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07.03.2015 -- Bernhard Schindler / wv

8. März, Internationaler Tag der Frau

Respekt vor einem leider heute immer noch minder geachteten Geschlecht


Wer hat uns erzogen, dafür gesorgt, dass „etwas Rechtes“ aus uns geworden  ist? – Unsere Mama.

Wer hat uns, den Meitli wie den Buben, ihre ganze Liebe geschenkt? - Unsere Mütter.

Glückliche Mütter sonnen sich in der Gesellschaft im Glanz ihrer Kinder, allein erziehende Mütter sind meist auf sich selber und bestenfalls ihre Verwandten angewiesen und schlagen sich mit Jugendamt, Sozialamt, der Fürsorge und der Arbeitslosenkasse herum. Sie müssen sich sagen lassen, sie hätten gescheiter den trinkenden Erzeuger ihrer Kinder nicht verlassen, hätten lieber ihre blauen Flecken ertragen als den rücksichtslosen Partner zur Wohnung hinaus zu werfen.

100 Jahre Internationaler Tag der Frauen

640px-Frauentag 1914 Heraus mit dem FrauenwahlrechtVor rund hundert Jahren haben sozialistische deutsche Frauen den Grundstein zum „Internationalen Tag der Frauen“ gelegt. Sie wollten am 8. März aufmerksam machen auf die Ungleichbehandlung von Mann und Frau, sie prangerten an, dass sie nicht nur von den Männern, sondern auch von den Behörden im Stich gelassen wurden. Frauen hatten keine Rechte. Sie mussten ihren Mann fragen, wenn sie Geld vom eingebrachten Frauengut von der Bank abholen wollten. Abtreibung war ein Verbrechen, und das ungeborene Kind hatte mehr Rechte, als später dann der geborene Mensch ein ganzes Leben lang.

Wir haben in der Schweiz auf eidgenössischer Ebene das gemeinsame Stimm- und Wahlrecht für Mann und Frau seit 1971. Nochmals fast zwanzig Jahre dauerte es, dass auch die letzten Gemeinden im Kanton Graubünden (sie wehrten sich mit dem Argument, sie hätten zu wenig Platz an den Gemeindeversammlungen) die Frauen an die „Gmeind“ zuliessen. Erst 1990 wurde das Frauenstimmrecht auch im Kanton Appenzell Innerrhoden eingeführt. Hauptargument der Gegner war der Satz über die Wehrpflicht „aller Schweizer“ in der Bundesverfassung. Weil Frauen nicht militärdienstpflichtig waren, galten sie als Bürger zweiter Klasse. Weniger Pflichten – folglich auch weniger Rechte!

In den fast 50 Jahren, seit Frauen in der Schweiz politisch gleichberechtigt sind, haben sich die Rechte der Frauen bezüglich Erb- und Kinderrecht, bezüglich Familienrecht und Mitbestimmung der Ehefrauen in geschäftlichen Belangen ihrer patronalen Ehemänner gewaltig verbessert. Frauen sind gleichberechtigte Mieter einer Wohnung, Eheleute dürfen nicht allein die Wohnung kündigen, die Kündigung durch den Hausbesitzer gilt nur, wenn sie beiden Mietern zugestellt wurde. Immer noch gibt es eine Diskriminierung am Arbeitsplatz, wenn Frauen, welche die gleiche Arbeit leisten wie die Männer, weniger Lohn dafür erhalten als ihre Kollegen. Eine internationale Vereinbarung zum Schutz der Frau vor Diskriminierung existiert erst seit 1994, ein Zusatzprotokoll von 2014 wurde von 144 Staaten weltweit unterzeichnet. – Was leider noch immer nicht befriedigend gelöst wird, ist die körperliche Gewalt von Männern gegenüber ihren Frauen oder Partnerinnen. Zwar gibt es Frauenhäuser, in denen sich geschlagene Frauen während einiger Wochen vor ihren Peinigern verstecken können.

 

Frauen brauchen mehr Kinder-Tageskrippen!

Und schliesslich sorgen viel zu wenig Kinder-Tageskrippen dafür, dass verheiratete Frauen auch einer gut bezahlten Arbeit nachgehen könnten. Warum ergreift hier die Privatindustrie nicht die Gelegenheit, nach der Baby-Pause wieder qualifizierte Frauen zurückzugewinnen? Ich verstehe, dass sich auch ein Gross-Migros noch keine Tagesstätte für Kinder leisten kann. Aber wenn sich Coop, Manor und Migros zum Beispiel in Brugg zusammentäten?

Die Frauen  verdanken ihre relative Sicherheit in unserer Zeit nicht zuletzt den feministischen „Umtrieben“ des letzten Jahrhunderts. Ohne Suffragetten in England, die sich an die Gartenhäge entlang des Parlaments angeschmiedet haben, ohne die verächtlich „Emanzen“ genannten Frauen, die für ihre Rechte und jene ihre Geschlechtsgenossinnen eintraten, sähe es in Europa, den USA und anderen westlichen Industriestaaten wohl nicht wesentlich anders aus als in muslimischen Staaten, wo heute noch Frauen unterdrückt und diskriminiert werden.

Dank am Frauentag allen, die mitgeholfen haben

Zetkin luxemburg1910Meine Tante Marguerite, Adjunktin des Schweizerischen Kaufmännischen Vereins und Redaktorin des „Zentralblattes“ hat sich bis zu ihrer Pensionierung 1964 und weit darüber hinaus für die Rechte der Frauen in der Schweiz eingesetzt. Von der Familie her gehörte sie zum Zürcher Freisinn, von ihrer beruflichen Stellung her aber war das „Fräulein Schindler“ das typische Kind eines mager besoldeten Angestellten. Sie starb 1978 und hat auch nach der Pensionierung ihre Hausaufgaben zur Gleichberechtigung der Frauen im Arbeitsprozess gemacht. Ich danke meiner Tante und allen, Sozialistinnen wie Hedi Lang, allen Bürgerlichen wie Judith Stamm und Josy Meyer, den SVP-Politikerinnen Myrtha Welti und Brigitte Gadient, die unsere einst männerverwaltete Schweiz ein bisschen liebenswerter gemacht haben!

suffragettes 372 

Bildquellen: Titel: Foto WillY

Bild links: Plakat Frauentag 1914 aus Wikipedia

Bild rechts: Carla Celtin und Ros Luxemburg 1910 (Wikipedia, Internationaler Frauentag)

Letztes: Wikipedia, A Suffragette protest in London. Photograph: PA