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30.12.2050 -- Willy Vogelsang / wv

Schwarzwaldmädel im Emmental

Auf der Moosegg spielt sich die Comedy-Operette "Schwarzwaldmädel" nach L. Jessel ab. Wirre Liebesgeschichten mit hoch qualifizierten Solisten und Schauspielern garantieren einen genussvollen Abend.


Wenn Frauen wählen dürfen, zieht mancher Mann den kürzeren! Das ist nicht nur beim Tanz so. Es zerbrechen dabei Träume und Erwartungen. Oft führen sie zu Machtkämpfen, zu Wirrungen und Irrungen. Die Freilichtspiele Moosegg stehen 2019 ganz im Zeichen des Emmentals sowie der guten Unterhaltung und des Humors. Sie führen den Besuchern der etwas versteckten Waldbühne in einem rasanten Tempo mit viel Bewegung, scharmantem Wortwitz, fröhlich farbigen Trachten mit entsprechenden Hüten eine Komödie vor, die prächtig in die ländliche Natur passt.

 

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Bild: WV9777

Zu meiner Überraschung nahm der Produktionsleiter Yves Ulrich über das Kontaktformular im Schaufenster von SeniorBern mit mir Verbindung auf und lud mich zur Probe vom 16. Juni ein. Vermutlich ist da Fritz Vollenweider nicht ganz unschuldig, ist er doch dem Regisseur, Simon Burkhalter, bekannt. In der Theaterwelt kennt man sich.

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Bild WV, Regisseur Simon Burkhalter

Yves Ulrich schreibt: "Nach dem Erfolg von «der Vetter aus Dingsda» auf der Moosegg werden wir auch im Sommer 2019 wieder eine gekürzte schwungvolle Comedy-Operette auf die Bühne bringen. 2019 ist dies die Operette „Schwarzwaldmädel“, deren Lieder mehr als nur Ohrwurmqualität beweisen und vor allem durch ihren Wortwitz begeistern. Was im ersten Moment nicht nach Emmental klingt wird von Domenico Blass jedoch so geschickt in eine Comedy-Operette umgeschrieben, dass die Geschichte im Emmental auf der Moosegg stattfindet und es trotzdem am Ende ganz im Sinne des Originals ein Schwarzwaldmädel gibt.

Wie bereits 2018 wird auch dieses Jahr die Operette auf ca. 100 Minuten runtergekürzt und durch eine schwungvolle Inszenierung zu einem kurzweiligen und leichten Theatererlebnis. Professionelle Opernsänger, Schauspieler und ein grosser Chor werden in der Produktion dieses Stück in einer aktualisierten, witzigen Form wieder zum Leben erwecken."

Ich fuhr also schon am Nachmittag über Biglen, Arni auf die Moosegg. Die herrliche Aussicht kannte ich schon von früheren Besuchen des Gasthofs "Waldhäusern", 10 Minuten vom Spielort entfernt. Das Restaurant des Hotel Moosegg ist am Sonntag ab 16 Uhr und am Montag geschlossen; deshalb genehmigte ich mir ein leichtes Abendessen auf der Terrasse des "Waldhäusern". Die Sicht auf die Alpen war leider mit Wolken verhangen.

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Bild WV9721

Bei einer kleinen Erkundung in der Waldbühne wurde ich vom Projektleiter persönlich begrüsst. Er hatte einen Besen in der Hand und reinigte die Tribüne von allem, was am Vortag beim Gewittersturm von den Tannen und Bäumen herunter geweht - oder bei den Proben an Flaschen stehen gelassen wurde. Die Bühne selbst muss jeweils mit dem Staubsauger behandelt werden, da die Bretter mit einem grünen Textilrasen überzogen sind. Der einfache Aufbau (Bühnenbild: Fredi Stettler) wirkt übrigens sehr ruhig und gibt so einen ausgezeichneten Untergrund zur farbigen Ausstattung der Spieler (Kostüme: Renate Tschabold).

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Bild WV9723

Ein letzte Probe war angesagt. Ein Durchlauf ohne Pause und ohne eine einzige Unterbrechung von der Regie her. Ich wählte mir einen Platz im Mittelfeld der 300 Sitze, so dass ich meine Beine in den Gang stellen konnte. Die Reihen sind recht eng. Übrigens zählte ich einige junge und zwei ältere Gäste und etwas verwundert, vor mir wohl eine einzige weitere Pressevertreterin.

Fotografieren ist erlaubt, aber ohne Blitz. Schirme aufspannen lieber nicht, auch wenn es blitzt und regnen sollte. Die Szene wird gut ausgeleuchtet und ich konnte mit meiner kleinen Kompakten relativ gute Aufnahmen machen. Die Pressebilder auf der Webseite sind vom Fotografen Simon Schwab an einer Probe bei Tage erstellt und selbstverständlich erstklassig!

Für die musikalische Untermalung der Gesangsstücke sorgt diskret in einer Nische im Hintergrund der Bühne der musikalische Leiter Bruno Leuschner auf einem Keyboard. Der Chor besteht aus ausgezeichneten Sängerinnen und Sängern aus der Region.

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Bild WV9747

Mit dem behutsamen Auftritt von Barbara (Bärbel Doniat), der armen unauffälligen Magd im "Bären" beginnt die eigentliche Protagonistin ihre tragische Hauptrolle - die, weil es ja eine Komödie ist, mit einem Happy enden wird!

Die Wirrungen und Irrungen bahnen sich an mit dem Auftritt der verführerischen Schwarzwälderin Regine (Flurina Ruoss), die mit listiger Koketterie mit zwei Wanderhandwerkern, dem Torsten und dem Klaus (Arndt Krüger und Manuel König) flirtet.

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Bild WV9741

Die Sprechszenen sind auf der Tribüne gut zu verstehen, oft klingt es Hochdeutsch - also nicht Schwäbisch! und natürlich auch Berndeutsch, wenn auch nicht so behäbig, wie gewohnt. Der nicht mehr ganz junge Chorleiter Luzius Gerber (Erwin Hurni) und die ehrwürdige Bärewirtin Trudi (Anita Mani-Luginbühl) etwa lassen manchen Spruch fallen, der die Lachmuskeln weckt.

Welche Rolle eigentlich Gerbers schöne Tochter Sophie (Letitia Kahraman) mit ihrem Hündchen Candy beim ganzen Chaos spielt, hat sich mir nicht erschlossen. Aber ich nahm sie oft in den Fokus!

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Mitten im Geschehen um den Tanz zum Cäcilienfest kommt auch noch ein Zufallsbesucher in Wanderkleidung. Er stellt sich als Blickenstorfer vor (Martin Schnurr) und spricht so ähnlich wie ein Zürcher. Er mischelt mit seinen komischen Einlagen kräftig mit bei den Auseinandersetzungen der Gesellschaft, die entsteht, weil eben zu diesem Tanz traditionell Damenwahl angesagt wird. Wie schon angesprochen, entstehen dadurch halt Enttäuschungen und Machtkämpfe, die im Stück ausarten bis zum allgemeinen Gerangel - so etwa wie im "Leue z'Nottiswil". Gelungen ist hier auch das Ende dieser Schlacht - in Zeitlupe!

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IMG 9351 Simon Schwab

Zwei Bilder von Simon Schwab

Jede Sprechszene wird jeweils durch das Solistenquartett (Stefanie Frei, Selina Battiger, Fabian Meinen, Simon Noah Langenegger) oder mit dem Chor mit viel Bewegung (Choreografie Nora Bichsel) abgelöst. Dabei sind einige Tenüwechsel vorgesehen, die vor der Probe vom Regisseur noch mit der Stoppuhr geprüft wurden.

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Bild WV9752 Der Chor im Tenü "Blaumann"

Bis zum Schluss bleibt jedoch Barbara, das Emmentaler Dienstmädchen, allein mit ihren Träumen und Wünschen und steht oft einsam neben der Gesellschaft. Aber der Chorleiter Luzius Gerber, der ihr Beistand ist, hat eine gute Nachricht - von der KESB natürlich, dass . . . .

Ja, das darf ich ja wohl hier nicht verraten, sonst wird es ja nur noch halb so spannend. Das Mitgefühl für die zierliche bescheidene Magd soll durch das Happyend nicht einfach abgebrochen und abgelöst werden durch den Gedanken, was nun mit ihr geschehen wird.

Aber jedenfalls werden jetzt die Lebenswege und Beziehungen klarer und sie wird künftig eben ein Schwarzwaldmädel.

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Bild WV9801

Diese Beiden haben sich gefunden. Die Liaison wird besungen und gefeiert. Über der Tribüne trällert eine Amsel ihr Abendlied in den dunkelblauen Nachthimmel.

 

Freilichtspiele Moosegg, Schwarzwaldmädel, 19.06. - 29.06. 2019

Flyer und nähere Informationen und Pressebilder siehe

https://www.freilichtspielemoosegg.ch/schwarzwaldmaedel/

Unter dem Register Vorverkauf ist die Belegung am gewünschten Datum angezeigt und die freien Plätze können online gebucht werden. Ein Shuttle-Dienst wird auf Voranmeldung angeboten. Parkplätze stehen in der Nähe zur Verfügung.

Beachtenswert ist natürlich auch die nächste Produktion "Chachelihannes", frei nach J. Gotthelf, u.a. mit Marc "Cuco" Dietrich!
Ab 05.07. - 17.08. 2019

Fotos Willy Vogelsang, Simon Schwab