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14.02.2015 -- Bernhard Schindler / wv

Krieg löst keine Probleme, sondern schafft neue

Abschreckung kann Kriege verhindern, aber nur Diplomatie kann Konflikte entschärfen


Bild Clausewitz: Er studierte die Kriegskunst, aber er wollte sie nicht den Generälen überlassen.: Carl Philipp Gottlieb von Clausewitz, 1780 - 1831. Aus Wikipedia, gemalt von Karl Wilhelm Wach.

Wieder einmal scheinen wir einem vermeidbaren militärischen Konflikt untätig entgegenzueilen, wir sind nicht fähig, ihn entschlossen zu verhindern, dem Morden Einhalt zu gebieten, die Zivilbevölkerung zu schützen und die Gründe, die dazu geführt haben, zu analysieren und allfällige Miseren und Probleme friedlich zu lösen. Clausewitz hat behauptet, Krieg sei eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln – andererseits hat er aber in seinen Schriften zu verstehen gegeben, dass Krieg eine zu ernste Sache sei, als dass man ihn den Generälen überlassen dürfte.

Wie kommt es zum Krieg?

Einen Krieg zettelt man an, indem man die Wahrheit tötet und Gerüchte und Lügen verbreitet. Ein gespanntes Verhältnis zwischen zwei Lagern, zwischen Regierungstruppen und Rebellen, aber auch zwischen einst zusammenarbeitenden Staaten, führt dann zur Eskalation, wenn der Hass den Verstand aufweicht, wenn Rache ein höheres Ideal wird als Toleranz und Verzeihen.

Abschrecken: Der Eintrittspreis muss zu hoch sein

Lange vor dem Krieg kommt die Aufrüstung. Damit verdienen sich Rüstungsunternehmer goldene Nasen, die Konjunktur wird angekurbelt, das Geld wird umverteilt, von der Bildung zur Ausbildung von Soldaten, von der Wohlstandsbildung des Volkes zur Bereicherung kriegstreibender Politiker und Oligarchen. Wer Krieg führen will, muss mindestens auf einem Gebiet stärker sein als der Gegner. Wir Schweizer kennen das ja noch aus dem Zweiten Weltkrieg: Unsere Armee sollte von den Bergen aus (aus dem „Reduit“) mörderische Stiche führen gegen Besatzer, welche die praktisch nicht zu verteidigenden  Städte und Wirtschaftszentren erobern würden. Wenn sie schon die Schweiz vernichteten, dann sollen sie wenigstens dafür bezahlen!

Trotz abgeblasenem Kaltem Krieg, trotz europäischer Einigkeit, die sich nicht gegen Russland wenden wollte, haben die Grossmächte weiterhin ein Kernwaffen-Arsenal zur Verfügung, das mehrmals ausreichen könnte, sämtliches Leben auf der Erde zu vernichten. Um keinen grössenwahnsinnigen Diktatoren, keinen Terroristen, aber auch keinen nationalen Streitkräften die Chance zu geben, die Gegner mit einem Erstschlag zu vernichten, braucht es eine starke Politik, gewissenhafte Verwalter mehr als Kriegsgurgeln, und Völker, die nicht bereit sind, aus irgend einem nebulösen Hass auf einander zu schiessen.

 

Die grösste Gefahr eines möglicherweise glimmenden Krieges sind nicht die Waffen und auch nicht die Bereitschaft der Militärs, sie einzusetzen. Eine latente Gefahr lauert darin, dass sich Politiker nicht ernst genommen fühlen, unter ihrer politischen und körperlichen Kleinheit leiden, die vermuten, nicht auf Augenhöhe ihrer wichtigsten Gegner zu stehen.

Wenn der Krieg in der Ukraine noch verhindert werden kann, dann nur durch Respekt der „Mächtigen“ voreinander.

Ich bin kein Pazifist

Nein, ich bin keiner, der die andere Backe hinstreckt, wenn ich auf die erste geschlagen worden bin. Ich bin mir bewusst, dass der Zweite Weltkrieg anders verlaufen wäre, wenn Premier Neville Chamberlain nach der Konferenz von München (1938) nicht geglaubt hätte, "we have peace for our time!" - Ich bin auch überzeugt, dass die islamistischen Terroristen aufs Schärfste bekämpft werden müssen. So wie Engländer und Amerikaner, und später Stalins UdSSR sowie die wiederaufgebauten französischen Streitkräfte de Gaulles Europa vor der Hitlerei und dem Kommunismus gerettet haben, so brauchen  wir heute Armeen der verschiedensten Länder und aus mehreren Glaubensbekenntnissen, um diese Verbrecher nachhaltig zu bremsen und wenn nötig zu vernichten. Aber wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben: Unruhen unter den Völkern, Kriege zwischen Staaten, Terrorismus gegen die Zivilisation wird es immer geben, auch wenn sie keine Probleme lösen.

Dabei hätten wir so viele andere Aufgaben, die endlich – auch im Sinne der heute Unterdrückten – gelöst werden müssten. Ohne eine andere Energiepolitik, ohne eine sorgsamere Bewirtschaftung der Ressourcen, ohne mehr Toleranz gegenüber dem Fremden, dem Exotischen, wird es immer Menschen geben, die benachteiligt sind und eine Gefahr für die gesättigten Erstweltstaaten darstellen, wenn sie am Verhungern sind.

Um nochmals auf Carl Philipp Gottlieb von Clausewitz (1780 – 1831) zurückzukommen: Der Stratege und Feldherr hat erkannt, dass Kriege nur dann sinnreich sein könnten, wenn sie mit der totalen Kapitulation des Gegners enden. Die Ressentiments aber, auch das hat Clausewitz eingesehen, der Hass und die Demütigung, die bei den Überlebenden wachsen, werden in absehbarer Zeit neue Konflikte hervorrufen.

Krieg löst keine, aber schafft neue Konflikte!