und Schwester auf dem Bruderholz, von der Dachterasse aus sah er ins Elsass und ins Margräflerland. Vom Verdunkeln schreibt auch er.
Auf Seite 75 schreibt Widmer "....Und an einem ganz normalen Nachmittag endlich dröhnte unvermittelt ein gänzlich neuer Lärm aus der Stadt zu uns herauf. Keine Luftschutzsirenen .........
Ein Desaster etwas ganz Tolles. Ich zögerte keinen Moment lang und fegte mit dem Fahrrad meiner Mutter die Kehren der Bruderholzstrasse hinunter (Ich war jetzt sieben Jahre alt). Ich fand den Ort des Geschehens sofort. Die Tellstrasse war bombardiert worden. (Die Geleise des Bahnhofs auch, das erfuhr ich erst später)."

Mir war klar, das muss mit meinem eigenen Erlebten zusammenhängen und hab folgendes recherchiert:

www.watson.ch/W...es-Bomben-auf-die-Schweiz

"4. März 1945: .......... Gleichentags belegen neun US-Flugzeuge den Güterbahnhof Wolf in Basel mit 12,5 Tonnen Sprengbomben und fünf Tonnen Brandsätzen. Dabei entstehen vornehmlich beim St.Albanring und im Gundeliquartier Schäden."

Somit war Widmer nicht ganz 7 Jahre alt und ich nicht ganz 4.5 .

etna hast Du das auch miterelebt ?

Ciao,
Theo

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Ciao,
Theo
Letzte Änderung: von Theo.

Grenzerlebnis 04 Feb 2016 14:54 #36

Grenzerlebnis im Tessin

Es war zur Zeit des unseligen Weltkrieges (1939-1945) ich wohnte mit meiner Familie im kleinen Dorf Stabio im untersten Zipfel des Kantons Tessin. Wir Kinder kümmerte das eigentlich nicht besonders, ausser dass es gewisse Dinge ohne Rationierungsmarken nicht gab. Wir gingen alle Tage zur Schule und an den freien Tagen liessen wir Buben uns immer irgend einen Schabernack einfallen.
Da die Südgrenze der Schweiz nicht mit genügend Grenzwächtern ausgerüstet war, bekam unser Dorf von Zeit zu Zeit militärische Verstärkung, z.B. in Form einer Kompanie Infanterie Rekruten. Diese mussten an der Grenze patroullieren. Öfters waren die Deutschschweizer Infanterie Rekruten. In unserem Dorf gab es ausser unserer Familie nur noch eine Familie die Kinder hatte welche deutsch sprachen. Also waren wir bei den Rekruten oft als Dolmetscher gefragt. So kamen wir hie und da zu einem Schokoladeriegel (Armeeschoggi)

Alle anderen Einheimischen Bewohner sprachen nur italienisch. Männer waren nur alte im Dorf vorhanden, denn die militärtauglichen waren meistens alle eingezogen. Mein Vater war seit seiner militärischen Aushebung (ca. 1920) als Dienstuntauglich geschrieben, weil er Brillenträger war.

Lustig war es für uns, dass jeweils am Abend vor der Dunkelheit das Hauptverlesen der jeweiligen Kompanie auf dem Dorfplatz stattfand. Wir Deutschschweizer waren die einzigen die jeweils verstanden um was es ging. Einmal wurde dabei ein Rekrut resp. Soldat vor der ganzen Dorfgemeinschaft zu Haft verurteilt (warum, keine Ahnung mehr). Er musste vor allen Leuten sein Bajonett, den Gurt, die Schuhbändel, die Hosenträger der Wachmannschaft abgeben und wurde anschliessend von dieser in einem Kellerverliess unter der Kirche eingesperrt. Wir machten uns ein Spass daraus dem Eingesperrten mal was zuzustecken, wenn die Wache mal nicht gerade aufpasste.

Mit den Soldaten welche jeweils nicht gerade Grenzwache schieben mussten wurde unten im Dorf in der Nähe des stillgelegten Bahnhofes Exerzieren geübt, der Kompaniekommandant sass dabei auf einem Pferd. Es war interessant diesen Übungen zuzuschauen, wenn wir mal gerade keine Schule hatten. Das Pferd des Kommandanten war übrigens das einzige Pferd im Dorf. Die grossen Wagen der Bauern wurden noch von Ochsen gezogen, da ging es viel gemächlicher zu.
Eines Morgens erfuhren wir, dass in der Nacht ein nach Deutschland zurückkehrender Bomber der Alliierten sich noch um eine nicht abgeworfene Bombe in der Nähe unseres Dorfes erledigt hatte, sie landete und explodierte auf einem Feld etwa einen Kilometer ausserhalb des Dorfes. Die Stelle wurde von der Polizei weiträumig abgesperrt. Später suchten meine Schulkameraden und ich an der Stelle noch nach Bombensplitter und wir fanden tatsächlich noch kleine ca. 5cm grosse Splitter.

Das interessanteste von allem was wir in jenen Jahren aber erlebten geschah am 17. September 1943. Ich erinnere mich noch gut an jenen Tag und die folgenden da strömten an der Südgrenze unseres Landes an die 10‘000 Flüchtlinge, Zivil und Militär über die Grenze und mussten aufgenommen werden. Warum ich das noch so gut weiss, ich habe es tatsächlich miterlebt. Allerdings habe ich die Details aus einem Hintergrund Bericht des Tages Anzeigers vom 14. Mai 1997, entnommen. Diesen Bericht habe ich aufbewahrt. (siehe beigefügtes Foto)



Übrigens der Grund dieses Massen-Exodus war die Verhaftung von Mussolini und die neu installierte italienische Regierung unter Badoglio, welche ein Waffenstillstandsabkommen mit den Alliierten abgeschlossen hatte. Wegen diesen Schritt besetzte die deutsche Wehrmacht sofort den Teil Italiens der noch nicht befreit war.

Unser Dorf und die umliegenden Dörfer, Ligornetto, Genestrerio, wurden von einer Unmenge italienischer Soldaten und Offizieren mit ihren Waffen, Pferden, Kanonen, Munition etc. überflutet. Das bei uns stationierte Militär fing sie alle auf, entwaffnete sie und erstellte rasch auf einer Wiese ausserhalb des Dorfes ein bewachtes Lager. Dort mussten diese Menschen open Air lagern und warten, bis klar wurde was man mit den tausenden Soldaten und Zivilisten machen wollte. So gut ich mich erinnern kann übernahm die Kompanieküche eine einfache Verpflegung.

Dann wurde klar, dass diese Soldaten interniert werden mussten und das enet dem Gotthard. So begann eine ständige Wanderung von etwa 20-50 entwaffneten italienischen Soldaten und Offiziere mit einer Bewachung von 2 bis 6 Schweizer Soldaten und mindestens einem Unteroffizier nach dem nächsten Bahnhof, das war Mendrisio (5km). Dort wurden diese Internierten mit Zügen weiter in die Innerschweiz transportiert.

Diese Kompanie Schweizer Soldaten, die diese enorme Aufgabe zu bewältigen hatten waren arme Kerle, sie kamen manchmal kaum dazu sich selber zu verpflegen. Schon mussten sie wieder einen neuen Transport übernehmen. Denn Lastwagen und Autos gab es keine. Nur der Kommandant hatte ein Pferd! und das nützte in diesem Chaos nicht viel.
Irgendwann war dann dieser Spuk auch vorbei und es trat wieder Normalität ein.

Allerdings ist mir ein Andenken geblieben. Diese Soldaten aus Italien, die eigentlich dankbar sein sollten, dass sie bei uns Aufnahme und Frieden gefunden hatten. Reklamierten sehr laut und unmissverständlich weil sie bei uns nur schwarzes Brot erhielten und das erst noch 2 Tage alt. Ganz unverfroren verlangten sie, wir wären doch das Land der Schokolade, doch sie hätten noch keine bekommen.

Thedy

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Grenzerlebnis 04 Feb 2016 16:36 #37

Danke Thedy für diesen interessanten Bericht.

Sehr gut erinnere ich mich an die internierten Italiener, welche bei uns im Emmental den Bauern helfen mussten. Nebenbei gab es auch eine andere Seite : es wurden etliche Kinder geboren, welche von diesen Internierten stammten. Unsere Väter und Brüder waren halt an der Grenze im Aktivdienst und bekamen kaum Urlaub.

pablito

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Grenzerlebnis 04 Feb 2016 17:02 #38

Danke Theo und Thedy für eure Erzählungen die ich wieder sehr spannend fand. Ich bin froh über dieses Thema, damit gehen wertvolle Erinnerungen aus einer Zeit die ich nicht kenne, nicht verloren.

Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in die Menschen hineinhuschen kann.

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Grenzerlebnis 04 Feb 2016 18:05 #39

@Theo

Ja, die Bombardierung des Wolfbahnhofes war, wenn ich mich nicht arg täusche, an einem Sonntagmorgen. Das hat sich in der Stadt ziemlich schnell herum gesprochen. Aber unsere Wohnung war doch einigermassen entfernt vom Geschehen, und in all den Jahren hatte man sich schon etwas an Hiobsbotschaften gewöhnt. Schon die ganz frühen Bomben auf den Basler Bahnhof haben uns gezeigt, dass man mit allem rechnen musste... den wir waren ja nicht die einzigen, denen solches geschah.

Auch die Bomben auf das Gundeldinger Quartier habe ich mitbekommen, ich glaube, dass alle Basler das damals wussten und betrauert haben. Jedes Opfer war eines zuviel, sowieso, da niemand von uns an Kriegshandlungen beteiligt war.

Vom St.Albanring habe ich jedoch nichts gewusst, das höre ich hier zum ersten Mal.

Es irrt der Mensch. solang er strebt.

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Letzte Änderung: von etna.

Grenzerlebnis 05 Feb 2016 18:32 #40

Noch ein paar "Absonderlichkeiten"

Ich habe hier einige Berichte geschrieben über die Jahre des 2.Weltkrieges, wie ich sie in Basel erlebt habe. Da wäre noch so unheimlich viel zu erzählen, aber ich käme damit ja kaum an ein Ende, denn die ganzen 6 Jahre waren einfach, von mir aus gesehen, "ausser der Norm".

Aber nachträglich habe ich trotzdem über einige Dinge nachgedacht und mich gewundert, dass damals das ganze Land wirklich, so wie es mir vorgekommen ist, stets einig war. Sicher war es nicht angenehm für die Männer, immer wieder die Familie, die Eltern, für ein par Monate zu verlassen, um das Land zu schützen. Wir alle dachten jedenfalls, dies sei felsenfest so und kein Angreifer würde die Oberhand gewinnen. Doch dann kam bei der Basler Bevölkerung doch so etwas wie Frust auf, denn wir wurden als "offene Stadt" deklariert, die im Falle eines Angriffes nicht verteidigt würde. Sicher war nur jene Schweiz innerhalb des Réduits, mit Mittelpunkt Gotthard.. Und wir sahen und hörten jeden Tag, wie deutsche Güterzüge beim Badischen Bahnhof vorbeirollten, mit Aufschriften: "Deutsche Räder rollen für den Sieg" und dies in unserer Stadt. Auch hing einmal am Turm dieses exterritorialen Bahnhofs längere Zeit eine Hakenkreuz Fahne. Diese wehte auch auf dem Dach des deutschen Konsulates am Steinenring, genau gegenüber (eine Zeitlang) des italienischen Konsulates. Das war zwar der Normalfall bei allem Konsulaten, dass sie ihre Landesfahne hissten bei Feiertagen, aber die Hakenkreuzfahne.......... Italien hatte gottlob eine ganz normale Landesfahne, die in der Mitte, im weissen Feld, auch das sabaudische Wappen des Königshauses trug. Parteifahnen zum Hissen gab es nicht. Und schon gar nicht in einem neutralen Land. Trotzdem der damalige Bundesrat wahrscheinlich oft genug zu Dingen Ja und Amen sagen musste. Das war eher absonderlich.

Gegen Ende des Krieges rückten die Kriegshandlungen immer näher an unser Land heran, von Westen her. Oberhalb von Saint-Louis, Elsass, gab es ein Wäldchen, durch das eine Fahrstrasse führte. Dort fuhren immer wieder französische Camions, wahrscheinlich vom Maquis. Das waren Franzosen, die als Partisanen für ihre Region kämpften, und die wahrscheinlich versuchten, hier irgendwo den Rhein nach Deutschland zu überqueren. Vielleicht waren es auch Elsässer, die den Deutschen antwischt waren, denn eine Zeitlang, als das Elsass besetzt war, wurden alle jungen Leute zur Wehrmacht eingezogen um dort als Deutsche zu kämpfen. Näheres erfuhr ich aber auch erst etwas später, als wir in unserer Firma ein paar Elsässerinnen aus Saint-Louis und Huningue eingestellt haben. Die haben ja dies alles hautnah miterlebt. Meine neuen Bürokolleginnen aus diesen beiden Ortschaften erzählten uns, dass sie sogar ihreVornamen ändern mussten. Die eine, die Yvonne hiess, musste sich in Zukunft Gertrud nennen. Verzweifelt seien sie den jungen Männern aus ihrem Dorf hinterher gerannt, wollten sie zurück halten, aber umsonst, sie mussten an die Front.
Später mussten sie selber flüchten, so um das letzte Kriegs-Weihnachten herum. Sie kamen alle über die Grenze zu uns nach Basel und wurden in den Hallen der MUBA notdürftig untergebracht. Ich erinnere mich, dass die Familie meines Freundes, bei der ich so oft zum "Futtern" eingeladen war, an jener Weihnacht auch eine bekannte Italienerfamilie aus Hüningen zu sich heimgeholt hat, um Weihnachten mit einem Essen gemeinsam zu feiern, und dass wir uns alle bemühten, ihnen nach Möglichkeit Esswaren und Kleiderpakete mit zu geben. Die Mustermesse war voll mit geflüchteten Elsässern.

Es wurde um Basel herum scharf geschossen. Unsere Schweizer hatten Wache auf einem Silo im Kleinhüninger Hafen und sie mussten auch währen des Schiessens auf ihrem luftigen Posten bleiben. Und es wurde erzählt, dass sie sich jeweilen schnell bückten, wenn wieder so ein Geschoss über ihre Köpfe hinweg, von Deutschland nach Frankreich zischte. Einmal, als ich mit meinem Schätz, der gerade im Urlaub war, einen Sonntags Spaziergang ausserhalb der Stadt machte, sahen wir über die Grenze hinweg, wie die vom badischen Gebiet abgefeuerte Leuchtspur Munition fast auch über unsere Köpfe hinweg schoss, denn es war schon fast dunkel. Basel machte dort einen Knick nach Frankreich und die Ecke war wirklich exponiert.. Ich und mein Gefährte haben uns zurück gezogen, als ich meinte, hoffentlich käme keiner im Schwabenland auf die Idee, sein "Kanonenrohr" etwas herunter zu dirigieren, denn dann hätte es bei uns anstatt bei den Franzosen getätscht. Und als wir umkehrten um nach Hause zu gehen , bemerkten wir, dass diese ganze Ecke voll so genannter "Zuschauer" war, die, wie im Theater, dem Krieg zuschauten, aus der angenommen sicheren, neutralen Distanz! Und einige hatten sogar auch Kinderwaren, mit ihren Buschi, dabei! Ich konnte das schon damals nicht begreifen.........

Das waren ein paar Absonderlichkeiten, die ich nun halt auch noch loswerden musste. Es waren ja auch absonderliche Zeiten damals. Es gab allerlei für Charaktere, wie immer und überall, vorausschauende, so genannt Gute, und auch Böse, Egoisten, die nur nach dem Spruch lebten wie er heute noch viel mehr zum Vorschein kommt: Ich gönn dir alles, und mir e bitzeli mehr!

Es irrt der Mensch. solang er strebt.

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