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15.04.2015 -- Fritz Vollenweider / wv

Im Alter eher schwieriger...

...wird die Liebe. Man möchte doch zusammen kommen – und dann mischt sich das Leben ein.


 

„...und nichts zu suchen, das war mein Sinn...“. Doch da begegnet Rolf, der bisher recht einsame Rentner, zufällig der Frau, die seine Psyche aufrührt oder auch –schüttelt. Es sind nicht nur die Hormone, die erwachen, sondern auch Erinnerungen, melancholische Anflüge aus vergangener Zeit, die Sehnsucht, nicht mehr allein sein müssen... Weiss wer, was auch noch. Jedenfalls wird die kommunikative Kompetenz wach, mag sie auch durch bisher langweilig und einförmig durchlebte Jahre verschüttet gewesen sein. Und weil wohl jeder von so was Betroffene selber annimmt, in alten Jahren nur noch wenig Zeit zu haben, jedoch gar nichts mehr zu verlieren, erwachen alle gesprächstechnischen Schliche und Finten, um die eher unterkühlt sich gebende Einmalige in emotionale und auch räumliche Nähe zu bekommen.

Vergnüglich anzuhören sind diese herrlich zelebrierten Gewinnungsversuche von Rolf (Hans-Peter Riesen). Wenn er auch auf Renommier- und Fabulierstrategien seiner jungen Jahre zurückzugreifen scheint, wendet er diese jetzt im Alter viel unbekümmerter und direkter an, ohne Rücksicht auf Verluste, grossmäulig und, wo angezeigt, auch wieder ein wenig kleinlaut oder gar devot. Cloé, die Angebetene (Marianne Tschirren), steht ihm in nichts nach. Ihre anfänglich recht gespreizte Abwehr äussert sie jedoch mit etwas weniger gestelzten Worten, dafür mit einem belustigenden Imponiergehabe als überlegene Dame. Die mit mimischen und gestischen Elementen gespickte Ablehnung der Anmache, wie sie anfänglich sagt, verwandelt sich sichtbar von Mal zu Mal in maskenhafte Hülle – bis sie schliesslich fällt.

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Hans-Peter Riesen, Marianne Tschirren, Nelly Kempter (von links)

Witz der Sache ist, dass sie vor allem in der Nähe einer Hundetoilette abläuft, wo Hunde (durchaus auch eine Rolle) spielen. Dennoch kommt Rolf, der sich eher nichts aus diesen Haustieren macht, nicht gerade auf den Hund.

 

Da ist noch Rosmarie, genannt Rosie, Rolfs Schwester. Nelly Kempter stellt sie in Sprache, Haltung und Bewegung lebensnah dar, überzeugend und wirkungsvoll. Meistens ruft sie Rolf auf seiner Parkbank, wo er auf Cloé hoffend wartet, zum Essen. Schon jahrelang besorgt die Einsame, Verlassene den gemeinsamen Haushalt. Sie fühlt sich auch auf eher penetrant lästige Weise für ihren Bruder verantwortlich. Leider übt sie auch eine für seine und Cloés schliesslich stark positiv keimende Liebe unheilvolle Funktion aus. Vielleicht ein wenig aus Eifersucht bringt sie das echte Leben ins Spiel, das sich weder durch starke Gefühle noch durch Schwindeleien ausbremsen lässt.

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Das Stück von Joe DiPietro breitet unterhaltsame Themen, Gedanken und Situationen aus, mit dramatisch nicht in allen Einzelheiten überzeugender Konsequenz, doch mit viel Sinn für ironische, gewandte und beredsame Dialoge. Neben deren Unterhaltungswert finden auch zarte Gefühle und sogar eine gewisse Melancholie in manchen Abwandlungen ihren Platz. Christiane Wagners Inszenierung deckt diese Spuren sorgfältig auf und zeigt einen unterhaltsamen Ablauf von Verliebtheit zu Liebe und wie sie vom Leben geheilt wird. Ob das endgültig sein wird, bleibt zu Recht ein wenig offen.

Alle Bilder: © z-arts.ch

Vorstellungen bis 10. Mai 2015 jeweils Mittwoch bis Sonntag

Theater Matte Bern

Noch einmal verliebt