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13.03.2015 -- Bernhard Schindler / wv

65+ - Wir sind schon lang im Club der Hol-mer und Bring-mer

Die netten Zeitgenossen von uns Senioren wünschen uns in den Gang go Club


Bild: aus Wikipedia zum Thema Boule-Spiel

   

Als wir noch junge Spunde waren, sprachen wir von den „Gruftis“ und, schlimmer noch, von den „Kompostis“. Damit meinten wir Leute, die damals meist jünger waren als wir heute.

Jene aber, die zurzeit voll im Saft sind, äussern sich nicht mehr so bösartig. Sie sind tolerant und sehen uns schlimmstenfalls im „Gang-go-Club“. Als Gang gos bezeichnet man die Hol-mer und Bring-mer, die Senioren, die man nolens volens noch im “Stöckli“ beschäftigt (in einem engen Büro für drei bis vier ehemalige Direktoren, die noch alte Kunden pflegen dürfen). Sie wissen im Archiv Bescheid und holen vergilbte Akten, man grüsst sie noch im Büro, aber sie haben keine eigenen Sekretärinnen mehr.

’s lytet, gang go ufmache!

Rentner, die nach ihrem Chef und den Untergebenen nun der Frau zur Last fallen und dort organisieren, wo längst alles bestens klappt, werden von ihren weiseren Frauen langsam auf ihren Ruhestand vorbereitet. Das beginnt etwa, wenn die Frau kocht und der Pöstler läutet mit: „Schatz, ‚s lytet, gang go d’Poscht hole!“ Oder „Gosch mer bisseguet go poschte – I ha der alles ufgschrybe!“

Sie weiss dann, dass ihr lieber Hermann oder Bernhard oder George zwei erholsame Stunden aus dem Haus ist. Vielleicht trifft er sogar in der Migros ein paar alte Kumpane, und dann ist natürlich der Stärne das nächste Ziel. – Kommt er vier Stunden später zurück, hat er zwar Wichtiges geposchtet wie Fasnachtskiechli und erste Ostereili, aber alles vergessen, was ihm seine Süsse extra aufgeschrieben hat. Sie wird dann abends nochmals einkaufen gehen und so nochmals für eine Stunde Freizeit geniessen.

 

„Va jouer aux boules!“

Männer, die im Geschäft absolutistische Könige waren, sind nach der Pensionierung für wichtige geschäftliche Besprechungen nicht mehr zu gebrauchen. Ich kenne ein armenisches Pärchen, das nach 1920 aus der Türkei fliehen musste und in Paris landete. Beide waren „Tailleurs“, und in der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg lebten sie ganz gut von der Anzug-Schneiderei. Dann aber kamen ihre Modelle aus der Mode, nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Franzosen kein Geld und die reichen Amerikaner blieben aus. Da musste dann Frau Dalgallian oft mit Lieferanten streiten, erste Betreibungen kamen ins Haus. Und weil sich Aram Dalgallian dabei immer so aufregte, wurde er meines Wissens zum ersten Mitglied des internationalen Gang go Clubs. Wenn der Gerichtsvollzieher wieder einmal läutete, sagte sie zu ihrem Mann: „Je fais cela, toi, tu vas jouer aux boules!“

1967 besuchten die Dalgallians ihren Sohn, der unterdessen Lehrer in Fällanden geworden war. Wir wohnten als Nachbarn im gleichen Haus. Und bald schon wollte Aram mit mir Boules spielen. Und war total verblüfft, dass ich keine Boules-Kugeln besass…

Warum ich diese Kolumne ausgerechnet heute schreibe?

Heute Nachmittag kommt unser Steuerberater. Meine Frau hat mich beim Ausfüllen gar nicht gern dabei, denn ich frage immer, wo denn das ganze schöne gute Geld hingekommen ist.

„Gang go spaziere mit em Hund, Schatzi!“

Gang go – also göhm-mer halt!