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17.08.2019 -- Fritz Vollenweider / wv

Saisonbeginn in der Matte und im «EFFI»

Am 7. September beginnt im Theater Matte die 10. Spielzeit mit einem grossen Fest, am 24. August eröffnet DAS THEATER an der Effingerstrasse die 24. Saison


Wer das Gigantische weniger attraktiv findet als das Nahe und eher Kleine, findet in unseren beiden typisch bernischen Theatern die zusagende Atmosphäre. Jedes von ihnen hat ihren ganz besonderen Charme und damit auch seine spezielle Wirkung und Ausstrahlung.

Gemeinsam ist beiden Bühnen, dass es ihnen gelungen ist, eine echt bernische Tradition weiterzuführen und auch weiter zu entwickeln. In unserer Jugendzeit war Bern berühmt durch die vielen Kellertheater in der Altstadt. Im «Bund», wenn ich mich recht erinnere, schrieb man damals einmal von den Orten, wo Berns kulturell interessierte «Katakombenjugend» jeweils anzutreffen sei.

 

DAS THEATER an der Effingerstrasse

Es ist aus einer mutigen «Dennoch» - Aktion entstanden, damals, als dem bekannten und beliebten «Ateliertheater» durch die neue Konzeption der Berner Kulturpolitik die finanzielle Sicherheit entzogen wurde. Ernst Gosteli und Markus Keller haben mit einer grossen Durchsetzungskraft seit 1996 Schritt für Schritt aus kargen Anfängen mit kleinen Ensembles und etlichen Gastspielen beharrlich gearbeitet und sehen sich heute vom Erfolg gekrönt: Ihr Projekt ist zu einem weit herum anerkannten Spielort geworden. Das Markenzeichen des «EFFI», wie es von Insidern liebevoll genannt wird, ist Theater fürs Publikum; Theater, das sich hütet vor absurden oder zu spielerischen Verfälschungen und sich sowohl dem Werk als auch dessen Gehalt und Botschaft verpflichtet fühlt. Vor allem auch der Absicht, Schauspiel nicht als Selbstzweck zu betreiben, sondern zur Unterhaltung des Publikums und zum Schaffen von berührenden und anregenden Erlebnissen bei Zuschauerinnen und Zuschauern.

 Saisonbeginn Gloessner

Heidi Maria Glössner in der Saisoneröffnungs-Premiere vom kommenden 24. August (Bild: Severin Nowacki)

Die erste Produktion in Zusammenarbeit mit dem Vorarlberger Landestheater, «Das Jahr magischen Denkens» von Joan Didion, thematisiert Vorgänge und Verknüpfungen im Zusammenhang mit dem plötzlichen und unerwarteten Tod des Ehemannes. Das Stück basiert auf den Memoiren der Autorin. Es inszeniert Wolfgang Hagemann. Heidi Maria Glössner verkörpert in diesem Monodrama die Autorin Joan Didion. (24. August bis 20. September).

Es folgt «Einer flog über das Kuckucksnest», von Dale Wasserman. Das Stück dreht sich, auf einen einfachen Nenner gebracht, um die manipulativen Mechanismen von Überwachung und Strafen im Fall eines psychisch belasteten Straftäters. Inszenierung: Alexander Kratzer (28. September - 26. Oktober)

«Furor», von Lutz Hübner und Sarah Nemitz, Schweizer Erstaufführung, dreht sich um das Thema Schuld und Verantwortung im Aufeinanderstossen von verschiedenen gesellschaftlichen Schichten. Inszenierung: Stefan Meier (2. – 29. November).

«Ziemlich beste Freunde» ist auch aus dem Film bekannt und thematisiert das Verhältnis zwischen dem schwerreichen Querschnittgelähmten und seinem Pfleger, der aus dem kriminellen Milieu stammt. Inszenierung: Markus Keller (7. Dezember 2019 – 7. Januar 2020).

Es folgen weitere spannende Produktionen: «Die Erpressung», «Smith & Wesson», «Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel», «Die Verwandlung» (Franz Kafka) und zuletzt «Mondlicht und Magnolien». Alle Details und weitere Auskünfte finden sich hier.

 

Das Theater Matte

Das von Livia Anne Richard geschaffene «Theater Gurten» konnte vor zehn Jahren einen Teil der Räumlichkeiten des ehemaligen Kirchgemeindehauses in der Mattenenge übernehmen. Seither wird dort, im Theater Matte, auch unter der neuen Leitung von Corinne Thalmann (Künstlerische Leitung) und Markus Maria Enggist (Gesamtleitung), ein höchst professionelles Mundarttheater gespielt. Die Jubiläumssaison wird am Samstag, 7. September mit einem fulminanten Fest eingeläutet. Aus festlichem Anlass übersteigt das Gebotene den Umfang und die Qualität der Tradition gewordenen Feste am Ländtetor und in den Theaterräumlichkeiten. Die Einzelheiten des Programms erfährt man hier.

 Saison Theater Matte Bern

Corinne Thalmann, Künstlerische Leitung, Markus Maria Enggist, Theaterleitung (Bild Lea Moser)

Am 18. September dann startet die Theatersaison mit «Fünf Einakter von Tschechow» von Anton Tschechow, Dialektfassung: Corinne Thalmann, Inszenierung: Oliver Stein (bis 13. Oktober). Es folgen als Schweizer Erstaufführung «Die Berater», von Neil Fleming. Dialektfassung: Theo Schmid, Inszenierung: Marion Rothhaar (2. November bis 21. Dezember); «Frühherbst für Anfänger», von Manfred Schild, Schweizer Erstaufführung. Dialektfassung und Inszenierung Corinne Thalmann (27. Dezember bis 25. Januar 2020); «Arthur und Claire», von Stefan Vögel, Schweizer Erstaufführung. Dialektfassung und Inszenierung: Markus Maria Enggist (22. Februar bis 22. März 2020); «Die Maria und der Mohamed», von Folke Braband. Dialektfassung: Marianne Tschirren, Inszenierung: Renate Adam.

Ausserdem zeigt das Theater Matte wieder ein Kinderstück: «So ein Dingsda, da» mit Livia Franz und Markus Maria Enggist 9. November bis 21. Dezember) Am 31. März bis 5. April 2020 ist die Wiederaufnahme des Gemeinschaftswerks der Berner Troubadours zu sehen: «Kriminalgschicht».

Auch für das Theater Matte sind weitere Details der Webseite zu entnehmen: Theater Matte.