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THEMA: auf ARTE : Die Yungas-Strasse in Bolivien

auf ARTE : Die Yungas-Strasse in Bolivien 17 Jul 2019 17:16 #1

  • jipégé
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Eben entdeckte ich im ARTE-Magazin, dass am Samstag 20.7. um 19:30 Uhr ein Doku-Film «Fahrt ins Risiko : Die Todesstrasse in den Anden» gezeigt wird. Es geht dabei um die Yungas-Strasse, die das Tiefland von Bolivien mit der Hauptstadt La Paz auf über 4000MüM verbindet. Diese Strasse trägt den Übernamen «La carretera de la muerte» und dies nicht zu Unrecht !

Vor vielen Jahren, in den 90er, verbrachte ich einmal mehr einige Monate in Südamerika. Irgendwann, im Basecamp des Aconcagua, beschloss ich spontan, meinen Onkel, Missionar in San Borja (Bolivien) zu besuchen. Also machte ich mich auf den langen Weg, etwa 2'500 km, in den Norden von Argentinien, über die Grenze nach Bolivien und dann die endlose Strecke durch das ganze Tiefland dieses Landes.
In einer kleinen Stadt, Trinidad, blieb ich stecken. Die Fortsetzung nach San Borja war unmöglich, da die Regenzeit früh begonnen hatte und der Fluss Beni, der durch die Gegend mäandert, das Land überschwemmt hat.

Ich blieb in Trinidad, es hiess, dass der Pegelstand bereits zurückgehe. Dies hiess es aber jeden Tag wieder, die Strasse blieb aber unbefahrbar. Ich gab mir noch 2 Tage und würde dann irgendwohin weiter – mein Onkel wusste ja nichts von meinem Kommen.
Am Folgetag erfuhr ich, dass auf dem Flugfeld ein komisches Flugzeug stehe, das nach La Paz fliege. Ich ging hin und entdeckte, ein grosses unförmiges Ding, eine Art Tiefkühl-Flugzeug, das gefrorene Rinderhälften transportierte. $20 halfen, den Piloten zu überreden, mich bis San Borja mitzunehmen, etwas über 200 km. Da aber die Mini-Pilotenkabine nur einen Sitzplatz hatte, musste ich im Tiefkühl-Bauch einsteigen, im Dunkel zwischen den Rinderhälften. Einstieg von 42 Grad schwüler Hitze in -20 Grad - ich hatte alle meine Kleider angezogen und bewegte mich ununterbrochen – Ausstieg aus der Kälte in 45 Grad und 100% Luftfeuchtigkeit – welch ein Schock !
Dann machte ich mich auf den Weg zum Pfarrhaus von San Borja, klopfte dort an und war froh, dass mein Onkel das freudige und überraschende Wiedersehen ohne Herzschlag überlebte. Ich blieb 2 Wochen in San Borja und entdeckte, was er als Missionar dort leistete, insbesondere Aufbau und Betrieb von Schulen in der ganzen Umgebung. Oft träumte ich von einem grossen Kühlschrank, um dieser unerträglich schwülen Hitze kurz zu entfliehen.

Und dann machte ich mich auf den Weg nach La Paz, etwa 600 km und geplante 20 Stunden, in einem recht klapprigen Bus. Nach etwa 2/3 der Strecke gab’s eine längere Pause, essen, etwas schlafen. Und dann begann die Strecke bergauf. Kaum 2 Stunden später brach das Differential des Busses. Die Passagiere, etwa 20 Personen, stiegen aus und schlugen sich in die Büsche abseits der Strasse. Der Busfahrer kroch unter den Bus, baute das Differential aus, hielt ein vorbeifahrendes Motorrad an, setzte sich mit dem Differential drauf und brauste davon. Wir warteten etwa 4 Stunden und freuten uns dann sehr über die Rückkehr des Fahrers mit dem geflickten und geschweissten Differential. Er kroch wieder unter den Bus und schaffte die Operation mit seinen primitiven Werkzeugen. Wir stiegen ein und weiter ging’s.

Die Strasse war wirklich abenteuerlich, in einer sagenhaft schönen Berglandschaft, schmal, eng, ungeteert, teilweise schlammig wegen der herunterstürzenden Bergbäche, mit steilen Bergwänden auf der einen und atemraubenden und ungeschützten Tiefen auf der anderen Seite. Und dann gab’s das Kreuzen, meist mit riesigen antiken Lastwagen, total überladen, mit überladenem Anhänger und darauf viele Leute, die diese billige Fahrgelegenheit nutzten. Die Regel, geschrieben auf einer Tafel an beiden Enden der Strasse, lautet, dass das hochfahrende Fahrzeug Vortritt geniesst. Dies bedeutet, dass das runterfahrende Fahrzeug rückwärts zu einer etwas breiteren Stelle kriechen muss, wo das Kreuzen etwas möglicher ist – dies betraf die oben beschriebenen überladenen Lastwagen ! ein Horror !
Mehrmals stiegen wir Passagiere aus und marschierten am Strassenrand voraus. Dadurch war es unserem Fahrer möglich, klein beizugeben und rückwärts zu rollen und somit das Kreuzen auf realistischere Weise zu ermöglichen – und dabei trotzdem sein Gesicht vor seinen Kunden zu bewahren.
So gelangten wir nach einer endlosen und strapaziösen Reise nach La Paz.

Diese Strasse wird also auf ARTE am Samstag gezeigt.
Sucht mal in Google nach "yungas-strasse bolivien" und ruft Bilder auf, da habt ihr einen kleine Vorgeschmack!


Jean-Pierre Guenter

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Jean-Pierre Guenter
Letzte Änderung: von jipégé.

auf ARTE : Die Yungas-Strasse in Bolivien 16 Aug 2019 17:29 #2

Lieber jipégé,
beim Lesen Deines Berichtes über Deine Erlebnisse auf diesen furchterregenden Strassen trieb es mir förmlich den Schweiss ins Gesicht und gleichzeitig ging ein kalter Schauer den Rücken runter. Wie bei einem Alptraum. Dann ist man nach dem Erwachen froh, dass das eben Erlebte nur ein Traum war. Hier handelt es sich aber keineswegs um einen Alptraum, sondern um ein echtes Abenteuer. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Du diesen Erlebnissen nachtrauerst.
Liebe Grüsse Gerd

Gerd

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Gerd

auf ARTE : Die Yungas-Strasse in Bolivien 16 Aug 2019 22:44 #3

  • jipégé
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  • Beiträge: 4648
Viele Jahre später war ich mit Christiane wieder unterwegs, nach unserer Pensionierung, mehrere Monate, von Chile nach Norden, durch Peru und rauf zum Titicacasee. Und ich plante, von dort dem See entlang nach Bolivien zu fahren und diese Strasse runter zu fahren, in die Yungas. Christiane war einverstanden und ich freute mich.
Am Titicacasee beschlossen wir aber spontan, nachts um 2 Uhr, uns auf den Rückweg zu machen. Dieser Rückweg dauerte aber noch über eine Monat, aber die Strasse in die Yungas war nicht mehr im Programm, sondern wir fuhren durch Peru, über die Anden, durch Argentinien, wieder nach Chile.


Jean-Pierre Guenter

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Jean-Pierre Guenter
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