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13.04.2015 -- Fritz Vollenweider / vw

Schätze im verschlossenen Zaubergarten

Meret Meyer Scapa feiert am 2. April den 85. Geburtstag und erlaubt den Blick auf ihr 60-jähriges Kunstschaffen


Wir gratulieren ihr mit stiller Bewunderung angesichts der wenigen Schätze ihres Werks. Anderen ist es vergönnt, mit Worten zu gratulieren. An der Eröffnung ihrer Ausstellung selbstverständlich dem Direktor des Kunstmuseums und Kurator der Ausstellung, Matthias Frehner. Herzliche Worte richten auch der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät und die Freundin, Künstlerin und Kunsthistorikerin Verena Immenhauser an die zu feiernde Jubilarin. Jugendfreund Dimitri, der kleine grosse Clown, und Gatte Ted Scapa finden die am meisten berührenden und wärmsten Worte und Gedanken, um dieser Frau und Künstlerin nicht nur Glück zum Geburtstag zu wünschen, sondern auch von ihrem Leben und ihrem Werk zu sprechen, welchem sie sich während rund sechzig Jahren unermüdlich gewidmet hatte. In vollkommener Konzentration auf die eigenen Ressourcen und Anregungen weigerte sie sich, ihr Schaffen durch eine Ausstellung der öffentlichen Auseinandersetzung zugänglich zu machen. (Ausnahme: 1988 in der Zürcher Galerie von Severina Teucher Sanchez).

 

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Meret Meyer Scapa, Tanz

Dem Vernehmen nach hat sie nur ungern eingewilligt, das Geburtstagsgeschenk ihres Gatten und ihrer Tochter Tessa anzunehmen: Eine Ausstellung ihrer Werke im Kunstmuseum Bern, zusammen mit der Monografie „Meret Meyer Scapa. Ein Leben für die Kunst“. Sie hat damit nicht nur ihrer Familie und ihren engen Freunden Freude bereitet, sondern auch einigen mehr oder weniger nahe stehenden Kunstfreunden und Zeitgenossen des geistigen und künstlerischen Lebens der letzten 60 Jahre in Bern. Die Worte der Gratulanten, allerdings auch das Lesen des Buchs, hat manche Erinnerung an eine schöpferische Zeit mit charakteristischen und bedeutenden Personen wieder erweckt – Harald Szeemann, Mary Wigmann, Beatrice Tschumi, Daniel Spoerri, Paul Klee, Hans Itten, Victor Surbeck, Otto Nebel ... um nur zufällig wenige Namen zu nennen.

Meret Meyer Scapa ist eine vielseitige Künstlerin. Begonnen hat es mit dem Tanz. Öffentliche Anerkennung als Tänzerin und Performerin hat sie von Beginn an gefunden. Der intellektuelle Austausch mit Freundinnen und Freunden der Szene fand da auch statt. Anders verhält es sich mit ihrem bildnerischen Gesamtwerk als Malerin, Zeichnerin, Plastikerin. In einem eingefriedeten Zaubergarten, dem „Hortus Conclusus“ ihrer Kunst, entsteht es in bedingungslos eigenständiger Selbstverwirklichung während rund 60 Jahren unter Ausschluss jeder öffentlichen Auseinandersetzung. Von namhaften Vorbildern eine solide künstlerische Ausbildung erfahren. Die Beschäftigung mit Kunst der Aborigines und Inuits und mit ozeanischer und afrikanischer Stammeskunst vermittelt ihr reiche, vielfältige Anregungen. Ihr Werk ist entsteht jedoch in einer Art von aktiv schaffender Selbstisolation, die man sich auch meditativ vorstellen kann. Von der Wahl des Gegenstands über das Erschaffen des Kunstwerks bis zu dessen Vollendung läuft ein intimer Prozess ab. Er entzieht sich dem mitwirkenden Einfluss eines möglichen Dialogs. Dieser Art des Umgangs mit dem eigenen künstlerischen Schaffen mag

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Meret Meyer Scapa, Blumenwiese vor blauem Grund,
Öl auf Leinwand, 59,5 x 49 cm

 

 

es zu verdanken sein, dass Merets Bilder so unmittelbar persönlich wirken. Zwar ist der surrealistische Stil unverkennbar, doch in einer Form und Stärke des Ausdrucks, die von persönlicher Suche, Entwicklung und Vollendung zeugt. Da blühen farbige Pflanzen aus dem Dunkel des Unbewussten, aus dem Urgrund allen kreativen Lebens, und gleichzeitig säumen erdachte oder abgewandelte Fabelwesen die Gegenstände. Manchmal in einer unwirklich klaren und doch blass wirkenden Farbe, manchmal verfremdet wieder ins Dunkle verschwindend. Faszinierend, wie bei aller märchenhaft anmutenden Verwendung von symbolträchtigen Hauptmotiven – der Dschungel, der Palast im Urwald, die Wege dazu oder davon weg (was nicht immer eindeutig zu unterscheiden ist) – immer wieder Elemente des gegenständlichen Raums einbezogen werden; flüchtig, andeutungsweise nur, manchmal.

 

Von den total 27 Exponaten stehen deren drei als Plastiken aus Ton im Raum, eine flache Tonplastik befindet sich an der Wand. Es sind eine fröhlich wirkende Schale mit Äpfeln „zum Anfassen“, eine grosse Amphorenform mit einem Reichtum an unzähligen pittoresken Kleinigkeiten und zwei Vasen, deren Fertigung ebenfalls von einer köstlichen spielerischen Ironie zeugt.

 

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Meret Meyer Scapa mit Ted Scapa. Foto: Tessa Scapa

Nur ein schmaler Spalt öffnet sich der Sicht auf das Schaffen von Meret Meyer Scapa mit dieser Ausstellung. Man darf sich auf weitere Blicke in Merets Zaubergarten freuen. Bis es wieder einmal so weit sein wird, bietet die gleichzeitig erschienene Publikation mit ihrer Fülle an grossen Abbildungen eine begeisternde weiterführende Dokumentation. Felix Baumann, Matthias Frehner, Guido Magnaguagno, Roy Oppenheim, Franziska Räz haben Beiträge geschrieben, Scapa und tatort.be zeichnen für die Gestaltung. (144 Seiten, Parlevent Verlag Bern, Fr. 48, Im Kunstmuseum erhältlich.

 

cid ii 14cadfbe22468581Meret Meyer Scapa, Landschaft mit Fabelwesen auf goldenem Ei. Öl auf Leinwand, 99,5 x 149 cm

 

Noch bis 3. Mai 2015

Bilder: Alle Rechte Kunstmuseum Bern

Meret Meyer Scapa im Kunstmuseum Bern