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THEMA: Doubsradtour von der Quelle zur Mündung

Doubsradtour von der Quelle zur Mündung 20 Mär 2018 16:57 #1

Von Vallorbe zur Quelle:Von guten Feen und sportlichen Adrealinschüben



Von einem Fluss - zwei Ländern - drei Akteuren: Laurent in grün - Didi in rot - Hako in gelb - und ihren spannenden Erlebnissen erzählt dieser Reisebericht. Dass wir als Verkehrsampel auftreten ist rein zufällig.
Mit dem ÖV fahren wir von Bolligen via Lausanne nach Vallorbe. Von dort geht es mit eigener Muskelkraft weiter.



Als erstes gilt unsere Neugierde der Feen-Grotte von Vallorbe. Dort wohnen der Sage nach hübsche Feen, die sich ab und zu zeigen. Besonders wenn attraktive Männer die Grotte besuchen. Wir wollen unser Glück versuchen. Wenn drei so fesche Mannsbilder mit Velofahrerwädli kommen lockt dies die Schönheiten sicher hinter den Stalaktiten und Stalagmiten hervor. Letztere haben wir in seltener Schönheit bewundern können. Von den Begegnungen mit den Feen, da schweigt des Sängers Höflichkeit. Dies haben wir versprechen müssen, sonst ist die Rache der Feen so sicher wie das Amen in der Kirche.



Ursprünglich waren zur Ereichung der Grotte Tauchgänge nötig. Vallorbe erkannte die touristische Attraktivität der Höhle und bohrte einen künstlichen Eingang. Am 6. April 1974 wurde die Grotte für das Publikum eröffnet und im Laufe der Zeit immer besser erschlossen. Diese kann individuell besucht werden. Am Eingang erhält man einen Beschrieb oder Audio-Führer. Mittels Bewegungsmelder werden die einzelnen Abschnitte raffiniert beleuchtet, sodass man stets im Hellen steht. Es sei denn, man fummle im Stillstand zu lange am Fotoapparat herum und verpasst den nächsten Bewegungsmelder. Folge: Es wird plötzlich stockdunkel. Ich befinde mich gerade auf einer Brücke. Cirka 20 Meter unter mir die dosende Orb. Über mir das Echo. Eine gewaltige Schallorgie. Kalt läuft es mir den Rücken hinunter. Ich erstarre zu einem Stalagmit. Dann spüre ich die feinen Wasserbläschen vom Gischt in meinem Gesicht. Die Anspannung löst sich und ich geniesse plötzlich dieses einmalige Naturerlebnis. Dumm nur, dass Besucher den Bewegungsmelder auslösen. Ich fasse den Vorsatz, dieses Ereignis nochmals herbeizuführen. Die Grotte ist schwach besucht. An einem Tümpel höre ich die Wassertropfen hineinfallen. Ich bleibe stehen in der Hoffnung, dass nun in absehbarer Zeit keine Besucher die Stelle passieren. Habe Glück. Totale Finsternis, absolute Stille, unterbrochen durch die symphonische Melodie der Wassertropfen. Einfach phantastisch. Ich glaube, ich bin einer Fee begegnet. Meine Sinne sind auf alle Fälle völlig eingenommen von diesem Höhlen- und Hörerlebnis.
Am höchsten Punkt der Höhle im sogenannten "Grossen Saal" hat es Sitzbänke. Auf denen kann man sich nicht nur ausruhen, sonder eine eindrückliche Lichtshow geniessen. Ein Besuch der Grotten von Vallorbe lohnt sich alleweil. Früh morgens ist ein guter Zeitpunkt. Dann begegnet man am ehesten den guten Feen



Wunderbare Unterwelt



Stalagmiten



Qualle



Stalaktiten

Das "dünne Röhrchen in der Bildmitte hängt volle vier Meter von der Decke herunter. Millionen von Jahren begegnen mir.
Nach dem Besuch der Grotte von Vallorbe erwartet uns ein längerer, eher gemütlicher Anstieg zum Petit Risoux.



Über Stock und Stein

Ich halte nicht etwa nach Pilzen Ausschau, sondern versuche die hohen Tritte und natürlichen Absätze des offiziell ausgeschilderten Mountain-Bikeweges zu umgehen. Kurz, aber heftig ist die nicht fahrbare Stelle. Als Belohnung für das Stossen dürfen wir die gut gepflegten Waldstrassen hinunter sausen. Dies lässt mein Bikerherz höher schlagen. Adrealinschübe sind die Folge. Ich pfeiffe und singe nach herzenslust. Die Velotour beginnt mit vielen nachhaltigen Erlebnissen, dabei sind wir ja eigentlich "nur" auf der Anfahrt zur Quelle vom Doubs. Die Ouverture ist voll geglückt.



Der fotografischer Blick in die Höhle mit dem 5 Meter tiefen Quelltopf.



Der Wasserfall, wenige Meter unterhalb der Quelle veranschaulicht eindrücklich die Wassermenge der Quelle, die auf 937 Meter über Meer liegt.

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Letzte Änderung: von Hako.

Doubsradtour von der Quelle zur Mündung 20 Mär 2018 18:39 #2

Von der Quelle nach Les Brenets:Von einem aufklärenden Grossbrand und Naturschönheiten

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Die Reise kann beginnen.
Der Doubs ist ein erstaunlicher Fluss. Quelle und Mündung liegen nur 95 Luftkilometer von einander entfernt. Dank einer grossen U-Schlaufe und unzähligen Windungen beträgt seine Länge stattliche 453 Kilometer. Wir Biker durchfahren nicht nur einmaligen Landschaften, sondern werden auch mit einige Kuriositäten konfrontiert. Eine erste gefällig? In Pontarlier versickert ein Teil des Wassers vom Doubs. Niemand wusste genau wohin es abfliesst. 1901 geriet eine Absinth-Destillerie in Brand. Eine grössere Menge Absith geriet in den Fluss. Wenige Tage später roch das Wasser der Loue-Quelle, die sich über sechs Kilometer nordwestlich von Pontarlier befindet, stark nach Änis. Seit diesem Ereignis weiss man wohin das Sickerwasser vom Doubs fliesst.

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Dank der üppig fliessenden Quelle prägt er sofort die Landschaft. Man lässt ihn gewähren.
Er schlängelt sich durch das über 900 Meter gelegene Hochtal, bildet Seitenärme kleine Inselchen. Gemütlich radeln und die Natur bewundern. Dies passt zusammen.

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Hier sagen sich nicht Fuchs und Hase "Bonne nuit" sondern verschiedenste Amphibien.

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Am Lac du Saint-Point. Eine der wenigen natürlichen Seen

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Paradies für Wasservögel

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Ein Familienausflug

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Der Ort Montbenoît und das Kloster haben eine interessante Geschichte. Ich zitiere aus Wikipedia, weil es so furchtbar kompliziert ist, aber irgendwie typisch für die politischen und gesellschaftlichen Wirren im Jura.
Die Ortsgeschichte von Montbenoît geht vermutlich auf das 11. Jahrhundert zurück, als sich hier ein Eremit namens Benoît niederließ. Mit einer Schenkung der Herren von Joux in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde ein Geistlicher aus Besançon beauftragt, ein Kloster zu gründen. Dieser Augustinerchorherrenstift ist seit 1141 urkundlich belegt. Die Mönche, die zum Teil aus der Schweiz hierher gekommen waren, sorgten für die Rodung und Urbarmachung der näheren und weiteren Umgebung. In den folgenden Jahrhunderten hatte Montbenoît die klösterliche Herrschaft über das Val du Saugeais inne, wobei es unter der Oberhoheit der Freigrafschaft Burgund und den Herren von Joux stand. Das Kloster entwickelte sich rasch zum geistlichen Zentrum des Haut-Doubs. Die Klosterkirche wurde zur Grablege der Herren von Joux, die 1410 ausstarben.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster von Truppen des Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar verwüstet. Zusammen mit der Franche-Comté gelangte Montbenoît mit dem Frieden von Nimwegen 1678 an Frankreich. Danach wurde die Herrschaft bis 1773 von den Mönchen verwaltet. Seit der Französischen Revolution war Montbenoît Hauptort des gleichnamigen Kantons. Im Jahr 1947 wurde es zudem der Hauptort der Mikronation Freie Republik Saugeais (République du Saugeais) erklärt.

Leider war die Kirche geschlossen. Es wäre ein interessantes Chorgestühl zu bewundern gewesen. Samson und Dalila in "Pose" und wie sie ihm den Bart oder die Zunge abschneidet! Die Szene ist nirgends genau beschrieben. Vielleicht ist ein Kenner unter euch, der uns aufklären kann.

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Unbekannter Ritter

Die Talenge zwischen Colombière und Les Cordiers schliesst das Hochtal ab.

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Der Lac des Brenets verdankt seinen Ursprung einem Bergsturz. Vor 14'000 Jahren sind gewaltige Felsmassen in die tiefe Doubsschlucht gestürzt und haben diesem den Durchgang verwehrt. Entstanden ist ein schlangenförmiger See.
Das Hotel für unsere zweite Übernachtung befindet sich etwas oberhalb von seinem Ufer.

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Letzte Änderung: von jipégé.

Doubsradtour von der Quelle zur Mündung 20 Mär 2018 22:54 #3

Singletrail entlang dem Doubsufer von Les Brenets nach St. Ursanne:von Staustufen; seltsamen Grenzverläufen und wunderbarer Natur

Bemerkung:Im Jahre 2010 habe ich diesen Teil des Doubsradweges solo mit meinem Moubtainbike absolviert. Der Trail ist grossartig und einmalig. Wild und ruhig als freifliessendes Gewässer, eingequetsch zwischen den Stauwehren, mystische Landschaft, Freizeitraum, die Vielfalt ist enorm. Darum will ich euch diese beeindruckende Erlebnislandschaft nicht vorenthalten.



Die 71 Kilometer gehen in die Beine. An die Fahrtechnik werden stellenweise recht hohe Ansprüche gestellt. Konzentration beim Fahren ist auf den schmalen, zum Teil glitschigen Wegen notwendig. Kommt hinzu, dass diese stellenweise ausgesetzt sind und ein Sturz unweigerlich im Fluss endet. Solche Situationen löse ich damit, dass ich mich per pedes fortbewege. Ich will in erster Linie die Natur geniessen. Wenn ich mich 100%ig auf den Weg konzentrieren muss, verpasse ich die Schönheit der Landschaft. Beides passt nicht zusammen.



Ausblick auf den Lac des Brenets.



Hier lässt sich's bequem, biken



Die Fahrt am 3,300 Kilometer langen Stausee entlang ist abwechslungsreich. Mich faszinieren immer wieder die Spiegelbilder. Hinter jeder Kurve taucht ein neues Bild auf



Nach der Staumauer empfängt mich die rauhe Welt der Kalkfelsen. Dutzende von Metern schiessen sie senkrecht hoch gen Himmel.Der Trail schlängelt sich ihnen entlang.



Dem dichten Laubwald kann sich selbst der Doubs nicht entziehen.



Wanderer und Biker schätzen diesem schattigen Grillplatz
Vielleicht sind an diesem selten schönen Ort schon Menschen ins meditieren geraten. Ich jedenfalls fühle mich pudelwohl



Am "Grünen Doubs" prägt die Feuchtigkeit die Landschaft. Das Moos an Felsen und Bäumen hat etwas märchenhaftes, ja mystisches. Ein Regenwald en miniature.



Diese Passage hat es in sich. Die überhängenden Kalkfelsen funktionieren wie eine tropfende Dusche. Der steile Schotterweg ist deshalb nass und glitschig. Meine Fahrkünste sind gefordert.



Die Landschaft am Doubs ist abwechslungsreich. Nach dem Tunnel wird die Landschaft geradezu lieblich.

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Doubsradtour von der Quelle zur Mündung 20 Mär 2018 23:18 #4



Hier in diesem ruhigen Gewässer und in der Schlaufe von St. Ursanne lebt noch der Apron. Der Roi du Doubs ist eine ganz spezielle Fischart. Seinen Namen hat der Vertreter der Spindelbarsche nicht vom König («roi»), sondern vom französischen Wort «roide», was übersetzt «steif» heisst. Denn das 16 Zen¬timeter kurze Tier hat einen starren, unbiegsamen Körper. Die bedrohte Fischart ist streng geschützt.



Der Lac de Biaufond ist ein weiterer Stausee an der Französisch-Schweizerischen Grenze. Vor dem Kraftwerksbau war die Gegend als Schmuggelparadies bekannt. Die Wege in den zerklüfteten Kalkfelsen waren lebensgefährlich. Daran erinnert heute der Klettersteig "Échelles de la Mort".
Ab der Staumauer werden wir mit einer weiteren Eigenheit konfrontiert. Die Grenze Frankreich-Schweiz verläuft nicht mehr mitten im Fluss, sondern am orographisch rechten Ufer. Also auf der Schweizer Seite. Diese Kuriosität hat ihren Ursprung in den Verträgen zwischen dem Fürstbischof von Basel und dem König von Frankreich.



Man sagt im Doubs kann man die weltbesten Forellen fangen.



Dieser ist sehr beliebt. Sei es als gemütlicher Ausflug auf stehenden Gewässer oder als Kampfsport im wilden Doubs.



Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Hat mich sehr beeindruckt, wie der Nachwuchs über diese Schwelle hinunter fährt.
Der freifliessende Doubs und seine vielseitigen Gesichter:



Kanuten fühlen sich auf ihm wohl, wie der Fisch im Wasser





Er schlängelt sich friedlich durch die Landschaft



Gold werden sie keines finden, aber schön marmorierte Steine sind auch ein edler Schmuck

Einige Kilometer vor St. Ursanne ist noch einmal meine ganze Muskelkraft gefragt. Die Route führt auf einem ausgewaschenen Kiesweg steil, sehr steil hoch. Auf 980 Metern sind über 100 Höhenmeter zu bewältigen. Die brennende Nachmittagssonne im Rücken. Eine schweisstreibende Angelegenheit. Dies nach 70 Kilometer in den Beinen. Es sollte aber an diesem ereignisreichen Tag nicht die letzte Anstrengung sein. In St. Ursanne vertraue ich dem Wegweiser:"Zum Bahnhof" mehr, als meinem Navi und biege auf den Fussweg ab. Hätte ich besser unterlassen. Der Steigerungslauf sieht so aus: zuerst einige Meter fahren, dann wird es so steil, dass ich schieben muss und zuguter letzt heisst es tragen. So endet meine Biketour dem Doubs entlang in einem veritablen Schweissbad.



Er darf natülich nicht fehlen.

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Doubsradtour von der Quelle zur Mündung 21 Mär 2018 09:10 #5

Von Les Brenets nach St. Ursanne:eine Biketour durch die schönen Freiberge



Das Glitzern der Morgensonne im Lac des Brenets reisst unseren Geist vollends aus der Schläfrigkeit. Didi ist immer der Schnellste, während Laurent und ich die Morgentoilette gemütlich angehen. Das Frühstück geniessen wir und führen die notwendigen Kalorien unserem Körper zu. Wer als letzter das Zimmer verlässt - bin meistens ich - kontrolliert, dass all unsere Sachen von verschwitzten Socken auf dem Fenstersims bis zum Handy-Ladegerät beim Nachttischli auch mitgenommen wurden. Das beladen der Stahlesel mit den Sacchochen und die Bremskontrolle ist schon Routine. Wenn Laurent der Routenchef seine Geo-Karte sorgfältig ins Klarsichtfenster seiner Lenktasche geschoben hat, kann die Fahrt beginnen.



Zuerst gehts mal auf der Kantonsstrasse hoch zum Parkplatz, wo ein Fussweg zum Saut-du-Doubs abzweigt. Das Naturspetakel ist ein muss.



Der Wasserfall gilt laut gewissen Quellen als der grösste in Frankreich. Andere sprechen vom höchsten. 27 Meter stürzen die Wassermassen in die Tiefe. Wie immer auch - höchster oder grösster - beeindruckend ist das Naturschauspiel alleweil.
Ein kleiner Ausflugstip: Man kann den Wasserfall auch sehr bequem mit dem Schiff, ab der Schiffsstation Les Brenets und einem kurzen Fussmarsch besuchen. Die Schiffahrt entlang dem Doubs Canyon erinnert an norwegische Fjorde. Hintergrundinformationen vom Schiffskapitän sind im Preise inbegriffen.



So ruhig machen sich die Wassermassen unterhalb vom Saut-Du-Doubs auf den Weg Richtung St.Ursanne. Der Doubs und seine Gegensätze ziehen mich immer wieder in den Bann.
Uns erwartet nun der längste Anstieg auf unserer Doubs-Radtour. Auf der Naturstrasse "Saut-Du-Doubs" sind über 10 Kilometer und 376 Höhenmeter zu bewältigen. Wir sind froh über die schattenspendenen Wälder. Ab und zu erheischen wir einen Blick auf den Lac de Moron und bestaunen die eindrücklichen Felsformationen der "La Grande Beuge".



Bevor wir ins Herzen der Freiberge abbiegen, geniessen wir den Panoramablick auf den Lac de Moron und das Dörfchen le Pissoux.



Die leicht gewellte Hochebene der Freiberge liegt auf rund 1000 Metern über Meer. Es ist eine rauhe Gegend. Im Sommer trocken, im Herbst und Winter fegen eisige Stürme durch's Land.
Wiederum spielt in der Geschichte ein Fürstbischof eine wichtige Rolle. Seine Excellence stellt im Jahr 1384 den Neuankömmlingen einen Freibrief aus. Um Leute in das schwach besiedelte Gebiet zu locken wurde ihnen Steuern und Zinsen auf ihrem neu gerodeten Boden erlassen. Der Name Freiberge stammt übrigens von diesem Erlass. Erst 1792 endete dieses Privileg. Mahnt mich einbischen an die heutigen Steuerprivilegien der "Reichen und Schönen" oder Multis! St. Moritz und Zug lassen grüssen!



Typisches Freiberger Bauernhaus. Wohn- und Economiegebäude sind zusammengebaut. Ein gepflegter Vorgarten ist der stolz der Bäuerin.



Sie sind das Markenzeichen der Freiberge. Die aus dem 15. Jahrhundert stammenden Freiberger sind die letzte Pferderasse rein Schweizerischen Ursprungs. Wenn es nach dem Bund geht(Sparübung), sind ihre Tage gezählt. Auch auf dem Fahrrad holt einem manchmal die Politik ein, wie oben belegte Beispiele zeigen. Wenn ich richtig Recherchiert habe sieht die Zukunft wieder besser aus. Hoffen wir's.



Milchwirtschaft und Pferdezucht sind die jahrhundertelangen Grundpfeiler der Freiberge. Später blüht die Uhrenindustrie auf. Heute spielt der Naturpark Doubs in der Wirtschaft der Freiberge eine bedeutende Rolle. Er propagiert mit Erfolg einen naturnahen Tourismus.
Nachdem wir die Jurahöhen erreicht haben, können sich unsere Muskeln entspannen. Gemütlich geht's quer-feld-ein. Wir vermeiden wenn immer möglich Hauptstrassen und das Mittagessen besteht bei sonnigem Wetter aus einem reichhaltigen Pic-Nic an einem lauschigen Plätzchen. Mittagsschläfchen inbegriffen. Heute ist alles ein bischen anders. Wir müssen eine Verbindungsstrasse benützen. An einer Strassenkreuzung lockt eine sonnige Gartenterrasse. Nach kurzem Disput ist klar, wir kehren ein. Diese Pause benütze ich, um den Accu nachzuladen. Bei längeren Touren habe ich das Ladegerät immer bei mir. Eine leere Batterie wäre ein Supergau. Die freundliche Serviceangestellte zeigt mir die Steckdose. Ein Trinkkgeld ist ihr sicher. Das Mittagsschläfchen verschieben wir auf später,
denn nun folgt so quasi als das Tüpfchen auf dem i die Abfahrt von Les Enfers 954 Meter über Meer nach Les Moulins 478 Meter über Meer. 476 Höhenmeter in den Doubs-Canyon hinunter. Auf den vielen langen Geraden kann ich es sausen lassen und die übersichtlichen Haarnadelkurven können voll ausgefahren werden. Das ist für meine Bikerseele der Himmel auf Erden.



Unten am Doubs angekommen wartet bereits das nächste Highlight. Kein Nickerchen, ein erholsames Bad im Doubs ist angesagt. Ich bin keine Wasserratte. Laurent und Didi schon. So füge ich mich dem Gruppenzwang und wage mich zögernd ins kühle Nass. Ich stelle fest: unterwegs ein Bad zu nehmen, ist gar nicht so schlecht, wie ich es mir immer vorgestellt habe:" Nachher nass in die Kleider schlüpfen, feuchte Haare etc.etc."! ES hat gut getan und auf den restlichen Kilometern trocknet auch meine Mähne, trotz Velohelm. In St. Ursanne bin ich ganz happy über diese neue Erfahrung.
Dank Laurent, der sich standhaft geweigert hat die Uferroute zu befahren, habe ich die Freiberge kennen gelernt. Ich bin um eine super Erfahrung reicher.

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Doubsradtour von der Quelle zur Mündung 21 Mär 2018 15:07 #6

kurzer Unterbruch : ein ganz toller Reisebericht von einer wunderbaren Gegend !


Jean-Pierre Guenter

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Jean-Pierre Guenter

Doubsradtour von der Quelle zur Mündung 26 Mär 2018 13:21 #7

Von St Ursanne nach Montbéliard: Ein Kirchenraub; die grosse Schlaufe;eine Militärfestung für die "Katze" und moderne Glasfenstern





Die romanische Pfeilerbasilika mit der Krypta unter dem Chor stammt aus dem 12. bis 14. Jahrhundert. Das Erdbeben von 1356 beschätigte den Kirchturm derart, dass er später einstürzte. Da sind noch die Reformationswirren zu erwähnen. St. Ursanne blieb dem Bischof von Basel treu. Der 13. September 1793 war ein schwarzer Tag für das Kloster. Der französische Kommissar liess alle Glocken der Stadt als Beute nach Porrentruy bringen. Der Kirchenschmuck und die Gefässe wurden entfernt. Das Benediktinerkloster aufgelöst.



Das Südportal (um 1200) im Stil der burgundischen Romanik gehört zu den bedeutendsten Portalen dieser Stilrichtung in der Schweiz.



In St. Ursanne vollzieht der Doubs seine grosse Wende. Nach einer 180° Schleife fliesst er wieder nach Westen.
Der Brückenheiliger nennt sich Johannes Nepomuk. Er ist nicht nur Schutzheiliger von Brücken, sondern auch vom Beichtgeheimnis. Das kam so. Der Priester Johannes Nepomuk war der Beichtvater von der Gattin von König Wenzel IV. Die Gattin soll es mit der ehelichen Treue nicht so genau genommen haben. Als Katholikin musste sie dieses sündige Verhalten beichten. König Wenzel der IV. wollte nun vom Beichtvater seiner Gemahlin wissen, wer denn nun der Liebhaber sei. Johannes Nepomuk weigerte sich standhaft das Beichtgeheimnis preis zu geben. Der König liess ihn foltern. Schlussendlich wurde er auf der Karlsbrücke in Prag in die Moldau geworfen. Daher steht auf der Karlsbrücke auch die Statue vom Heiligen Johannes Nepomuk. Beim nächsten Pragbesuch darf gesucht werden, welche Statue es denn nun sei. Ich verrate es euch, wenn ich den Reisebericht über unsere Moldauradtour auf SeniorBern veröffentliche. (Herbst 2018)



Auf geht's zur nächsten Etappe



Die dunklen Wolken verheissen nicht's Gutes. Dafür haben wir den bei Velofahrern so beliebte Rückenwind und hoffen, dass dieser die Regenwolken vertreibt.



Saint-Hippolyte hatte früher eine strategische Bedeutung. Also liess Graf Johann II. zu Beginn des 14. Jahrhunderts eine Stiftskirche bauen. Dies war anno dazumal so Brauch. Aussergewöhnlich war, dass von 1418 bis 1452 das Turiner Grabtuch in einem Schrein in der Stiftskirche aufbewahrt wurde. Via Chambéry, dank dem Herzog Ludwig von Savoyen und seiner Ehefrau Anna von Zypern kam dieses 1578 endgültig nach Turin. Dort wird es heute noch aufbewahrt. Dass jemand von Zypern Anna heisst finde ich irgendwie komisch!!



Maria mit dem Jesuskind inmitten von zwei Heiligen



Didi liegt mit seiner Wetterprognose goldrichtig. Wir dürfen uns auf einen sonnigen Nachmittag freuen.



Von Saint-Hippolyt nach Pont-de-Roide-Vermondais pedalen wir gemütlich dem Doubs entlang. Dann folgt eine giftige Steigung. Sie führt hinauf zur Festung Fort des Roches, auch Batterie des Roches genannt. 2,540 Kilometer lang ist der Aufstieg. 251 Höhenmeter sind gefordert. Mein Pulsmesser zeigt über 150 Schläge an. In der steilsten Rampe von über 15% Steigung sind es gegen die 180. Dies auf einer Strasse mit Hartbelag. Wie haben diesen Steilhang, durchsetzt mit Felsbändern, nur die Feinde geschafft? Befassen wir uns ein bischen Näher mit der letztlich unnützen Festung, denn bevor sie in Betrieb genommen werden konnte, waren das Waffensystem bereits veraltet und daher unbrauchbar.

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Doubsradtour von der Quelle zur Mündung 26 Mär 2018 14:50 #8

Festungsanlage Roches-Batterie



Die Roches-Batterie war mit den Sekundärbatterien von Petit Lomont, Pointe des Roches, Saussis, Roche Jella und Fort Lomont der Verteidigungswall des Lomont-Massivs. Die verschiedenen Bunkeranlagen sollten den Übertritt feindlicher Truppen im oberen Doubs-Tal verhindern. Sie sind Teil des Netzwerks von 459 Werken, die nach dem Krieg von 1870/71 zwischen der Nordsee und dem Mittelmeer unter der Führung von General Séré de Rivière gebaut wurden. Der Vater der Verteidigungslinie war auch Ingenieur. Das von ihm entworfene Gesamtkonzept, auch als Barrière de fer oder "Système Séré de Rivières" bezeichnet, sah den Bau von Festungsanlagen in Lille, Maubeuge, Verdun, Toul, Belfort und Besançon sowie einer Vielzahl von dazwischenliegenden Befestigungen vor. Aufgrund seiner Planungen entstanden so in Frankreich bis 1885 insgesamt 158 Forts, 40 Zwischenwerke und 254 Batterien.
Aus der Roches-Batterie wurde nie ein Schuss abgefeuert. Von der Armee aufgegeben, wurde es 1977 von der Stadt Pont-de-Roide gekauft.


Heute tummeln sich Eidechsen in ihren Gemäuern. Doch noch für etwas nützlich.



Mit heruntergelassenen Hosen wäre eine allfällige Flucht schwierig geworden. Darum wurde selbst die Latrine "bombensicher" gebaut.



Hinter diesen dicken Mauern liess sich sicher und gut träumen



Handy gab es damals keine. Aber die Kommunikation mit den umliegenden Festungen war modern.



Die Offiziere und Soldaten hatten wenigsten eine schöne Aussicht auf das Städtchen Pont-de-Roide. Hier wurde insbesondere der Salzhandel abgewickelt. 70 bis 80 Wagenladungen pro Woche nahmen bis ca. 1630 den Weg ins Ausland.1842 ließ sich die lutherische Familie Peugeot in Pont-de-Roide nieder und errichtete Fabrikationsanlagen.
Wir sausen wie Kanonkugeln mit unseren Bikes zu Tale. Nach einer kurzen Irrfahrt durch Audincourt finden wir die Kirche Sacré-Coeur. Diese ist für ihren künstlerischen Schmuck bekannt.



Im Süden befindet sich am Eingang ein abstraktes Mosaik mit schillernden Farben. Es schmückt die Hauptfassade. Das Werk von Jean Bazaine, der auch das Fenster der Taufkapelle von Jean Barillet schuf. Dieser Meisterglashersteller fertigte auch alle siebzehn Buntglasfenster des Kirchenschiffes und des Chores zum Thema Passion an, die von Fernand Léger entworfen wurden. Die Buntglasfenster der Krypta, der Bürgersteig und eine Mosaikwand sind das Werk von Jean Le Moal.



Die bunten Glasfenster schaffen eine besondere Atmosphäre.



Das wünsch ich EUCH zu Ostern



Die Taufkapelle befindert sich in einem seperaten Raum.
Die Kirche ist geschlossen. Ein Hinweis informiert, wo der Schlüssel abgeholt werden kann.
Wie gewohnt, Laurent führt uns Punktgenau vors Hotel. Noch in den Veloklamotten trinken wir unser wohlverdientes Bier oder Panaché. Nach dem Zimmerbezug ist Körper-, beziehungsweise Schönheitspflege angesagt. Dann folgen die obligaten Tagebucheintragungen: Tageskilometer; Höhenmeter; besondere Vorkommnisse etc.,etc. Handys- und Fotoaccus müssen geladen werden. Verschwitzte Kleider im Lavabo mit Schnellwaschmittel waschen und, wenn die Kleiderbügel fehlen, die notwendige Wäscheleine im Schlafzimmer irgendwie installieren.
Herausgeputzt machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Ortsübliche Spezialitäten sind gefragt. Wir vermeiden wenn immer möglich Touristenzentren. Die schauen wir uns mit vollem Bauch an und trinken den Schlummerbecher in einem Strassencafé.

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Letzte Änderung: von Hako.

Doubsradtour von der Quelle zur Mündung 27 Mär 2018 09:51 #9

Montbèliard-Besançon

Philosophische Gedankensprünge; Regenfahrt zur grünsten Stadt Frankreichs; wo Doubs und Canal du Rhône au Rhin sich grüezi sagen und eine Festung von oben grüsst.





Die Bekleidung von Didi verrät es schon. Ein Novembertag im Wonnemonat Mai küdigt sich an. Der Velocomputer muss trotzdem eingestellt werden. Heute könnten es locker 100 Kilometer werden.



Ein unwiderstehlicher Duft liegt in der Luft. Er bringt mich zum philosophieren. Velofahren ist wie ein Gesamtkunstwerk. Unsere Sinne werden angsprochen. Die Ohren hören den Kuckuck rufen, das Auge sieht vom prächtigen Panorama bis zur Dotterblume am Bachrand Naturschönheiten und die Nase riecht feinste Umgebungdüfte. Diesmal ist es kein Sonntagsbraten, sonder der Duft aus der offenen Türe der Boulangerie vis à vis dem Hoteleingang. Er ist betörend. Mein Pic-Nic Sandwich mit französischer Frischbackware ist einmalig.



Die Gewässer Doubs und Canal du Rhône au Rhin kreuzen sich bei Voujeaucourt. Der 236 Kilometer lange Kanal verläuft in weiten Teilen im Tal des Doubs. Abschnittsweise fährt man im Fluss oder im eigentlichen Kanal. Heute dient er in erster Linie den Sport- und Hausbooten.



Hinweisschilder leiten die Bootsführer, damit sie die richtige Ein- und Ausfahrt finden. Sehrwahrscheinlich gar nicht so einfach bei den vielen Inselchen



Auch Laurent sucht den Weg im Wasserlabyrinth



Einfahrt zu einer Schleuse.112 sind es total



Die Regenwolken lassen grüssen. Wir erfreuen uns trotzdem an den vielen kleinen und verträumten Dörfern.



Die Besitzer der Wochenendhäuschen pflegen ihre Gärten am Ufer.



Schwelle, sie dienen oft dazu, die Fliessgeschwindigkeit zu bremsen.

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Doubsradtour von der Quelle zur Mündung 27 Mär 2018 10:15 #10



Fluss und Kalkfelsen sind sie die bestimmenden Landschaftselemente. Die Veloroute hat den Charakter einer bescheidenen Berg- und Talfahrt. Manchmal kann man sogar den Schwung einer Abfahrt bis zur nächsten Steigung.mitnehmen .



Die Zitadelle von Besançon ist der Vorbote der Stadt. Der erste Stein wurde am 29. September 1668 auf dem Mont Saint-Étienne gelegt, als die Stadt noch in spanischem Besitz war. Ludwig XV. beschloss Besançon zu einem der Hauptknotenpunkte des Verteidigungssystems im Osten Frankreichs zu machen. Er betraute Sébastien Le Prestre de Vauban mit der Fertigstellung der Festung. Sie ist ein exemplarisches Beispiel der militärischen Baukunst im 17. Jahrhundert. Die Arbeiten dauerten von 1678 bis 1711.
Was militärische Bauten so an sich haben, mit der Zeit werden sie überflüssig oder werden ersetzt. Kluge Touristiker machen daraus eine wichtige touristische Attraktion. So geschehen mit der Zitadelle von Besançon. So wichtig sie als Bollwerk war, so wichtig ist sie heute als Touristenmagnet. Sinnigerweise ist unter anderem ein Museum für Widerstand und Deportation untergebracht.



Platz der Revolution
Schon Julius Caesar wusste um die strategische Bedeutung des Ortes in der Doubsschleife. Deshalb liess er ihn im Jahre 58 v. Chr. zu einer Stadt namens Vesontio und einem wichtigen Stützpunkt ausbauen.
Im Mittelalter gelang es Besançon den Status als freie Stadt im Heiligen Römischen Reich zu erlangen und zu bewahren. Die Stadt war stets hart umkämpft.Erst seit 1678 ist Besançon Teil Frankreichs.
Heute ist die Stadt das Zentrum der französischen Uhren- und Textilindustrie. Im Bereiche der Mikro- und Nanotechnologie ist sie führend und sie darf sich rühmen, die grünste Stadt Frankreichs zu sein.
Ein kleiner Nachtspaziergang:



Der Doubs prägt das Stadtbild von Besançon massgeblich


Seit 1393 besteht das Gebäude. In der große Nische in der Fassade stand bis zur Französischen Revolution eine Bronzestatue von Kaiser Karl V. mit einem zweiköpfigen Adler, dem Wappen von Besançon .



Die Sainte-Madeleine-Kirche ist eine klassische Markthalle aus dem 18. Jahrhundert. Sie wurde zwischen 1746 und 1766 vom bisontinischen Architekten Nicolas Nicole umgebaut und Marie de Magdala gewidmet. Während der Französischen Revolution wurde das Gebäude als nationales Eigentum beschlagnahmt und als Futterlager genutzt. Seit 1795 wird die Kirche wieder für Gottesdienste benutzt. Die große Orgel der Kirche Sainte-Madeleine wurde von Claude-Ignace Callinet mit einer Marienstatue , umgeben von summenden Engeln, erbaut



Jouffroy d’Abbans gilt als Vater der Raddampfer. 1782 begann er in Lyon mit dem Bau eines 42 Meter langen Raddampfers, der Pyroscaphe. Am 15. Juli 1783 absolvierte er eine erste Fahrt auf der Saone. Einen Monat später beförderte er Passagier. Sie mussten ein Zeugenprotokoll für die erfolgreiche Fahrt unterzeichnen, denn es war ein heftiger Streit ausgebrochen. Die Akademie der Wissenschaften (Académie des sciences) verbot ihm, seine Erfindung in Paris zu benutzen. Man beauftragte stattdessen Claude Périer, einen von d'Abbans' Widersachern, dessen frühere Versuche fehlgeschlagen waren, die Konstruktion zu begutachten. Der Bericht war niederschmetternd. Jouffroy d’Abbans kehrte in die Heimat zurück. Diese Rivalitäten ändern nichts daran, dass er heute als der Vater der Raddampfer gilt.

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Doubsradtour von der Quelle zur Mündung 28 Mär 2018 06:59 #11

Ab durch einen Tunnel unter der Zitadelle zu einer märchenhaften Grotte mit brummigen Bären; von einem utopischen Städtebauer, dessen Ideen unser heutiges Mobilitätschaos lösen könnte



Nach dem zum Teil regnerischen Vortag, freut uns natürlich dieser Anblick aus dem Hotelfenster.



Wie heisst es so schön:"Über den Dächern, pardon Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...



Die heutige Route mit einem Abstecher zur Grotte D'Osselle und den königlichen Salinen von Arc-et-Senans.



Laurent will Didi wohl sagen:"Wir sind auf dem richtigen Weg." Ein- und Ausfahrten bei Städten sind besonders Anspruchsvoll



Der Flusslauf vom Doubs. Einfach, aber sehr erklärend



Am 2. Juli 1878 begannen die Tunnelbauarbeiten. 1882 fuhr das erste Schiff durch den Kanaltunnel.
Der Bauauftrag wurde an Jacques Troglia, einem italienischen Unternehmer mit Sitz in Lausanne, vergeben. Multinationale Unternehmer gab es schon immer!!! War Lausanne damals schon so Steuergünstig???
Zurück zum Ernst des Lebens. Der 388 Meter lange Tunnel verläuft unter der Zitadelle. Benützer von Hausbooten sparen die Doubsschlaufe um die historische Stadt Besançon. Der Wassertunnel kann auch von Radfahrern benützt werden.



Anlegestellen können für den Einkauf benutzt werden.



Friedliche Freizeitbeschäftigung, die bekanntlich den Stress abbaut. Genau wie bei uns, den Velofreaks.



Wir sind nicht die einzigen Schweizer, die diese herrliche Landschaft geniessen



Wir verabschieden uns vom Doubs und steuern die Grotte von Ossello an

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Letzte Änderung: von Hako.

Doubsradtour von der Quelle zur Mündung 28 Mär 2018 07:30 #12

Die Grotte von Ossella lockt. Man kann sie nur mit einem offiziellen Führer besuchen. Ein deutscher Begleittext wir abgegeben. Berühmt ist ihre Vielfalt der Formen, die Schönheit der Stalagmiten und die Geschichte mit den Bären.
Schon im 13. Jahrhunder soll sie begangen worden sein. Im Jahr 1504 hat die erste Führung statt gefunden. Natürlich gibt es auch eine Sage. Die Sage, von einem Goldbergwerk und dass sich im Berg eine goldene Stadt versteckt. Wir haben beides nicht gefunden.
Gefunden haben wir das Bärenskelett. Einem gewissen Herrn Cuvier ist es gelungen aus den gefundenen Knochen ein vollständiges Skelett, einen Ursus Spelaeus herzustellen. Heute kann man sogar leibhafte, ausgestopfte Bären bewundern.
Wie das Führungen so in sich haben, man erfährt in kurzer Zeit viel und weiss am Schluss doch nicht viel. Gilt nur für mich, weil ich ein beschränktes Aufnahmevermögen habe.



In den Dimensionen weist die Grotte jede Grösse auf.



Prächtige, wuchtige Formationen



feingliederige Strukturen



raffinierte Beleuchtung. Mit etwas viel Phantasie könnte man meinen, man stünde Leuchtwürmchen gegenüber



Eindrückliche Stalagmiten



Bärenskelett en rouge

Man hätte sie schon in freundlicherer Pose darstellen dürfen.



Vielleicht liegt ja hinter dieser Nebelwand die verborgene Goldstadt



Die Strukturen erinnern mich irgendwie an gewisse Meerestierchen. Das liegt vielleicht daran, dass mein Magen knurrt, denn meine Uhr zeigt 12.00h. Gewohnheit bleibt Gewohnheit, auch auf Velotouren

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Doubsradtour von der Quelle zur Mündung 28 Mär 2018 09:37 #13

Ein sehr interessanter und informativer Reisebericht über eure Radtour. Sehr gut finde ich immer die erläuternden Texte zu den Bildern. Besten Dank, hako

Hans Jörg

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Letzte Änderung: von HJK.

Doubsradtour von der Quelle zur Mündung 28 Mär 2018 09:56 #14

Das Pic-Nic geniessen wir auf der Terrasse beim Höhleneingang. Unten rauscht der Doubs vorbei.Er lullt uns zum kleinen Mittagsnickerchen ein. Gestärkt und ausgeruht machen wir uns auf den Weg zur königlichen Manifaktur in Arc-et-senans.

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Wir müssen das Doubstal verlassen.
Der Gegensatz unserer Zeitreise ist etwa so gross, wie wenn man von einer 120° heissen Sauna ins eiskalte Wasser springt. Hier millionenjahre alte Versteinerungen, da visionäre Zukunftsgläubigkeit.

Die Geschichte der Salinen
Die Königliche Saline war eine Manufaktur zur Salzgewinnung. Bis ins 19. Jahrhundert hat sie die Schweiz mit Salz beliefert.Sie wurde auf Befehl des Königs Ludwig XV. erschaffen und von 1775 bis 1779 erbaut. Sie ist das Meisterwerk des visionären Architekten der Aufklärung, Claude-Nicolas Ledoux (1736-1806). Sie stellt auch ein seltenes Zeugnis in der Geschichte der industriellen Architektur dar. Sie ist eines der bedeutendsten realisierten Bauprojekte der sogenannten Revolutionsarchitektur. Die Königliche Saline funktionierte wie eine integrierte Fabrik, wo fast die gesamte Arbeitsgemeinschaft lebte.
Zugang zur Saline bietet einzig das Torhaus, dessen Portal mit sechs dorischen Säule umsäumt ist. Hier waren u. a. die Wachposten untergebracht, die den Verkehr kontrollierten und Salzdiebe abwehren sollten. Folgt man der schnurgeraden Straße, gelangt man zum Mittelpunkt der Anlage: dem Haus des Direktors. Allein seine Größe spiegelt die Rolle wider, die dem Direktor zukam. Er war als Vertreter des Königs Herrscher der Anlage, die Arbeiter seine Untertanen. Diese Macht wird auch durch den vorgelagerten Portikus mit seinen schweren Rustika-Säulen betont.
Links und rechts des Direktorenhauses liegen die großen, imposanten Salzwerkstätten. 81 mal 28 Meter misst ihr Grundriss. Überspannt von hohen Walmdächern beherbergen sie das eigentliche Zentrum der Saline: die Feuerstellen mit den Salzsiedepfannen, die Trockenräume und Lagerstätten. Westlich und östlich davon liegen die so genannten Salzsteuergebäude mit den Verwaltungsräumen und Wohnungen der Vorarbeiter und Baumeister. In den weiteren Bauten des Halbrunds waren Werkstätten und Arbeiterwohnungen untergebracht.
Das Salz wurde übrigens aus dem Fluss Loue gewonnen.Wir erinnern uns, in Pontalier versickert ein Teil vom Doubs. Dank Absinth(später Farbtests)wissen wir, dass es bei der Loue-Quelle wieder das Tageslicht erblickt. Ein bischen Schweizer Salz hat sich also heimlich dazu geschlichen.
Die Königliche Saline von Arc-et-Senans gehört seit 1982 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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die Mächtigkeit des Gebäudes symbolisiert die dominante Stellung des Direktors. Ein kleiner König im Königreich

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Das Torhaus war die einzige Verbindung zur Ausserwelt

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Früher Salzwerkstatt, heute ein moderner Ausstellungsraum, wo Wechselausstellungen präsentiert werden.

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In der Mitte das Haus vom Direktor, links und rechts davon die Salzwerkstätten. Nicht zu sehen sind die Stallungen, die Gebäude des Salzes Ost und West, die Dienstgebäude Ost und West, die „Berniers“ genannten Arbeiterwohnungen Ost und West, das Böttcherhaus, das Gebäude der Wachposten und die Schmiede.
Neue Techniken der Salzgewinnung bedeuteten das Ende der königlichen Saline. 1895 wurde sie aufgegeben, geplündert und 1918 durch einen Brand beschädigt. 1927 kaufte sie das französische Departement Doubs und bewahrte sie vor dem Ruin. Drei aufeinanderfolgende Restaurierungswellen, die 1996 zu Ende gingen, verliehen ihr wieder neuen Glanz.
Im 2. Weltkrieg benützten die Deutschen die Gebäude der Salinen als Internierungslager für Zigeuner.
Die Architektur der Königlichen Saline, ihre Geschichte und ihre Sanierung, machen sie zu einem auf der Welt einzigartigen Baudenkmal, das sich heutzutage allen erdenklichen Besuchern öffnet. Ausstellungen, Gartenfestival, Konzerte, Aufenthaltsort für Forscher, Veranstaltungen für Kinder sind Bestandteile jeder Kultursaison. (entnommen verschiedenen Webseiten)

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Wenn ein Gottesdienst statt fand, mussten die Arbeiter/Innen auf dieser Stiege stehen. Hinaufschauen hiess die Devise, denn der Priester stand zu oberst auf der Plattform.

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Themenbezogene Ausstellungen bereichern den Besuch

Claude-Nicolas Ledoux:
Claude-Nicolas Ledoux wurde am 27. März 1736 in Dormans an der Marne geboren. Seine Eltern, Claude Ledoux und Françoise Dominot führten ein kleinbürgerliches und bescheidenes Leben. Dies prägte den Sohn, wie sein späteres Werk beweist. Die Reform der Landwirtschaft und die Entwicklung der Provinzen wurden für ihn ein wichtiges Thema.
Er studierte Architektur an der von Jacques-François Blondel gegründeten École des Arts in Paris.
1771 setzte ihn König Ludwig XV. als Bevollmächtigter für die Salzbergwerke in der Franche-Comté und Lothringen ein. 1773 erhält er den Auftrag, die unwirtschaftlichen Salinen zu sanieren. Am 15. April 1775 erfolgte die Grundsteinlegung der Saline von Arc-et-senans. Der Bau wurde sein Lebenswerk.
Es gelang ihm mit den Salines Royales ein sehr harmonisches Bau-Ensemble, das durch seine Symmetrie, Ordnung und Gestaltung im Detail, wie z. B. das Spiel von Licht und Schatten in den Fassaden, ästhetisch überzeugt. Dies wird vor allem deutlich in den ca. 60 Architekturmodellen im Ledoux-Museum in der Saline Royale, die für die Ausstellungsräume gemäß seinen Entwürfen angefertigt wurden. Als die Revolution ausbrach, wurde Claude-Nicolas Ledoux ins Gefängnis geworfen. Dort schreibt er sein Werk Architektur in Bezug auf Kunst, Moral und Gesetzgebung .


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Wer Lust und vor allem Zeit hat, kann hier alle seine grossen Projekte studieren. Modelle inklusiv.

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Nach soviel Informationen ist eine gemütliche Fahrt am Rhein-Rhone Kanal entlang wohltuend und erholsam. Das Hirn will durchlüftet sein. Die Bäume riechen nach einem erfrischenden Frühlingsduft.

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Letzte Änderung: von Hako.

Doubsradtour von der Quelle zur Mündung 29 Mär 2018 23:29 #15



Morgens haben wir uns von den Dächern von Besançon verabschiedet, abends grüssen die Dächer von Dole und ....



...die sitzenden Frauen. Typisch französisch, sehr charmant.



Der Tag war in jeder Hinsicht lang und anstrengend.
Didi sucht die nächst beste Braisserie. Nach dem Essen verzichten wir auf einen längeren Stadtbummel.



Ein Minispaziergang durch verträumte Gässchen ist trotzdem ein muss.



Die Stiftskirche Notre-Dame stammt aus dem 16. Jahrhundert. Sie liegt am Weg zum Hotel. Didi hat das so geplant, denn er verfügt über Ortskenntnisse. Der Schlummerbecher trinken wir heute ausnahmsweise im Hotel.
Eine kleine, persönliche Feststellung: Laut meinen Kollegen soll ich jeweils schon tief und fest schlafen, wenn sie vom Zähneputzen kommen. Das nenn ich Effizienz.

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