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THEMA: Eine Expedition

Eine Expedition 27 Apr 2018 10:13 #1

Von der Quelle zur Mündung


Das Bösmattmoos

Die Spätfrühlings- und erste Sommertage trafen zusammen mit den Schulferien und so konnten unsere Enkelkinder und ihre Eltern motiviert werden für eine aussergewöhnliche Excursion.
Wir hatten schon letztes Jahr geplant den Chräbsbach in seiner ganzen Länge zu begehen. Das erstens, weil sie etwa in der Hälfte direkt am Bach wohnen und zweitens, weil da kein Weg entlang führt. Es musste also entweder im Winter oder noch vor der beginnenden Vegetationszeit sein.


Die Quelle, oder der erste Lichtblick für den Bach. (bis hier ist er in Dohlen gefasst.)

Der Chräbsbach hiess früher Reichenbach, so wird es in alten Akten vermerkt. Er mündet im Reichenbach bei Zollikofen in die Aare. Das Restaurant, die nicht mehr existierende Brauerei und das dazugehörige Schloss sind allgemein bekannt, aber wo ist der Ursprung des Bachs?
Auf der Landeskarte findet man im Heidmoos beim Hof Bösmatte unterhalb Meikirch die erste Spur. Von dort führt die blaue Linie vorbei an Weissenstein, Ortschwaben, Niederlindach und Graben ununterbrochen bis nach Reichenbach. Er durchfliesst dabei die vier Gemeinden Meikirch, Wohlen, Kirchlindach und Zollikofen.



Von der Postautostation in Meikirch bis hinunter in die Bösmatt ist man in 15 Minuten gelaufen, es sei denn, man versäumt sich nicht mit allerlei Kinder- und Hundeangelegenheiten.



Jetzt muss zuerst noch die spezielle Geschichte des Bachs angesprochen sein. Vor hundert Jahren sah das Land beidseitige anders aus. Sumpfige Wiesen und Matten, die nur bei längerer Trockenheit gemäht werden konnten, säumten die mäandernden Ufer. Es brauchte den Versorgungsnotstand und die "Anbauschlacht" des Bundesrats Wahlen, dass das "Naturparadies" zu landwirtschaftlicher Nutzfläche umgewandelt werden konnte. Der Bachlauf wurde begradigt, die Wiesen mit Drainagen trocken gelegt, Wege gezogen und Brücken gebaut, ertragreiches Ackerland war gewonnen. Damals wurden im Bereich der Gemeinde Kirchlindach 53 Kilometer Gräben von Hand ausgehoben. Wegen Treibstoffmangel konnte nur ein einziger Bagger eingesetzt werden. Einige Jahre später wurden diese Arbeiten auch im oberen Teil durchgeführt. Doch die Natur lässt sich nicht so einfach bändigen. Bei den häufiger auftretenden Hochwassern trat das Bächlein mehrfach übers Ufer, es entwässert immerhin den ganzen Südhang des Frienisbergs. Das neue Umweltbewusstsein ermöglichte 2003 erste Renaturierungen. Eine Menge Bäume wurden gepflanzt und das Bachbett natürlich gestaltet.






Aborigines

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Letzte Änderung: von Erwin.

Eine Expedition 27 Apr 2018 10:38 #2

Ab Ortschwaben dem Chräbsbach entlang


Wie viele Brücken, Überfahrten und Stege den Bach überqueren, das Zählen wurde bald aufgegeben. Auf der Landeskarte zähle ich 10 Strassenbrücken und 19 übrige Weg- und Stegbrücken. Die wichtigsten seit alter Zeit sind die bei Ortschwaben über die es nach Neuenburg und Paris ging, die bei Heimenhaus und Niederlindach nach Kirchlindach, die Grabenbrücke und zuletzt die Reichenbachbrücke.


Beim Schlössli Heimenhaus


Für die Feuerwehr kann beim Heimelibad der Bach gestaut werden.


Niederlindach


Ötzi vom Chräbsbach


Mutterkuhherden, hier gehts nicht weiter mit Kindern und Hund.


ehemalige Grabesagi


im Graben

Mühlen, Sägereien, Stampfen und Gerbereien gab es einige. Sie haben alle den Betrieb eingestellt. Nachdem wir die Strecke fast immer am Bach entlang gehen konnten, war es dann in Niederlindach Schluss.

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Eine Expedition 27 Apr 2018 10:46 #3

Der untere Chräbsbach



Der rund 9 Kilometer lange Bach ist ein Privatgewässer. Am 13. November 1302 erhielt Rudolf von Erlach, der Sieger von Laupen, vom Junker Ulrich von Bremgarten den Bach mit allen Rechten, «ihme und allen seinen Erben, den Bach den man Rychenbach nennet» geschenkt. R.v.Erlach gründete 1343 die Herrschaft Reichenbach und seither vergeben die jeweiligen Schlossherren das Fisch- und Wassernutzungsrecht.




Zwei Bauernhöfe und ein Schlössli auf Bühlikofen.

Wir liefen bis zum Graben auf der Strasse und dann über die Brücke zum Bühlikofen hoch. Das letzte Wegstück ist fast überall von Schaf- und Viehzäunen dermassen versperrt, dass es nicht anders möglich war. Vom Bühlikofen sind wir wieder zum Bach hinunter und drüben den Mülirain hoch, rein zum Vergnügen, denn es soll ja möglichst bachnah sein.


Der Buechirain ist die alte Verbindung vom Schloss hinauf nach Zollikofen. Herr von Erlach wird wohl damals hier hinauf geritten sein zu den Johannitern nach Münchenbuchsee. Wir aber sind da hinunter zur Reichenbachbrücke.



Zwei historische Brücken sind hier, die eine wird stark befahren, es ist der kürzeste Weg nach Bremgarten und Schleichweg für Autobahnflüchter. Die andere ist ein Fussgängersteg, der kürzeste Weg hinauf ins Dorf, auch der Schulweg unserer Kinder damals. Beide Brücken wurden kürzlich instand gestellt. Die eine verstärkt mit viel Beton, die andere kunstvoll restauriert.


Im letzten Teil sieht man eindrücklich wie sich der Bach im Laufe der Zeit tief eingefressen hat in die Moräne-Nagelfluh und wie sich vom ständig aussickernden Wasser mächtige Tuffsteinformationen gebildet haben.


Die untere Mühle im Reichenbach war die letzte Möglichkeit nochmals die Kraft des Wasser zu nutzen.


Die Mündung bei der Reichenbachfähre in die Aare


Schloss Reichenbach

Unsere Kraft war an diesem Nachmittag ebenfalls erschöpft und die Kinder haben die versprochene Expedition von der Quelle bis zur Mündung ihres Bachs erlebt. Ein Abenteuer, an das sie vielleicht ein Leben lang denken werden.

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Eine Expedition 27 Apr 2018 13:34 #4

Danke Erwin für diesen ausgezeichneten Bericht.

Du zeigst uns hier viel wissenswertes aus Deiner näheren Umgebung, vom dem wir keine Ahnung haben oder hatten.

Ein schönes Wochenende wünscht

pablito

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Letzte Änderung: von pablito.
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