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08.05.2015 -- Bernhard Schindler / wv

Europa hört am Bankschalter auf

Postfach musste Gemischtwarenladen weichen und Euro-Konto bei der Kantonalbank


Postfach musste Gemischtwarenladen weichen

Zuerst die Geschichte mit dem Postwaren-Sortiment. Bekanntlich vertreibt heute die Post alles, was einen Preis hat: Zeltli, i-phones, Glückwunschkarten, Autobahnvignetten, allerhand software für den home-Computer und einige Postfilialen sogar Heftli und vieles mehr. Wer ein grösseres Postamt etwa in Zofingen betritt, stellt sich angesichts des Angebots automatisch die Frage, ob man in diesem Gemischtwarenladen auch noch seine Rechnungen begleichen und Briefe aufgeben kann?

Gestern auf unserem noch auf das Notwendigste reduzierten Postamt, lässt sich ein Postkunde beraten, wie er zu seinen Päckli kommen kann, die er sich ab und zu bei e-bay oder einem Versandhaus bestellt. Er lebt allein, ist beruflich täglich unterwegs, kommt meist abends spät nach Hause und kann sein avisiertes Päckli nicht abholen, denn am andern Morgen ist er schon vor Postöffnung wieder fort.

 „Früher ging das“, sagt er am Schalter. "Auch wenn ich erst nach zwei Wochen vorbeischaute, wartete das Paket noch immer im hinteren Postzimmer.“

„Das dürfen wir jetzt nicht mehr“, sagt die Postverwalterin. Wenn Sie in Urlaub sind und einen Antrag stellen, kann ich die Rücksendung an den Absender noch einige Tage hinausschieben. Das kostet aber eine Gebühr!“

„Geld spielt da keine Rolle“, sagte er. Ich möchte einfach eine Möglichkeit haben, dass mich an mich geschickte Post auch erreicht! Kann ich nicht ein ganzes Jahr in Urlaub sein und meine Post abholen, wenn ich dafür Zeit habe?

Nein, das geht nicht. - Verärgert geht der Mann. Wie ich mit meinem Brief dran bin, frage ich: „Wäre das jetzt nicht ein Fall für ein Postfach, das der Herr dann öffnet, wenn es ihm passt?“

Aber auch ich habe keine Chance. Die grossen Postfächer, die gleich mehrere Pakete aufnehmen konnten, gibt es nicht mehr…

 

Euro-Konto bei der Kantonalbank

Heute vor 70 Jahren ging in Europa der Krieg zu Ende. Seither haben wir Frieden, in Europa. Und den Euro. Das heisst: Nicht wir haben den Euro, wir verlieren nur daran. Es sei denn, dass wir im Ausland einkaufen. Seit wir im Schwarzwald ein Ferienhäuschen besessen haben, bin ich Client eines Zahnarzts in Deutsch-Rheinfelden. Als wir das Häuschen verkauften, sah ich keinen Grund, mir einen neuen Schweizer Zahnarzt zu besorgen, mein letzter war unterdessen gestorben.

Nun habe ich vom deutschen Zahnarzt eine Rechnung für meine letzte Behandlung erhalten, die ich freundlicherweise auf ein Euro-Konto bei der Aargauischen Kantonalbank einbezahlen darf. Der Betrag lautet auf 117.03 Euro. Diesen Betrag wollte ich ebenfalls gestern bei der Kantonalbank in Zofingen in Euro berappen. Nun hat aber die Kantonalbank ein euro-päisches Problem: Sie nimmt kein Euro-Münz an, sondern nur Euro-Noten. Mir blieb nichts anderes übrig, als „nur“ 115 Euro einzuzahlen (dank eines 5-Euro-Scheins – ein Euro-5-liber wäre nicht gegangen) und den Zahnarzt zu vertrösten: „Restbetrag von 2.03 Euro bei meiner nächsten Visite in bar!"

Euro-Geld: 5 Euro Note wird von der AKB angenommen. 2 Euro 3 Cent (Münz) akzeptiert die Bank nicht.

Bild aus Bernhard Schindlers Portmonnaie (BS)

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